Zertifizierte Fortbildung: Der Wirkstoff Ustekinumab
Psoriasis ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, charakterisiert durch erhöhte Schuppenbildung. Die Symptome können so leicht ausgeprägt sein, dass der Betroffene kaum etwas davon bemerkt. Sie können aber auch so schwer wiegen, dass sie das Leben des Erkrankten erheblich einschränken. Rekombinant hergestellte Wirkstoffe haben in den letzten Jahren die Behandlungsmöglichkeiten einer Psoriasis erheblich verbessert.
Historie: Mit Ustekinumab (Name Fertigarzneimittel StelaraTM, Jansen-Cilag GmbH) wurde im Februar 2009 ein weiterer hoch wirksamer Vertreter der Gruppe der Biologika auf dem deutschen Arzneimittelmarkt eingeführt. Es handelt sich um einen humanen monoklonalen Antikörper. Die Indikation umfasst die systemische Behandlung der mittelschweren oder schweren Plaque-Psoriasis von erwachsenen Patienten, bei denen herkömmliche Therapien versagt haben.
Klinik
Krankheitsbild
Die Psoriasis, im Volksmund als Schuppenflechte bekannt, ist eine chronisch-entzündliche, T-Zell-vermittelte Hauterkrankung. T-Zellen sind besondere weiße Blutkörperchen, die in der spezifischen Abwehr eine wichtige Rolle spielen. Bei der Psoriasis sind T-Zellen sowohl für Entstehen als auch Fortbestehen der Entzündung verantwortlich. Ihre Abwehr richtet sich hier gegen die Keratinozyten in der Oberhaut.
Etwa ein bis drei Prozent der weißen Bevölkerung sind von der Erkrankung betroffen. Sie ist gekennzeichnet durch eine überstürzte Epidermisneubildung, bei der die Keratinozytenwanderzeit von der Basalschicht bis zur Hornschicht stark verkürzt ist. Dadurch entstehen stark schuppende, gerötete Hautareale, insbesondere an den Knien, den Ellenbogen und der Kopfhaut. Daneben können aber auch Gelenke (Psoriasis- Arthritis) und Finger- bzw. Zehennägel befallen sein.
Der klinische Schweregrad der Erkrankung wird in PASI (Psoriasis Area und Severity Index) gemessen. Bei etwa einem Drittel der Patienten nimmt die Erkrankung einen mittelschweren (PASI >10) oder schweren (PASI >20) Verlauf. Zu einem erheblichen Anteil ist die Psoriasis erblich bedingt, wobei ein polygener Vererbungsmodus vorliegt. Initial wird sie ausgelöst durch multiple exogene Noxen, wie beispielsweise schwere fieberhafte Infekte, Operationen und Traumen, oder durch endogene Triggerfaktoren, zu denen starke psychische Belastungen, hormonelle Veränderungen wie bei einer Schwangerschaft oder bestimmte Medikamente zählen.
Häufig tritt die Erkrankung zum ersten Mal während der Pubertät auf, eine Spätmanifestation nach dem 40. oder 50. Lebensjahr ist jedoch ebenfalls möglich. In der Regel nimmt sie einen chronischen oder chronisch-rezidivierenden Verlauf und bedarf daher einer Dauertherapie. Man unterscheidet verschiedene Formen der Psoriasis, wobei die Psoriasis vulgaris am häufigsten vorkommt.
Therapie
Bei leichteren Erkrankungsformen werden entsprechend den allgemeinen Therapieempfehlungen vorrangig topische Mittel eingesetzt. Hierzu zählen in erster Linie Dithranol, fluorierte Glukokortikoide und Vitamin-D-Analoga wie Calcipotriol, Calcitriol und Tacalcitol. Darüber hinaus werden teerhaltige Präparate, topische Retinoide und wirkstofffreie Salbengrundlagen äußerlich angewandt. Bei Patienten, bei denen die Psoriasis mittelschwer bis schwer ausgeprägt ist, bedarf es jedoch einer systemischen Therapie.
Hierfür stehen als Standardtherapeutika neben der Phototherapie (PUVA) Retinoide, Methotrexat (MTX), Ciclosporin A (CSA) und Fumarsäure-Ester zur Verfügung. Häufig sprechen Patienten auf diese Präparate jedoch nicht an, vertragen sie schlecht, oder sie sind kontraindiziert. Aufgrund des immer besseren Verständnisses der Pathogenese der Psoriasis und der Etablierung neuer gentechnologischer Verfahren konnten vor einigen Jahren die Biologika (engl.: „Biologics“, „Biological Products“) als innovativer Therapieansatz entwickelt werden.
Biologika sind rekombinante Proteine oder Peptide, die identisch mit körpereigenen Eiweißkörpern sind oder diesen nachempfunden wurden. Ziel der Biologika-Therapie ist eine selektive, immunologische Modulation spezifischer molekularer Pathomechanismen der T-Zell-vermittelten Entzündungsreaktion sowie von Zell- Zell-Interaktionen. Biologika sind monoklonale Antikörper, rekombinante humane Zytokine oder Fusionsproteine.
Die Wirkung beruht entweder auf einer Hemmung der Interaktion von T-Zellen mit Endothelzellen bzw. antigenpräsentierenden Zellen oder auf einer Blockade des Botenstoffs TNF-α. Derzeit sind fünf Biologika zur Therapie der mittelschweren oder schweren Plaque-Psoriasis bzw. Psoriasis-Arthritis in Deutschland zugelassen: Adalimumab (Humira®), Etanercept (Enbrel®), Infliximab (Remicade®), Efalizumab (Raptiva®) sowie Ustekinumab (StelaraTM).
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Dr. rer. med. Claudia Hübner (huebner_cl@web.de)
Diesen Artikel finden Sie in APOTHEKE + MARKETING 12/2009 auf Seite 42 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
