Zertifizierte Fortbildung: Der Wirkstoff Rupatadin

Therapie

Als Behandlungsmöglichkeiten der chronisch idiopathischen Urtikaria und allergischen Rhinitis stehen verschiedene Ansatzmöglichkeiten zur Verfügung, die aber durchaus auch parallel verfolgt werden können. Allgemein sollte unbedingt der Auslöser bzw. das Allergen der allergischen Reaktionen gefunden und vermieden werden.

Die chronische Nesselsucht ist selten auf eine einzige Ursache zurückzuführen. Meistens erweisen sich viele Nahrungsmittel, Farb- und Konservierungsstoffe als Auslöser. Deshalb ist es im Alltag oft recht schwierig, die auslösenden Stoffe zu meiden. Das ist besonders dann der Fall, wenn der Auslöser als Bestandteil von Nahrungsmitteln nicht auf den Verpackungen aufgeführt ist.

Zur Identifikation der vermeintlichen Auslöser dienen im Allgemeinen Provokationstests. Solche Untersuchungen sollten aufgrund möglicherweise schwer verlaufender Reaktionen unter stationären Bedingungen durchgeführt werden. Häufig begründet sich gerade die chronische Form der Urtikaria auf Infektionen oder Entzündungen im Magen-Darm-Bereich durch Helicobacter pylori oder bakterielle Infektionen des Nasopharynx.

Eine inhibierende Wirkung auf die Mastzellmediatorfreisetzung kann mit Ciclosporin A, aber auch mit Kortikosteroiden erreicht werden. Ciclosporin A kann zur Kurzzeitherapie über drei Monate mit einer Dosierung von 4mg/kg KG/Tag angewandt werden. Kortikosteroide sollten aufgrund der möglichen Nebenwirkungen wie Cushing-Syndrom nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abschätzung eingesetzt werden.

Anzeige

Nicht sedierende Antihistaminika der zweiten oder dritten Generation (Desloratadin, Ebastin, Fexofenadin oder Levocetirizin) sind heute Mittel der ersten Wahl zur Behandlung der Urtikaria. Schon bei geringer Dosierung zeigen sich deutliche Verbesserungen in der Lebensqualität von Urtikaria-Patienten. Bei Komedikation mit Arzneimitteln, die ebenfalls über das Cyochrom-P450-Enzymsystem metabolisiert werden, ist Vorsicht geboten.

Die Allergenkarenz gilt auch für Patienten mit allergischer Rhinitis als beste Behandlungsmöglichkeit. Dabei ist es sinnvoll, entsprechende Auslöser wie Tierhaare, Hausstaubmilben oder dergleichen zu meiden oder verstärkte Reinigungen durchzuführen. So genannte Encasings für Matratzen und Kissen helfen Hausstaubmilbenallergikern, die Allergenbelastung zu reduzieren und die Symptome zu lindern.

Als lokale Therapie zur Mastzellstabilisation stehen Vertreter der Wirkstoffgruppe der Cromone wie die Cromoglycinsäure und Nedocromil zur Verfügung. Diese finden zur Vorbeugung der Pollenflugsaison ihre Anwendung und sind im Gegensatz zu Antihistaminika und Glukokortikoiden schwächer wirksam. Die Behandlung der intermittierenden und persistierenden allergischen Rhinitis erfolgt medikamentös mit den topischen Glukokortikoiden oder den neueren nicht sedierenden Antihistaminika.

Neben weiteren Therapiemöglichkeiten wie den Leukotrienrezeptorantagonisten oder Sympathomimetika wird als kausale Therapie allergischer Erkrankungen die allergen- spezifische Immuntherapie (SIT) durchgeführt.

Diese Hyposensibilisierung gilt als eine sehr wirksame und kostengünstige Methode, durch welche Neusensibilisierungen vermieden und nasale sowie bronchiale Symptome reduziert werden können. Die SIT findet erfolgreiche Anwendung bei mono- bzw. oligosensibilisierten Patienten sowie bei Asthmatikern.

