Zertifizierte Fortbildung: Der Wirkstoff Tafluprost
Medizinische Chemie
Wirkmechanismus
Tafluprost ist ein fluoriertes Analogon von Prostaglandin F2?. Durch die enzymatische Hydrolyse des Esters entsteht erst in der Hornhaut (Cornea) der biologisch aktive Metabolit Tafluprostsäure. Dieser ist ein hochpotenter und selektiver Agonist des menschlichen Prostanoid FP-Rezeptors. Es kommt zu einem verstärkten uveoskleralen Abfluss von Kammerwasser. Dadurch sinkt der intraokuläre Druck (IOD), und das Risiko einer (fortschreitenden) Schädigung des Sehnervs wird herabgesetzt.
Klinische Pharmakologie
Pharmakodynamik
Tafluprost besitzt den ATC-Code S01EE05. Es gehört zur pharmakotherapeutischen Gruppe der Glaukommittel und Miotika, Prostaglandinanaloga. Der aktive Metabolit Tafluprostsäure besitzt eine zwölfmal höhere Affinität zum FP-Rezeptor als Latanoprostsäure. Die Drucksenkung beträgt etwa 30 Prozent vom Ausgangswert. Sie setzt zwischen zwei und vier Stunden nach der ersten Anwendung ein. Die maximale Wirkung wird etwa zwölf Stunden nach dem Eintropfen erreicht und hält über mindestens 24 Stunden an. Tafluprost ist als Monotherapeutikum wirksam und hat eine additive Wirkung, wenn es als Begleittherapie zu Timolol angewendet wird.
Pharmakokinetik
Tafluprost geht nur in geringen Mengen in den systemischen Kreislauf über. In Studien wurde innerhalb der ersten acht Tage eine konstante, niedrige Plasmakonzentration (Cmax zwischen 24,4 und 31,4 pg/ml, AUCÜ-last zwischen 405,9 und 581,1 pg*h/ml) nachgewiesen. Bereits eine Stunde nach okulärer Anwendung sank die Plasmakonzentration auf einen Wert unterhalb der Nachweisgrenze (10 pg/ml). Es konnten keine signifikanten Unterschiede in der systemischen Bioverfügbarkeit zwischen Formulierungen mit und ohne Konservierungsmittel belegt werden.
Die Metabolisierung von Tafluprost erfolgt zunächst über Hydrolyse zur pharmakologisch aktiven Tafluprostsäure und dann über Betaoxidation zur 1,2-Dinor- und 1,2,3,4-Tetranor-Tafluprostsäure, die glukuronidiert oder hydroxiliert werden kann. Das Cytochrom P450-(CYP-)Enzymsystem ist nicht beteiligt.
Dosierung
Die empfohlene Dosierung beträgt einmal täglich abends einen Tropfen (entspricht 15 ?g/ml Tafluprost) in den Bindehautsack. Eine häufigere Anwendung darf nicht erfolgen, da dies die beabsichtigte Augeninnendruck-senkende Wirkung abschwächen kann.
Gegenanzeigen
Das Arzneimittel darf nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile.
Wechselwirkungen
Tafluprost geht nach lokaler Applikation am Auge in nur geringen Mengen in den systemischen Kreislauf über. Daher sind hier keine Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln zu erwarten.
Schwangerschaft und Stillzeit
Tierexperimentelle Studien haben eine Reproduktionstoxizität gezeigt. Frauen im gebärfähigen Alter dürfen daher Tafluprost ohne eine sichere Empfängnisverhütung nicht anwenden. Ebenso sollte es nicht bei Schwangeren eingesetzt werden. Tafluprost geht in die Muttermilch über und darf daher auch nicht während der Stillzeit genommen werden.
Nebenwirkungen
Die in Studien am häufigsten beobachtete Nebenwirkung war eine okuläre Hyperämie. Weiterhin wurde häufig über Augenjucken, Augenreizung, trockenes Auge, Fremdkörpergefühl im Auge, Augenliderythem, verschwommenes Sehen, verstärkten Tränenfluss, Ausfluss aus dem Auge, Verminderung der Sehschärfe, Photophobie und Augenlidödem berichtet. Außerdem wurde häufig über Kopfschmerzen geklagt.
