Lohnen sich längere Öffnungszeiten?
In vielen Einkaufsregionen wird es mittlerweile ernst. Die Öffnungszeiten werden nach dem weitgehenden Fall des Ladenschlussgesetzes Zug um Zug ausgeweitet. Viele Apothekeninhaber stellen sich die Frage, ob sie sich dem Trend der verlängerten Öffnungszeiten anpassen sollen oder nicht.
Längere Öffnungszeiten bedeuten oftmals einen Arbeitstag von acht Uhr morgens – in manchen Fällen sogar sieben Uhr – bis abends 22 Uhr. Etliche Geschäfte halten diesen Rhythmus sechs Tage in der Woche durch. Damit ist die 80-Stunden-Marke bei der Wochenöffnungszeit gefallen.
Auf der Suche nach der strategisch richtigen Antwort
Freiwillig wird kaum eine Apotheke bis spät in den Abend öffnen wollen. Falls doch, wird dieser Schritt meist mit den berühmten „Sachzwängen“ begründet. Wie aber sollen die umliegenden Apotheken auf das Vorpreschen einer „80-Stunden-Apotheke“ reagieren? Nachziehen – oder dieses Vorgehen einfach ignorieren?
Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Entscheidend ist letztlich, welche Kundenkreise die einzelne Apotheke vorwiegend anzieht. Wenn sie an der Peripherie liegt, einen hohen Stammkundenanteil hat und an die Öffnungszeiten der Arztpraxen angebunden ist, macht eine Ausweitung nach wie vor keinen Sinn. Kritisch sind „Grenz-Standorte“ in 1B-Lagen, die zwar ein wenig von der Belebtheit der 1A-Lage profitieren, insgesamt gesehen aber doch eher im Schatten liegen. Diesen Schatten lassen auch längere Öffnungszeiten nicht verschwinden. Lediglich dann, wenn in der unmittelbaren Umgebung nennenswerte Frequenzbringer ebenfalls auf den Zug aufspringen, könnte dies ein Öffnungszeiten-Experiment rechtfertigen. Ansonsten wird letztlich zu viel Geld verbrannt und die Lebensqualität gemindert.
Dr. Reinhard Herzog
Diesen Artikel finden Sie in APOTHEKE + MARKETING 06/2007 auf Seite 40 f. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
