Apotheken-Porträt: Netzwerker aus Emsdetten
Die Zukunft der Apotheke mit interessanten Partnern und Unternehmen außerhalb des engen Geschäftsfeldes abzusichern, ist eine Premiumleistung erfolgreicher Netzwerker – jenseits des anrüchigen Ausspielens von „Vitamin B“. Hans-Jürgen Jesse ist ein Beispiel eines solchen modernen Apotheken- Netzwerkers, der es versteht, Win-win-Situationen zu nutzen und auszubauen.
Die Spitzweg Apotheke ist gut aufgestellt. Mit 18 Mitarbeitern ist sie eine von zehn Apotheken in Emsdetten, einer Stadt mit 36 000 Einwohnern in der Nähe von Münster. Eine große Offizin, motivierte Mitarbeiter und eine technische Ausstattung, die sich sehen lassen kann, bieten auch andere Apotheken. Aber ein Apotheker, der sich im Netzwerk „Gesundes Emsdetten“ und bei den Rotariern immer wieder für seine Stadt einsetzt, ist schon eine Ausnahme. „Stillstand ist Rückschritt“, sagt Hans J. Jesse, der in diesem Jahr den 30. Geburtstag der Spitzweg Apotheke feiert.
„Wir haben täglich 350 Kunden und mehr in unserer Apotheke“, so Jesse. Er weiß, was sein Team am Ende des Tages geleistet hat. „Der Rohgewinn aus Rezepten ist im Moment noch ausreichend, aber wer weiß, was in den nächsten Jahren noch kommt?“
Eine Frage der Kreativität
„Mit Rezepten ist auf Dauer kein Geld mehr zu verdienen“, meint Strategieberater Michael Lück, der Jesse seit inzwischen sieben Jahren im Marketing betreut. „Daher müssen wir Bedürfnisse der Menschen befriedigen, die unabhängig sind von Tageslaune und Wirtschaftskrise“. Das Beratungsthema „Tierisch gut“ ist einer dieser Bedürfnisbereiche, denn die etwa acht Millionen Haustiere in Deutschland werden als Familienmitglieder, Kinder- oder Partnerersatz betrachtet. Ob Bachblüten oder homöopathische Hilfe für Hunde und Katzen, ob Nahrungsergänzung oder Antiflohmittel – jeder Hundebesitzer gibt im Jahr für Gesundheit und Ernährung ungefähr 500 bis 800 Euro für seinen Liebling aus.
Verdienen ohne Rezept – mit Competence-Centern
Nur ein Display aufzustellen und auf die Hundebesitzer zu warten, ist eben nicht der Marketingansatz in der Spitzweg Apotheke. Deshalb wurde ein Marketingkonzept entwickelt, das eine sinnvolle Vernetzung von Gleichgesinnten vornimmt. Viele Menschen hätten gern ein Tier, haben aber Angst vor den hohen Kosten.
Deshalb bietet die Spitzweg Apotheke seit April 2009 jedem, der das Tier des Monats vom Tierheim übernimmt, ein pharmazeutisches Starterpaket im Wert von 100 Euro. Marketingpartner sind die Emsdettener Volkszeitung und das Tierheim Rote Erde. Mit einem großen Pharmaunternehmen und einem Versicherungskonzern ist die Apotheke noch im Gespräch.
In Kooperation mit dem Naturkostgeschäft Grunwald aus Emsdetten wiederum führt die Apotheke den Workshop „Das erste Löffelchen selber kochen – schnell und gesund“ durch (siehe Abbildung rechts oben). Zum Preis von fünf Euro erfahren die jungen Mütter und Väter, wie einfach selbst kochen für die Kleinen sein kann.
Die Umsetzung des Spitzweg-Slogans „Natürlich geht’s“ erlebt der Kunde in der Art der Beratung. Das HV-Team fragt nach den Ursachen der Befindlichkeitsstörungen, um daraus Empfehlungen – so oft es geht auch mit Naturheilmitteln – ableiten zu können. In der Sicht- und Freiwahl fällt der Naturtrend ebenfalls ins Auge. Jesse hebt dabei fünf Kompetenz-Bereiche besonders hervor (siehe Abbildung oben).
Klaus Hölzel
Diesen Artikel finden Sie in APOTHEKE + MARKETING 05/2009 auf Seite 34 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
