Zertifizierte Fortbildung: Der Wirkstoff Lasofoxifen

Osteoporose gehört laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu den zehn wichtigsten Krankheiten. In Deutschland leben sechs bis acht Millionen Menschen mit Osteoporose, aber nur zehn Prozent werden adäquat behandelt. Noch immer wird die Krankheit von Laien wie Fachleuten oft unterschätzt. Inzwischen steht für eine Behandlung des gestörten Knochenstoffwechsels eine ganze Palette an Arzneistoffen zur Verfügung, die sich kürzlich um einen neuen selektiven Estrogenrezeptor-Modulator erweitert hat.

© Patricia Hofmeester / fotolia.com

Historie: Lasofoxifen ist ein selektiver Estrogenrezeptor-Modulator (SERM), der zur Behandlung von Osteoporose bei postmenopausalen Frauen mit erhöhtem Frakturrisiko zugelassen worden ist. Der Begriff SERM tauchte das erste Mal in den 90er-Jahren auf und umschreibt Wirkstoffe, die eine hohe Affinität zum Estrogenrezeptor besitzen und dadurch in einigen Geweben estrogenagonistische und in anderen estrogenantagonistische Aktivität entfalten.

Abhängig von den spezifischen Merkmalen und damit Reaktionen des SERMs im Körper haben sie ein breites Anwendungsspektrum, weisen allerdings auch immer eine Reihe estrogenähnlicher Nebenwirkungen auf. 1967 kam der erste Wirkstoff dieser Klasse auf den Markt: Clomifen zur Stimulation der Follikelreifung bzw. der Ovulationsinduktion. Der wohl bekannteste SERM Tamoxifen wird seit den 70er-Jahren zur Behandlung des hormonabhängigen Mammakarzinoms eingesetzt. Bei postmenopausalen Frauen mit metastasierendem Brustkrebs steht außerdem Toremifen als SERM zur Behandlung zur Verfügung.

Andere Wirkstoffe dieser Gruppe sind noch in der klinischen Erprobung für den Einsatz bei verschiedenen Tumorerkrankungen. Zum breiten Anwendungsspektrum der SERM gehört auch die Osteoporose: Neben Raloxifen, welches seit 1998 in Deutschland verfügbar ist, wurde nun auch für Lasofoxifen (Handelsname Fabyln®) nach erfolgreichen klinischen Studien die europaweite Zulassung erteilt.

Medizinische Chemie

Die SERMs sind zwar aufgrund ihrer verschiedenen Anwendungsgebiete eine recht heterogene Gruppe, lassen allerdings wegen ihrer chemischen Struktur auf eine gewisse Verwandtschaft schließen. Obwohl sie keine Steroidstruktur wie die Estrogene besitzen, müssen sie bestimmte Merkmale erfüllen, um an den Estrogenrezeptor binden zu können. Dazu zählt eine lipophile Grundstruktur, die außerdem eine Estrogen-ähnliche Raumfüllung aufweist.

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Während dies bei den meisten SERMs durch eine Triphenylethylgruppe gelöst wird, wird bei Lasofoxifen die Ethylenstruktur in einen rigiden Cyclohexanring eingebunden. Für die agonistische Wirkung ist zudem ein tertiäres Amin nötig, das über eine Oxyethylgruppe an einen Aromaten in para-Stellung geknüpft ist.

Wirkmechanismus
Wie der Name SERM schon sagt, modulieren diese Substanzen den Estrogenrezeptor, so dass je nach chemischer Struktur sowie dem Zielgewebe (Herz, Gehirn, Haut, Gefäßsystem, Knochen u. a.) agonistische, aber auch antagonistische Effekte in den Geweben ausgelöst werden können. Estrogene selbst sind an vielen Prozessen im Körper beteiligt, allen voran an der Differenzierung, Homöostase, Entwicklung und Aufrechterhaltung der reproduktiven Funktionen. Auch der Lipid- und Cholesterinstoffwechsel wird durch die körpereigenen Hormone beeinflusst.

Bei Frauen spielen Estrogene auch für den Knochenstoffwechsel eine wichtige Rolle, indem sie die Umbauprozesse im Knochen verlangsamen und so indirekt hemmend auf den Knochenabbau wirken. Nach der Menopause, also mit dem Wegfallen der körpereigenen Estrogenproduktion, ist die Gefahr für Frauen groß, an einer postmenopausalen Osteoporose zu erkranken. Die Zyklen des Knochenab- und -aufbaus werden mit größerer Geschwindigkeit abgewickelt. Die Steigerung der Knochenresorption kann meist nicht mehr mit einer adäquaten Knochenneubildung ausgeglichen werden, wodurch es langsam zu einem Verlust an Knochenmasse kommt. Lasofoxifen wirkt mittels Bindung an den Estrogenrezeptor hemmend auf diese Umsatzsteigerung und verhindert so den beschleunigten Knochenverlust.

Sophie Lochner (sophie.lochner@mailbox.tu-dresden.de)

Diesen Artikel finden Sie in APOTHEKE + MARKETING 02/2010 auf Seite 44 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

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