Zertifizierte Fortbildung: Rheumatoide Arthritis - Der Wirkstoff Tocilizumab

Ein neuer monoklonaler Antikörper erweitert künftig die Behandlungsmöglichkeiten bei rheumatoider Arthritis, einer schweren chronisch-entzündlichen Krankheit des Bindegewebes. Etwa ein Prozent der Bevölkerung ist davon betroffen. Mithilfe einer geeigneten Behandlung kann der Mehrzahl der Patienten geholfen werden. Neben der konventionellen Therapie werden zunehmend Biologika eingesetzt.

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Medizinische Chemie

Historie: Die rheumatoide Arthritis (RA) ist eine der häufigsten chronisch entzündlichen Autoimmunerkrankungen der Gelenke. Betroffen von RA sind circa 0,5 bis ein Prozent der Menschen in Deutschland, wobei Frauen etwa doppelt so häufig daran erkranken wie Männer. Hinter dem weit verbreiteten Begriff Rheuma verstecken sich mehr als 300 verschiedene Formen von entzündlichen Erkrankungen, die RA ist nur eine davon.

Es handelt sich um eine Systemerkrankung des Bindegewebes, die sich in erster Linie an den Gelenken manifestiert. Dabei sind vor allem Gelenke betroffen, die von einer Synovialmembran umgeben sind. Die Synovialmembran ist ein spezialisiertes Gewebe, welches den Schmierfilm und die Versorgung der Gelenke sicher stellt.

Für die Behandlung der RA stehen eine Vielzahl von Arzneistoffklassen zur Verfügung. Neben den symptom-modifizierenden klassischen nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR), Glukokortikoiden und Opioiden, sind vor allem die Disease Modifying Antirheumatic Drugs (DMARD) aus der RA-Therapie nicht wegzudenken. Die DMARD können den eigentlichen Krankheitsverlauf modifizieren, die Progression verlangsamen.

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Diese Arzneistoffklasse hat in den vergangenen zehn Jahren, durch die so genannten Biologika, eine kleine Revolution erlebt. Mit Infliximab kam 1999 in Deutschland der erste Tumor-Nekrose-Faktor (TNF)- α-Antagonist auf den Markt, für die RA erhielt er im Jahr 2000 die Erstzulassung. Ebenfalls im Jahr 2000 folgte Etanercept mit dem gleichen Wirkprinzip.

Einen weiteren Fortschritt stellte 2003 Adalimumab als erster humaner TNF-α-Antagonist dar. Mit dem 2002 zugelassenen Anakinra, einem Interleukin-1 (IL-1)-Antagonisten, kam ein weiterer Wirkmechanismus ins Spiel. Die beschriebenen Biologika sind bei Patienten indiziert, die nur unzureichend auf eine Therapie mit DMARDs, einschließlich Methotrexat (MTX), ansprechen.

Mit Tocilizumab (Fertigarzneimittelname RoActemra) kam im Januar 2009 der erste Interleukin-6 (IL-6)-Rezeptorantagonist auf den Markt, welcher sich in der Indikation nicht von den anderen Biologika unterscheidet. Doch dieser neue Wirkstoff bietet ca. 30 Prozent der Patienten, welche bisher auf die zur Verfügung stehenden Therapien nicht ausreichend angesprochen haben, eine neue Therapieoption.

Katrin Ingram (Katrin.Ingram@usz.ch)

Diesen Artikel finden Sie in APOTHEKE + MARKETING 11/2009 auf Seite 42 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

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