Betriebsübergang I: Wenn die Apotheke in der Familie bleibt

Die Frage, wie der Betriebsübergang gestaltet werden sollte, wenn Kinder in die Fußstapfen der Apothekereltern treten, sollte rechtzeitig geklärt werden. Dies gilt nicht nur im Hinblick auf die rechtliche und praktische Seite, sondern nicht zuletzt auch im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit den Banken. Was es dabei zu beachten gilt, zeigen die beiden folgenden Beiträge.

© Yuri Arcurs / fotolia.com

In Deutschland gibt es viele Apotheken, die in zweiter oder dritter Generation geführt werden. Nach Einschätzung von Peter Lorenz, Bankbetriebswirt und Geschäftsführer der Börse für deutsche Apotheken (BFDA) im südhessischen Reinheim, existieren regelrechte Apothekerdynastien.

Doch nicht immer klappt eine Übergabe innerhalb der Familie reibungslos. Lorenz rät, einen solchen Übergang möglichst frühzeitig zu planen.


Kinder als Betriebsnachfolger

Rechtzeitig die Weichen stellen
In Zeiten von Gesundheitsreformen und Reglementierungen im Gesundheitswesen ist die Entscheidung, einen mittelständischen Betrieb zu übernehmen, nicht leicht. Trotzdem sind viele Eltern enttäuscht, wenn ihre Kinder sich weigern, Pharmazie zu studieren oder den Sprung in die Selbstständigkeit nicht wagen und lieber als Pharmakologen in der Industrie arbeiten wollen. „Dort verdienen sie in der Regel besser und müssen nicht die Risiken eines Unternehmers auf sich nehmen“, sagt Peter Lorenz.

Bei einer Apothekenübergabe gehe es um hohe Werte. Und es sei schwer, einen gerechten Übergangswert zu finden. Im Schnitt, so der Berater, mache eine Apotheke etwa 1,4 Millionen Euro Nettoumsatz im Jahr. Die Höhe der Ladenmiete und der Personalumsatz sind weitere Parameter, die den Kaufpreis mitbestimmen. „Eine Übernahme muss sich für die Kinder unter dem Strich lohnen.“

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Früh übt sich …
Auf keinen Fall sollte man seine Kinder drängen, die elterliche Apotheke zu übernehmen. Peter Lorenz hat einige Mandanten, die nur ihren Eltern zuliebe das Geschäft übernommen haben. „Sie sehen es als Verpflichtung, und für viele ist das Geschäft eine Last – das ist eine denkbar schlechte Voraussetzung für einen Unternehmer.“

Er rät, die Kinder möglichst früh an den Betrieb heranzuführen und sie spielerisch einzubinden. „Sie können kleinere Aufgaben in der Apotheke erledigen – etwa Medikamente sortieren oder den Kunden mal schnell eine Bestellung vorbeibringen und so ihr Taschengeld aufbessern.“ Hingegen reiche es nicht aus, erst kurz vor der Abiturfeier darauf zu drängen, dass der Nachwuchs Pharmazie studiert.

Wichtig ist auch die Vorbildfunktion: Wer als Kind nur gestresste Eltern erlebt, tut sich schwer, in deren Fußstapfen zu treten. Positive Erfahrungen lassen sich Kindern hingegen gut vermitteln. Auch Apotheker, die mit der Zeit gehen, die Innovationen in ihr Geschäft einbringen, kreativ sind und Spaß an ihrer Arbeit haben, haben es leichter, einen Nachfolger in der Familie zu finden.

Sabine Schiner (benzschiner@t-online.de)

Diesen Artikel finden Sie in APOTHEKE + MARKETING 03/2010 auf Seite 36 f. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

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