Filialisierung: Chance oder Belastung?
Das Thema Filialisierung ist vielschichtig. Anhand von Beispielen aus der Praxis gibt der erste Teil unserer Serie Entscheidungshilfe zu der Frage, unter welchen Voraussetzungen sich die Eröffnung einer Filiale lohnt.
Filialen sind keine Randerscheinungen mehr: Experten gehen davon aus, dass in diesem Jahr die zweitausendste Filiale im Apothekenbereich eröffnet wird. Doch der größte Teil der Filialen weist unterdurchschnittliche Umsätze auf, nicht wenige scheitern gar an der Grenze zu einer Million Euro (siehe auch Infobox 1). Zudem sind Schließungen keine Ausnahme mehr. Andererseits gibt es sehr professionell betriebene Expansionsbestrebungen. Der Markt ist also alles andere als homogen.
Ambivalente politische Vorgaben
Das Gesundheitssystem-Modernisierungsgesetz (GMG) aus dem Jahr 2004 brachte eine Reihe recht widersprüchlicher Neuerungen:
- Die Einführung des Kombimodells („Abgabehonorar“) bedeutete die stärkere Hinwendung zum Apotheker als freiem Heilberufler. Weitgehend unabhängig vom Preis sollte er seiner Beratungsfunktion nachkommen können.
- Im Gegensatz dazu bedeutete die Lockerung des strengen Mehrbesitzverbotes eine klare Orientierung in Richtung Kaufmann. Die Beratungsqualität zu steigern oder eine Verbesserung der Versorgungsdichte zu erreichen, war damit sicher nicht beabsichtigt.
- Ergänzt wurden diese Maßnahmen durch die Freigabe der Preise im OTCGeschäft. Sie brachte allerlei kuriose Blüten hervor, ohne den Kunden unter dem Strich allzu viele wirkliche Vorteile zu bringen.
Dr. Reinhard Herzog
Diesen Artikel finden Sie in APOTHEKE + MARKETING 05/2007 auf Seite 36 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
