Zertifizierte Fortbildung: Der Wirkstoff Liraglutid

Mindestens sechs Millionen Diabetiker leben zurzeit in Deutschland, eine Zahl, die seit Jahren stetig steigt. Ein Diabetes mellitus kann nicht geheilt werden, ist allerdings im Verlauf aufzuhalten. Die Behandlung stellt hohe Anforderungen an Ärzte wie auch Patienten, deren Leben durch die Erkrankung oft völlig auf den Kopf gestellt wird. Seit Mitte letzten Jahres erweitert ein zweites Inkretin-Mimetikum die Möglichkeiten einer Diabetestherapie.

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Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind 180 Millionen Menschen an Diabetes erkrankt. Vor allem die Zahl der Typ-2-Diabetiker wird sich in den kommenden Jahren drastisch erhöhen: Bis zum Jahr 2030 wird damit gerechnet, dass sich die Zahl der Erkrankten verdoppelt. Um diesen Trend zu stoppen, sind umfangreiche Präventionsmaßnahmen notwendig. Zusätzlich steht die Entwicklung neuer Antidiabetika im Mittelpunkt.

Mit Liraglutid (Handelsname Victoza®) ist nun nach Exenatid das zweite Inkretin-Mimetikum auf dem Markt, das die Therapieoptionen des Diabetes mellitus Typ 2 erweitert. Liraglutid ist zur Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 bei Erwachsenen zugelassen. Es sollte nur in Kombination mit Metformin oder einem Sulfonylharnstoff bzw. mit Metformin und einem Sulfonylharnstoff oder einem Glitazon bei Patienten mit unzureichender Blutzuckerkontrolle eingesetzt werden.

Voraussetzung für die Behandlung mit Liraglutid ist, dass eine vorherige Monotherapie mit Metformin oder einem Sulfonylharnstoff keine befriedigende Wirkung gezeigt hat. Bei der Dreierkombination muss zuvor ein Therapieversuch mit zwei oralen Antidiabetika erfolgt sein.

Historie

Im Jahr 1921 gelang den beiden Kanadiern Frederick G. Banting und Charles H. Best erstmals die Isolierung von Insulin aus tierischen Bauchspeicheldrüsen. Nur kurze Zeit später, im Jahr 1922, kam das erste Insulin-Präparat in den USA auf den Markt. Auf diese Weise nahm die erfolgreiche Behandlung des Diabetes mellitus ihren Anfang. Da die tägliche Injektion von vielen Patienten aber als sehr unangenehm empfunden wurde, begann bereits wenige Jahre nach Einführung des Insulins die Suche nach oral applizierbaren Alternativen.

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Bald stellte sich allerdings heraus, dass diese Arzneistoffe nur zur Therapie des Typ-2-Diabetes geeignet sind. Bereits 1916 war zufällig im Tierversuch ein Zusammenhang zwischen Hypoglykämien und erhöhten Guanidinspiegeln festgestellt worden. Guanidin selbst konnte aber aufgrund seiner geringen therapeutischen Breite nicht eingesetzt werden. Im Mittelpunkt der Forschungsarbeiten standen daher verschiedene Guanidin-Derivate.

1926 konnte Dekamethylendiguanidin nach erfolgreicher Prüfung als erstes orales Antidiabetikum in die Therapie eingeführt werden. Da dieser Wirkstoff allerdings starke gastrointestinale Nebenwirkungen auslöste, wurden weitere chemische Verbindungen auf blutzuckersenkende Eigenschaften untersucht. In den folgenden Jahrzehnten konnten durch ein Zusammenspiel von Zufall und gezielter Forschung verschiedene orale Antidiabetika entwickelt werden. Während die Guanidine aufgrund ihrer schlechten Verträglichkeit bald nur noch eine untergeordnete Rolle spielten, zählen Arzneistoffe wie Metformin (Markteinführung 1968) und Glibenclamid (Markteinführung 1969) auch heute noch zu den am häufigsten verordneten oralen Antidiabetika.

In den vergangen Jahren wurden zusätzlich neue Angriffspunkte für die Beeinflussung des Blutzuckerspiegels entdeckt. Neben der Zulassung der α-Glucosidasehemmer Acarbose (1990) und Miglitol (1998), der Glinide Repaglinid (1997) und Nateglinid (2001) sowie der PPARγ-Agonisten Rosiglitazon und Pioglitazon (beide 2000), führte auch die Einführung von Wirkstoffen mit Einfluss auf das Inkretin-System zu neuen Therapiemöglichkeiten.

Jane Schröder | jane.schroeder@mailbox.tu-dresden.de

Diesen Artikel finden Sie in APOTHEKE + MARKETING 05/2010 auf Seite 44 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

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