An Grunderkrankungen denken: Wenn der Kopf schmerzt
Schmerzen, darunter auch Kopfschmerzen, gehören zu den am häufigsten in der Apotheke beschriebenen Beschwerdebildern, und die Betroffenen wünschen sich schnelle und wirksame Hilfe. Das Apothekenpersonal sollte sich vor der Empfehlung eines bestimmten Arzneimittels gründlich nach weiteren Symptomen erkundigen, nach den Ursachen der Schmerzen forschen und dem Patienten im Fall der Fälle von der Selbstmedikation abund einen Arztbesuch anraten.
Frau Schwarz, Mitte 50, kommt nachmittags in die Apotheke und verlangt ein Medikament gegen ihre Kopfschmerzen. Frau Bach, die PTA, fragt: „Ist das Arzneimittel für Sie selbst?“ Nachdem die Patientin dies bejaht, stellt Frau Bach weitere Fragen zu Dauer, Lokalisation, Intensität und Begleitsymptomen der Kopfschmerzen.
Sie erfährt, dass die Kundin die Kopfschmerzen seit dem frühen Morgen hat, die Schmerzen den ganzen Kopf betreffen, unverändert in Ruhe und Bewegung auftreten und dass ansonsten keine weiteren Symptome vorliegen. Frau Schwarz hat am nächsten Tag einen wichtigen Termin und will dafür heute noch Unterlagen erarbeiten. Sie benötigt also einen klaren Kopf und schnelle Hilfe.
Die Empfehlung
Bevor Frau Bach zu einem Arzneimittel rät, erkundigt sie sich weiter: „Damit ich Ihnen das für Sie optimale Arzneimittel empfehlen kann, benötige ich noch eine weitere Information: Nehmen Sie andere Medikamente ein und wenn ja, welche?“ Die Kundin nennt ein Hormonpräparat gegen Wechseljahresbeschwerden; ansonsten nehme sie nichts ein. Frau Bach empfiehlt ein Ibuprofenpräparat mit einer Einmaldosierung von 400 mg. Sie macht auf die Tageshöchstdosis von 1200 mg aufmerksam und gibt noch den Rat, einen Arzt aufzusuchen, falls die Kopfschmerzen nach drei bis vier Tagen noch anhielten.
Die Fallanalyse
Frau Bach hat viele wichtige Fragen gestellt, um die Selbstdiagnose der Patientin zu überprüfen und relevante Informationen für ihre Empfehlung zu erhalten. Die Aussagen der Patientin deuten auf Spannungskopfschmerzen hin. Über 90 Prozent der auftretenden Kopfschmerzen lassen sich den beiden Formen Spannungskopfschmerz oder Migräne zuordnen, wobei Spannungskopfschmerz die häufigste Form ist.
Es fehlte im Beratungsgespräch jedoch die Frage nach der Häufigkeit des Auftretens und der üblichen Medikation. Dadurch könnte ein medikamenteninduzierter Kopfschmerz ausgeschlossen werden. Hier ist an die Empfehlung der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft zu denken: Generell sollten Kopfschmerztabletten nicht länger als an drei Tagen hintereinander oder nicht an mehr als zehn Tagen im Monat genommen werden, ansonsten ist ein Arztbesuch anzuraten.
Frau Bach stellt die wichtige Frage nach weiteren Medikamenten, um eventuelle Wechselwirkungen ausschließen zu können. Bei Ibuprofen ist die mögliche Einnahme von Acetylsalicylsäure in der Dosierung 100 mg abzuklären. Falls dies der Fall ist, ist der Hinweis wichtig, zuerst das ASS-haltige Präparat einzunehmen und danach, mindestens eine halbe Stunde später, Ibuprofen. Dann tritt die mögliche Wechselwirkung (Abschwächung der Wirkung von ASS 100 mg) nicht ein.
Dr. Lieselotte Hartmann (l.hartmann@redline-seminare.de)
Diesen Artikel finden Sie in APOTHEKE + MARKETING 09/2009 auf Seite 16 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