Tafluprost hat als Prostaglandinderivat einen teilweise irreversiblen Effekt auf die Pigmentierung. Es kann zu einer Dunkelfärbung der Haut des Augenlids, zur verstärkten Irispigmentierung und zu einem vermehrten Wimpernwachstum kommen. Bei einer einseitigen Behandlung ist daher das Risiko einer lebenslangen Heterochromie gegeben.
Pharmaökonomische Aspekte
Glaukommittel gehören unter den Ophthalmika zu den am häufigsten verordneten Präparaten. Der wesentliche Anteil lässt sich dabei auf patentgeschützte Originalpräparate zurückführen. Bei den Prostaglandinderivaten unterliegen noch alle vier Substanzen dem Patentschutz. Das sowohl verordnungs- als auch umsatzstärkste Präparat im Jahr 2007 war in der Arzneimittelgruppe Miotika und Glaukommittel (ATC3-Code S01E) das Prostaglandinderivat Latanoprost (Xalatan R, Umsatzvolumen 60,8 Mio. Euro).
Die Kosten für die definierten Tagesdosen (Daily Defined Dose, DDD) schwanken bei den in Mehrdosenbehältnissen angebotenen Prostaglandinderivaten zwischen 0,79 und 0,99 Euro (siehe Tabelle). Taflotan® liegt mit 0,81 Euro pro DDD damit im unteren Preisbereich. Bezieht man die begrenzte Haltbarkeit von 28 Tagen einer angebrochenen Augenflasche mit ein, so stellt Taflotan® mit dem niedrigsten Stückpreis sowohl für die Einer- als auch die Dreierabpackung eine kostengünstige Alternative zu den zuvor auf den Markt eingeführten Prostaglandinderivaten dar. Für die unkonservierte Einzeldosisverpackung liegen die DDD-Kosten mit 1,06 Euro jedoch im Vergleich höher.
Pharmazeutische Betreuung
Patienten sollten sowohl durch den Arzt als auch den Apotheker über mögliche Nebenwirkungen informiert werden. Insbesondere sollte auf das verstärkte Wachstum der Augenwimpern, die Veränderung der Irispigmentierung und der Dunkelfärbung der Haut des Augenlids hingewiesen werden. Patienten sollte daher der Rat gegeben werden, nach dem Tropfen die überschüssige Flüssigkeit von der Haut abzuwischen.
Das Konservierungsmittel Benzalkoniumchlorid kann unter anderem eine Augenreizung verursachen. Zusätzlich kann es weiche Kontaktlinsen verfärben. Deshalb sollten Kontaktlinsenträger die Linsen vor dem Eintropfen benzalkoniumhaltiger Augentropfen herausnehmen und diese frühestens eine Viertelstunde nach der Anwendung wieder einsetzen.
Werden mehrere Augenpräparate gleichzeitig angewendet, sollte ein zeitlicher Abstand von mindestens fünf Minuten abgewartet werden.
*Tafluprost: Taflotan® und Taflotan® sine, Santen GmbH
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Korrespondierende Autorin: Apothekerin Claudia Hübner (huebner_cl@web.de), Quelle: Fachinformationen Taflotan® 15 Mikrogramm/ml Augentropfen und Taflotan® sine 15 Mikrogramm/ml Augentropfen im Einzeldosisbehältnis, Stand Mai 2008. / Jordan, J. S., Dietlein, T. S. und Krieglstein, G.K.: Medikamentöse Glaukom-Therapie, Arzneimitteltherapie, 25. Jahrgang, Heft 2, 2007, Seiten 54-62. / Taflotan® Produktinformation auf der Homepage der Firma Santen: http://web.santen.fi/taflotan/de/extra.t...tu.html.stx.
Diesen Artikel finden Sie in APOTHEKE + MARKETING 04/2009 auf Seite 44 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