Klinische Studien

Die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Rupatadin konnte vor der Zulassung in klinischen Studien nachgewiesen werden. 2004 erfolgte eine multizentrische doppelblinde, randomisierte parallel- und placebokontrollierte Studie an 250 Patienten. Die Patienten mit saisonaler Rhinitis erhielten entweder 10 mg Rupatadin, 10 mg Ebastin oder Placebo einmal täglich für zwei Wochen. Insbesondere der Einfluss auf nasale (wie Niesen, juckende, laufende Nase sowie nasale Obstruktionen) und nicht nasale Symptome (wie Pharyngitis, Konjunktivitis und Tränenfluss) wurde untersucht.

Nach Auswertung der täglichen Gesamtsymptome (mean daily total symptoms) konnte eine 33-prozentige Verbesserung im Vergleich zu Placebo nach zweiwöchiger Behandlung festgestellt werden. 22 Prozent der Patienten wiesen weniger Beschwerden unter Rupatadin als unter Ebastin auf.

Desweiteren fand 2005 eine ähnliche Studie mit Rupatadin gegen Cetirizin und Placebo statt. Bereits nach sieben Tagen waren nasale Beschwerden zu 81 Prozent der Rupatadin-Patienten und 69 Prozent der Cetirizin-Gruppen abgemildert bzw. vollständig abgeklungen. Die Ergebnisse der Untersuchungen deuten darauf hin, dass die symptomatische Behandlung der saisonalen Rhinitis mit Rupatadin eine gute und sichere Alternative darstellt.

Eine abschließende Studie von 2008 bestätigte die Ergebnisse und untersuchte die Wirksamkeit und Sicherheit von Rupatadin erneut gegen Cetirizin und Placebo, dieses Mal über zwölf Wochen. Tatsächlich wurden Patienten von ihren nasalen Beschwerden wie nasaler Obstruktion signifikant schnell und lang anhaltend entlastet.

In einer placebokontrollierten Studie an Patienten mit chronischer idiopathischer Urtikaria über einen Zeitraum von vier Wochen erwies sich Rupatadin ebenfalls als wirksam. Diese Wirksamkeit wird anhand der Abnahme des Pruritus-Scores, die durchschnittliche Veränderung gegenüber dem Ausgangswert unter Rupatadin, mit etwa 58 Prozent versus 44,9 Prozent Placebo und Verminderung der mittleren Anzahl der Quaddeln (54 Prozent versus 40 Prozent) gezeigt.

Grundsätzlich lässt sich feststellen, dass Rupatadin in diesen Studien deutlich effektiver als Placebo und mindestens genauso wirksam und sicher wie die Vergleichssubstanzen war. Tatsächlich weist es auch im Vergleich zur dritten Generation wie z. B. Levocetirizin und Fexofenadin eine höhere Affinität zum H1-Rezeptor auf. Interessant wäre allerdings noch eine Vergleichsstudie zu dem ebenfalls verschreibungspflichtigen Wirkstoff Fexofenadin.

Carina Morgenstern | carina.morgenstern@gmx.net

Diesen Artikel finden Sie in APOTHEKE + MARKETING 01/2010 auf Seite 42 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

Inhalte durchsuchen

Titelseite

Mehr zum Thema

Diesen Artikel finden Sie in APOTHEKE + MARKETING 01/2010 auf Seite 42 ff.

Blättern: Seite 41  –  Seite 50

Online-Fortbildung zum Thema

Artikel-Downloads

Premium-Login

Im Premium-Bereich gelangen Sie zu den Fortbildungen und Ihren Zertifikaten.
Abonnenten haben zusätzlich Zugriff auf sämtliche Heftinhalte.

Aktionen

Newsletter

Mit unserem Newsletter erhalten Sie Fachinformationen künftig frei Haus – wöchentlich und kostenlos.

Jobs für PTA und Apotheker

Den Stellenmarkt für PTA und Apotheker gibt es ab sofort auf jobcenter-medizin.de.