Filialisierung: Garantie für mehr Geld und Sicherheit?
Häufig werden Filialen deshalb gegründet, um schlicht und ergreifend mehr Geld in der Kasse zu haben. Etliche Apotheker wollen darüber hinaus in politisch unruhigen Zeiten mit Filialgründungen insgesamt mehr Sicherheit und Stabilität erreichen. Dabei stellt sich jedoch die Frage: Sind diese Motive als Geschäftsgrundlage ausreichend?
Wie alle größeren Investitionen sind Engagements im Filialgeschäft hochgradig anfällig dafür, von ihren Besitzern schöngeredet und -gerechnet zu werden. Bei nicht wenigen Filialisten kommt es zu einer verzerrten Wirklichkeitsbetrachtung: „Ja, es geht ganz gut, ich bin recht zufrieden.“ (Im Klartext: „Wenigstens hat dieser Standort kein anderer bekommen, und pleite bin ich auch noch nicht.“) „Wir haben sogar zehn Prozent mehr Kunden.“ (Tatsächlich kommen insgesamt statt 70 neuerdings 80 Kunden am Tag in die Apotheke beziehungsweise in die neue Filiale.) „Na, 15 000 Euro zusätzlich sind doch auch eine hübsche Summe!“ (Angesichts der Unternehmerstunden und des Kapitals, das in den Filialen steckt, handelt es sich dabei um eine besonders eigentümliche Variante des Ein-Euro-Jobs.) „Mit unserer Filialleiterin haben wir viel Glück.“ (Es ist bereits die dritte Apothekerin, die in dieser Position arbeitet, und sie ist immerhin schon fünf Monate am Stück da). Die Kommentare mögen sarkastisch klingen – sie geben jedoch die tägliche Praxis wieder.
Dr. Reinhard Herzog
Diesen Artikel finden Sie in APOTHEKE + MARKETING 08/2007 auf Seite 34 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
