Hauptstadt-Notizen: Kampf hinter den Kulissen

Ein Verbot des Arzneimittelversandhandels wird nicht nur immer unwahrscheinlicher, es ist offenkundig derzeit auch kein politischer Wille erkennbar, dessen Auswüchse einzudämmen. Nichts anderes muss man wohl aus dem Referentenentwurf zur 15. Novelle des Arzneimittelgesetzes (AMG) herauslesen. Doch das ist nicht die einzige Problematik.

Zu den so genannten „Pick-up-Stellen“, die man sehr wohl auch mit diesem Gesetz hätte eindämmen können, steht im Entwurf nichts. Die Bundesregierung hat sich zwar nach Bekanntwerden des Schlussgutachtens des Generalanwalts beim Europäischen Gerichtshof zum deutschen Fremdbesitzverbot noch einmal sehr deutlich zur inhabergeführten und unabhängigen Apotheke bekannt; bei diesem Bekenntnis will sie es aber wohl auch belassen. Dem Versandhandel möchte Ulla Schmidt offenbar keine Steine in den Weg legen.

Dromärkte: „Passieren wird da nichts!“

Derzeit wird – einmal mehr – hinter den Kulissen gekämpft. Daher hält sich die ABDA auch bedeckt. Man muss aber kein Prophet sein, um zu ahnen, dass die Standesvertreter derzeit alles versuchen, um den Vormarsch der Drogeriemärkte in die Arzneimittelversorgung über das AMG zu bremsen. Ob sie damit Erfolg haben, ist allerdings fraglich. „Passieren wird da nichts!“ ließ ein Ministeriumsvertreter am Rande einer Veranstaltung verlauten. Zitieren lassen wollte er sich mit dieser Aussage allerdings nicht – auch hier sucht man nicht die öffentliche Konfrontation.

Zytostatikaherstellung: falsche Signale für Apotheken

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Die ist allerdings für die Zytostatika-herstellenden Apotheken bereits eingetreten. Rund 300 niedergelassene Apothekerinnen und Apotheker haben erhebliche Mittel investiert, um die ortsnahe Versorgung von onkologischen Patienten mit diesen schwierig herzustellenden Rezepturen auch durch öffentliche Apotheken zu gewährleisten.

Werden die im Entwurf vorgesehenen Neuregelungen in den Gesetzestext gegossen, wird es für sie sehr schwer werden, weiterhin Zytostatika herzustellen. Denn alle Rabatte, die die Apotheken im Einkauf erhalten, müssen sie dann an die Kassen abführen. Insgesamt 300 Millionen Euro will die Regierung mit dieser Regelung, die auch für andere Rezepturen aus Fertigarzneimitteln (wie etwa biotechnologische Produkte) gelten soll, einsparen. Angesichts der knappen Ressourcen ist das vielleicht nachvollziehbar. Ein positives Signal für die öffentlichen Apotheken sähe allerdings anders aus.

Großhandelsvergütung: Hersteller rebellieren gegen Festhonorar

Besonders strittig ist die Umstellung der Großhandelsvergütung in Richtung eines Festhonorars. Hiergegen läuft insbesondere die Industrie Sturm. Die Hersteller preiswerter Arzneimittel wie Generika warnen vor der dadurch eintretenden signifikanten Verteuerung des Apothekenverkaufspreises ihrer Produkte.

Die Unternehmen befürchten wohl zu Recht, dass sie dadurch – analog zur Umstellung der Apothekenvergütung auf das Kombimodell – unter noch größeren Preisdruck geraten. Die forschenden Arzneimittelhersteller wehren sich gegen die gleichzeitig vorgesehene Verpflichtung, alle Arzneimittel auch dem Großhandel zu liefern. Hier sehen sie einen Eingriff in ihre Freiheit zur ausschließlichen Direktbelieferung. Die Apotheker weiß der Großhandel an seiner Seite. Denn da aufgrund der Direktbelieferung gerade sehr teurer Arzneimittel den Grossisten Gewinne entgingen, mussten die Apotheker diese als Großhandelskunden über ihre Konditionen ausgleichen.

Es ist schlüssig, dass der Großhandel im Gegenzug einen Sicherstellungsauftrag erhält. Denn der verpflichtet ihn, sich gegenüber den Apotheken für alle Arzneimittel lieferfähig zu halten. Die derzeitige Formulierung des AMG birgt allerdings Gefahren. Denn sie könnte als Sicherstellungsauftrag gegenüber den Patienten ausgelegt werden. Angesichts des immer noch möglichen Falls des Fremdbesitzverbotes wäre das eine veritable Steilvorlage. Der Kampf hinter den Kulissen geht weiter …

Elmar Esser (elmaresser@e-zwo.info)

Diesen Artikel finden Sie in APOTHEKE + MARKETING 02/2009 auf Seite 22 oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

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