Zertifizierte Fortbildung: Der Wirkstoff Agomelatin

Gegenanzeigen
Das Medikament darf nicht angewendet werden, wenn eine Unverträglichkeit gegenüber dem Wirkstoff Agomelatin oder einem sonstigen Bestandteil der Filmtablette besteht. Da der Wirkstoff in der Hauptsache über CYP1A2 metabolisiert wird, darf Agomelatin nicht zusammen mit starken Inhibitoren dieses Isoenzyms (z. B. Fluvoxamin oder Ciprofloxacin) verabreicht werden. Bei gleichzeitiger Anwendung von mäßigen CYP1A2-Inhibitoren (z. B. Propranolol) ist Vorsicht geboten. Eine weitere Kontraindikation stellt eine eingeschränkte Leberfunktion dar.

Bei Patienten mit erhöhten Transaminasewerten sollten Leberfunktionstests innerhalb von 48 Stunden wiederholt werden. Übersteigen die Werte das Dreifache des oberen Normbereichs, sollte die Behandlung abgesetzt werden. Regelmäßige Leberfunktionstests sind notwendig, bis die Transaminasewerte wieder auf normale Werte zurückgegangen sind. Auch bei Symptomen einer hepatischen Dysfunktion ist die Leberfunktion zu überprüfen. Im Falle einer Gelbsucht muss die Behandlung abgebrochen werden.

Agomelatin sollte bei Patienten der Altersgruppe unter 18 Jahren, sowie bei älteren Patienten mit Demenz nicht angewendet werden, da hier Wirksamkeit und Unbedenklichkeit nicht belegt sind. Weiterhin ist Vorsicht geboten bei Patienten mit beträchtlichem Alkoholkonsum sowie bei Patienten, die potenziell leberschädigende Arzneimittel einnehmen, älteren Patienten, Patienten mit Niereninsuffizienz und Patienten mit Manie oder Hypomanie. Patienten mit hohem Suizidrisiko müssen unter der Arzneimitteltherapie engmaschig überwacht werden, insbesondere zu Beginn der Behandlung und bei Dosisanpassungen.

Wechselwirkungen
Alle Arzneimittel, die mit CYP1A2, CYP2C9 und CYP2C19 interagieren, können die Bioverfügbarkeit von Agomelatin verstärken oder abmindern. Eine 60-fach erhöhte Bioverfügbarkeit konnte nach Gabe des starken CYP1A2-Inhibitors Fluvoxamin nachgewiesen werden. Bei Kombination von Agomelatin mit mäßigen CYP1A2-Inhibitoren (z. B. Estrogen-Derivaten) ist ebenfalls so lange Vorsicht geboten, bis mehr Daten zur Verfügung stehen. Desweiteren sollte Agomelatin nicht gleichzeitig mit Alkohol eingenommen werden.

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Schwangerschaft und Stillzeit
Bei der Anwendung in der Schwangerschaft ist Vorsicht geboten, da keine klinischen Daten über exponierte Schwangere vorliegen. Unter einer Behandlung mit Agomelatin sollte abgestillt werden. Es ist nicht bekannt, ob der Wirkstoff in die menschliche Muttermilch übergeht.

Pharmaökonomische Aspekte

Die monatlichen Kosten einer Therapie mit 25 mg Valdoxan® liegen bei 62 Euro. Im Vergleich dazu kann die Behandlung beispielsweise mit einem Generikum der Antidepressiva Citalopram (Tagesdosis 20 mg) oder Amitriptylin (Tagesdosis 150 mg) mit rund einem Drittel bis zu einem Sechstel dieser Kosten bestritten werden. Aus den Studienergebnissen lässt sich bislang keine eindeutige Dosis-Wirkung-Beziehung von Agomelatin ableiten. In der Fachinformation zu dem Agomelatin-haltigen Fertigarzneimittel wird daher empfohlen, die Dosis nach zweiwöchiger Behandlung ohne Symptomverbesserung auf 50 mg Agomelatin zu steigern, womit sich auch die Kosten der Therapie entsprechend erhöhen.

Klinik

Die Depression kann als allgemeine psychische Störung beschrieben werden, die mit gedrückter Stimmung, Verlust von Interesse oder Freude, Gefühlen von Schuld oder vermindertem Selbstwertgefühl, Schlaf- und Appetitstörungen, Energieverlust und verminderter Konzentration einhergeht. Dies führt dazu, dass auch alltägliche Aufgaben kaum bewältigt werden können. Zusätzlich treten verschiedenste körperliche Beschwerden auf.

Für die Entstehung einer Depression existieren unterschiedliche Erklärungskonzepte. Als gesichert gilt, dass es sich um ein multifaktorielles Geschehen handelt, bei dem biologische und psychosoziale Faktoren interagieren.

Diagnostik
Zahlreiche psychische und physische Symptome können auf eine bestehende Depression hinweisen. Nicht selten sucht der depressive Patient aufgrund seiner körperlichen Beschwerden den Hausarzt auf. Standardfragebögen, wie z. B. der „WHO-5-Fragebogen zum Wohlbefinden“ können dem Arzt bei der Absicherung der Diagnose Depression helfen. Für die Diagnosestellung einer Depression nach der „Internationalen Klassifikation der Krankheiten“ (ICD-10) müssen mindestens zwei (bei schwerer Depression: drei) der Hauptsymptome mindestens zwei Wochen anhalten. Die Bestimmung des Schweregrades wird anhand der Zusatzsymptome vorgenommen.

Im Verlauf einer leichten Episode treten mindestens zwei Zusatzsymptome auf, während einer mittelgradigen Episode sind es drei bis vier, bei mindestens vier Zusatzsymptomen wird eine schwere Episode diagnostiziert. Der ICD-10 unterteilt die Depression weiter nach ihrem Verlauf. Lassen sich ausschließlich depressive Symptome feststellen, spricht man von einem unipolaren (monophasischen) Verlauf, eine bipolare Verlaufsform geht dagegen mit zusätzlichen manischen Phasen einher.

Eine rezidivierende depressive Episode ist durch das Vorkommen wenigstens einer weiteren depressiven Episode in der Vergangenheit charakterisiert. Zudem können auch psychotische Symptome (z. B. Halluzinationen, Wahnideen) die Depression begleiten. Zur weiteren Diagnostik zählen körperliche (internistische und neurologische), laborchemische und technische Untersuchungen, um mögliche organische Grunderkrankungen abzuklären. Auch Gegenanzeigen und das individuelle Risiko für unerwünschte Wirkungen einer Antidepressivatherapie können auf diese Weise erfasst werden.

Dr. Katja Steinkamp-Fenske ( katja.steinkamp@gmx.de)

Diesen Artikel finden Sie in APOTHEKE + MARKETING 03/2010 auf Seite 44 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

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