Quälende Schlafstörungen
Ist die nächtliche Ruhe wiederholt oder dauerhaft unterbrochen, kann das Wohlbefinden des Patienten nachhaltig leiden. Eine wichtige Aufgabe von Apotheker und PTA ist es herauszufinden, ob es sich bei dem Problem des Kunden um einen Fall für die Selbstmedikation handelt oder ob ein Arztbesuch anzuraten ist. In jedem Fall gibt es eine Fülle von nicht medikamentösen Regeln, deren Einhaltung dazu beitragen kann, wieder zu einem besseren nächtlichen Durchschlafen zu gelangen.
Frau Meier, eine 80-jährige alleinlebende Stammkundin, kommt in die Apotheke und klagt über ihre Schlafstörungen. „Seit einigen Tagen kann ich abends einfach nicht mehr einschlafen, ich liege lange wach und lese dann zur Ablenkung. Das geht jetzt eine ganze Zeit lang so. Morgens bin ich schon vor sechs Uhr wach und habe das Gefühl, kaum geschlafen zu haben. Diese Situation belastet mich sehr. Ich habe das Gefühl, ständig müde zu sein und bin zerstreuter als sonst. Was können sie mir raten, damit ich wieder schlafen kann?“, fragt sie die PTA, Frau Bach.
Die Empfehlung
Die PTA empfiehlt der Kundin ein pflanzliches Präparat mit Baldrianwurzelextrakt: „Nehmen Sie abends zwei Stunden vor dem Schlafengehen eines von diesen Baldriandragees. Mit diesem erprobten, natürlichen Arzneimittel haben Sie die Gewähr, nachts wieder gut zu schlafen und morgens frisch und erholt aufzuwachen. Bitte verzichten Sie wegen des Coffeins abends auf schwarzen Tee.“
Chancen zur Verbesserung
Beim Thema Schlafstörungen ist es eine wichtige Aufgabe der Apotheke zu klären, ob ein Fall für die Selbstmedikation vorliegt oder ein Arztbesuch anzuraten ist. Gerade bei älteren Menschen wird der Schlaf fragiler und störanfälliger. 40 Prozent der über 65-Jährigen klagen über Schlafstörungen.
Frau Bach hätte eine Fülle von Informationen einholen können: Frau Meier klagt über Einschlafprobleme. Wann schläft sie ein? Wie sieht es mit dem Durchschlafen aus, wacht sie öfter in der Nacht auf? Wie viele Stunden schläft sie ihrer Meinung nach? Macht sich das Schlafdefizit am Tage bemerkbar und wenn ja, wie?
Sie hätte womöglich erfahren, dass Frau Meier zum Ausgleich für den gestörten Nachtschlaf am Tag ein Mittagsschläfchen hält, das auch mal zwei Stunden dauern kann. Wann geht Frau Meier zu Bett? Wie viele Stunden Schlaf hält Frau Meier für nötig oder angemessen?
Viele ältere Menschen überschätzen ihren Schlafbedarf. Wer abends um 21 Uhr ins Bett geht, hat um fünf Uhr morgens acht Stunden Schlaf hinter sich. Das ist für erwachsene Menschen mehr als ausreichend.
Fakten erfragen und auswerten
Der Mittagsschlaf ist auf die Schlafstunden voll anzurechnen. Die durchschnittliche Schlafdauer in Industrieländern beträgt sieben Stunden und bleibt oft, entgegen einer weit verbreiteten Meinung, bis ins hohe Alter gleich. Stimmen die objektiven Schlafzeiten mit den als „zu kurz gefühlten“ überein? Im Alter nimmt die Fähigkeit zum Tiefschlaf ab, d. h. die Nachtruhe ist leichter zu stören als bei jüngeren Menschen.
Dr. Lieselotte Hartmann | l.hartmann@redline-seminare.de
Diesen Artikel finden Sie in APOTHEKE + MARKETING 05/2010 auf Seite 22 f. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
