Zertifizierte Fortbildung: Das Antihämorrhagikum Romiplostim
Dosierung
Romiplostim ist als Injektionslösung auf dem Markt und sollte einmal pro Woche als subkutane Injektion unter der Anleitung eines erfahrenen Hämatologen angewendet werden. Die empfohlene Anfangsdosis beträgt 1 μg/kg Körpergewicht. Die einmal wöchentliche Dosis sollte so lange in Schritten von 1 μg/kg erhöht werden, bis eine Thrombozytenzahl von mindestens 50 x 109/l erreicht ist. Eine wöchentliche Bestimmung der Anzahl an Thrombozyten sollte so lange erfolgen, bis eine stabile Zahl (≥ 50 x 109/l für mindestens vier Wochen ohne Dosisanpassung) erreicht wird.
Steigt die Thrombozytenzahl zu stark an, muss der Arzt die Behandlung unterbrechen. Die maximale Dosis beträgt 10 μg/kg Körpergewicht pro Woche. Wenn nach einer vierwöchigen Behandlung mit dieser Dosis die Blutplättchenzahl noch immer nicht ausreichend hoch ist, wird empfohlen, die Therapie mit Romiplostim abzubrechen.
Gegenanzeigen
Bei Patienten mit Leber- oder Niereninsuffizienz sollte Romiplostim nur vorsichtig zum Einsatz kommen. Wegen nicht ausreichender Daten zur Unbedenklichkeit und Wirksamkeit ist Romiplostim nicht zugelassen für die Anwendung bei Kindern und Jugendlichen. Obwohl keine Unterschiede bezüglich der Unbedenklichkeit und Wirksamkeit bei älteren Patienten beobachtet wurden und keine Anpassung der Dosis für ältere Patienten erforderlich ist, ist aufgrund der bisher geringen Fallzahl älterer Patienten innerhalb klinischer Prüfungen Vorsicht geboten.
Weiterhin ist auf mögliche Überempfindlichkeiten gegen den Wirkstoff, sonstige Bestandteile oder insbesondere gegen aus E. coli stammende Proteine zu achten.
Nebenwirkungen
Unter der Therapie mit Romiplostim treten sehr häufig Kopfschmerzen auf. Auch gastrointestinale Beschwerden wie Übelkeit und Erbrechen sowie Knochen- und Muskelschmerzen sind häufig zu beobachten. Einige Patienten reagieren mit Hautveränderungen an der Injektionsstelle. Weiterhin können Knochenmarkstörungen in Form einer Vermehrung von Fasern im Knochenmark (Retikulin) auftreten.
Wechselwirkungen
Über Interaktionen mit anderen Arzneistoffen ist noch wenig bekannt, da bisher keine umfangreichen Wechselwirkungsstudien durchgeführt wurden. Generell gilt, dass nach Absetzen von Romiplostim ein erneutes Auftreten einer Thrombozytopenie wahrscheinlich ist und daher ein erhöhtes Blutungsrisiko besteht. Dies gilt vor allem dann, wenn Romiplostim bei gleichzeitiger Behandlung mit Antikoagulanzien oder Thrombozytenaggregations-Hemmern abgesetzt wird. Eine engmaschige Überwachung der Patienten nach Absetzen von Romiplostim ist daher erforderlich.
Arzneimittel für die ITP-Behandlung, die in klinischen Studien in Kombination mit Romiplostim eingesetzt wurden, umfassten Kortikosteroide, das Testosteronderivat Danazol und/oder das Immunsuppressivum Azathioprin, intravenöse Immunglobuline (IVIG) und Anti-D-Immunglobuline. Wird Romiplostim mit anderen Arzneimitteln zur ITP-Behandlung kombiniert, sollten die Thrombozytenzahlen überwacht werden, um zu verhindern, dass diese außerhalb des empfohlenen Bereiches liegen. Kortikosteroide, Danazol und Azathioprin können gegebenenfalls bei gleichzeitiger Anwendung von Romiplostim reduziert oder abgesetzt werden.
Schwangerschaft und Stillzeit
Während Schwangerschaft und Stillzeit sollte Romiplostim nur dann zum Einsatz kommen, wenn dies zwingend erforderlich ist, da derzeit keine klinischen Daten zur Exposition von Romiplostim bei Schwangeren vorliegen. Mittels tierexperimenteller Reproduktionstoxizitätsstudien konnte jedoch eine erhöhte fetale Thrombozytenzahl bei Ratten gezeigt werden. Es ist außerdem wahrscheinlich, dass Romiplostim in die Muttermilch übertritt, so dass ein Risiko für das gestillte Kind deshab nicht ausgeschlossen werden kann.
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Korrespondierender Autor: Apotheker Dr. Sebastian Günther (guenther.sebastian@vetmed.fu-berlin.de)
Diesen Artikel finden Sie in APOTHEKE + MARKETING 10/2009 auf Seite 44 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
