Zertifizierte Fortbildung: Der Wirkstoff Tafluprost

Etwa sieben Prozent der Bundesbürger sind von einem erhöhten Augeninnendruck betroffen – wichtigstes Leitsymptom für ein Glaukom, im allgemeinen Sprachgebrauch auch als Grüner Star bekannt. Diese Augenerkrankung verläuft chronisch. Sie kann nicht geheilt, jedoch gut behandelt werden. Seit knapp zehn Jahren steht mit den Prostaglandinanaloga eine weitere gut wirksame Behandlungsoption zur Verfügung.

Historie: Prostaglandinderivate sind als Therapiemöglichkeit erst seit 1997 auf dem Markt und damit die derzeit jüngste Wirkstoffgruppe zur lokalen Behandlung des Offenwinkelglaukoms. Nach Latanoprost (Xalatan®), Travoprost (Travatan ®) und Bimatoprost (Lumigan®) ist Tafluprost* der vierte Vertreter dieser Substanzklasse.

Der entscheidende Vorteil der Prostaglandinderivate liegt in der nur einmal täglichen Anwendung. Sie senken von allen Antiglaukomatosa in der Monotherapie den Augeninnendruck am stärksten (um bis zu 40 Prozent vom Ausgangsdruck), da sie sowohl den (druckabhängigen) trabekulären Abfluss verbessern als auch den (druckunabhängigen) uveoskleralen Abfluss des Kammerwassers deutlich erhöhen.

Tafluprost kam im Juni 2008 neu auf den deutschen Arzneimittelmarkt und ist zur Senkung des erhöhten Augeninnendrucks (intraokularer Druck, IOD) bei Offenwinkelglaukom und okulärer Hypertension sowohl als Monotherapie als auch in Kombination mit einem Betablocker zugelassen. Anders als seine Vorgänger wird Tafluprost nicht nur in Mehrdosenbehältnissen (Taflotan®) sondern auch als Einzeldosis (Taflotan ® sine) ohne Konservierung durch Benzalkoniumchlorid angeboten

Glaukomerkrankung und Therapiemöglichkeiten

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Das Glaukom („grüner Star“) ist heute noch immer die zweithäufigste Ursache einer Erblindung in den industrialisierten Ländern. Weltweit gibt es schätzungsweise rund 67 Millionen Erkrankte. Allein in Deutschland leiden etwa 500 000 Menschen an einem erhöhten Augeninnendruck. Zehn Prozent von ihnen sind von einer Erblindung bedroht.

Als wichtigster Risikofaktor für die Entstehung einer Glaukomerkrankung gilt eine pathologische Erhöhung des Augeninnendrucks (intraokularer Druck, IOD) über 26 mm Hg, welche meist auf eine Abflusshinderung des Kammerwassers zurückzuführen ist. Beim primären Offenwinkelglaukom (Weitwinkelglaukom), der häufigsten Glaukomform, kann das Kammerwasser durch das Trabekelmaschenwerk infolge struktureller Veränderungen des Trabekels nur schwer bis gar nicht hindurchgelangen.

Als weiteres Abflusshindernis ist eine mögliche Drucksteigerung in den ableitenden Venen anzuführen. Langfristig kommt es durch den erhöhten Augeninnendruck zur Schädigung des Sehnervs mit der Folge von Gesichtsfeldausfällen bis hin zur Erblindung.

Die Therapie des Glaukoms kann sowohl medikamentös als auch chirurgisch durchgeführt werden. In dem von der European Glaucoma Society (EGS) empfohlenen Therapie-Stufenplan steht die medikamentöse Augeninnendrucksenkung vor der Laserchirurgie des Trabekelwerks und vor der (filtrierenden) Glaukom-Chirurgie. Die medikamentöse Therapie erfolgt in der Regel lokal. Lediglich der akute Glaukomanfall oder das anders nicht beherrschbare Glaukom werden systemisch behandelt.

Therapieziel ist, den individuell für einen Patienten festgelegten Zieldruck zu erreichen und diesen möglichst ohne große Druckschwankungen langfristig sicherzustellen. Der statistische Normbereich bei Gesunden liegt zwischen 10 und 21 mmHg, im Mittel bei 15,5 mmHg. Die EGS fordert in ihren Richtlinien zur Glaukombehandlung eine Augeninnendrucksenkung um mindestens 30 Prozent unter den Ausgangswert sowie dauerhafte IOD-Werte unter 18 mmHg.

Entscheidend ist jedoch die durch den Augenarzt durchgeführte individuelle Zieldruck-Kalkulation unter Beachtung der verbleibenden Lebenserwartung des Patienten, der bereits bestehenden Sehnervschädigung, der bislang beobachteten Progressionsgeschwindigkeit und dem Vorhandensein weiterer Risikofaktoren wie einer dunklen Hautfarbe, der Einnahme von Glucocorticoiden oder einer genetischen Prädisposition.

Nach den ESG-Richtlinien sind Prostaglandinderivate, Betablocker, Alpha-Agonisten und topische Carboanhydrasehemmer Wirkstoffe der ersten Wahl. Bei nicht ausreichendem Therapieerfolg oder auftretender Unverträglichkeit einer Monotherapie sollte zunächst eine Umstellung auf ein anderes Fertigarzneimittel oder einen anderen Wirkstoff unternommen werden. Erst danach sollte auf ein Arzneimittel der zweiten Wahl (Parasympathomimetika, nicht selektive Sympathomimetika) oder ein Kombinationspräparat übergegangen werden.

Korrespondierende Autorin: Apothekerin Claudia Hübner (huebner_cl@web.de), Quelle: Fachinformationen Taflotan® 15 Mikrogramm/ml Augentropfen und Taflotan® sine 15 Mikrogramm/ml Augentropfen im Einzeldosisbehältnis, Stand Mai 2008. / Jordan, J. S., Dietlein, T. S. und Krieglstein, G.K.: Medikamentöse Glaukom-Therapie, Arzneimitteltherapie, 25. Jahrgang, Heft 2, 2007, Seiten 54-62. / Taflotan® Produktinformation auf der Homepage der Firma Santen: http://web.santen.fi/taflotan/de/extra.t...tu.html.stx.

Diesen Artikel finden Sie in APOTHEKE + MARKETING 04/2009 auf Seite 44 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

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