Zertifizierte Fortbildung: Inkretin-Mimetikum zur subkutanen Injektion (Exenatide)

Weltweit leiden 140 Millionen Menschen an einem Diabetes Typ 2 – eine Zahl, die sich in den nächsten zwanzig Jahren noch verdoppeln wird. Wesentlichen Anteil daran haben die Lebensbedingungen: Körperliche Arbeit ist kaum noch nötig, dagegen können die Menschen aus einem Überangebot an Nahrung wählen. Zwar gibt es eine ganze Palette von Antidiabetika, allerdings lässt sich damit die Erkrankung oftmals nicht befriedigend behandeln. Seit kurzem steht ein neuer Therapieansatz zur Verfügung.

Exenatide

Dem früher als Alters-Diabetes bezeichneten Diabetes Typ 2 liegt ein fortschreitender Verlust von Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse sowie eine periphere Insulinresistenz der Zielzellen zugrunde. Anfangs besteht die Behandlung aus einer Veränderung der Lebensweise (Ernährungsumstellung, regelmäßige Bewegung).

Reicht das nicht mehr aus, wird therapeutisch die Insulinausschüttung durch orale Antidiabetika erhöht (z. B. mit Sulfonylharnstoffen: Glimepirid), oder es kommen alternativ Insulinsensitizer zum Einsatz (z. B. Glitazone: Rosiglitazon und Pioglitazon), um therapeutisch die Insulinresistenz zu durchbrechen bzw. das Ansprechen der Zielzellen auf Insulin zu verbessern. Bei komplettem Funktionsverlust des Inselzellapparates muss mit Insulin therapiert werden.

Oft lässt sich allerdings das therapeutische Ziel (HbA1c-Wert < 6,5 Prozent, Nüchternblutzucker < 7 mmol/l, postprandial < 8 mmol/l) mit diesen Methoden nicht erreichen. Dies begünstigt das Entstehen schwerwiegender Folgeerkrankungen (v.a. mikro- und makrovaskuläre Komplikationen). Außerdem ist beim Einsatz von oralen Antidiabetika mit unerwünschten Nebenwirkungen wie beispielsweise das Auftreten von Gewichtszunahme, Hypoglykämien und Ödemen zu rechnen.

Exenatide ist der erste Vertreter der Inkretin-Mimetika und zur Kombinationsbehandlung des Typ-2-Diabetes zugelassen, wenn die Blutzuckerzielwerte mit oralen Antidiabetika alleine nicht mehr erreicht werden. Bei dem neuen Wirkstoff, der seit 1. April 2007 auch in Deutschland auf dem Markt ist, handelt es sich um das synthetische Äquivalent des aus dem Speichel der Gila-Krustenechse (Heloderma suspectum) isolierten Exendin-4. Das Tier verfügt über einen besonderen Stoffwechsel: Es nimmt nur viermal pro Jahr Nahrung auf und schaltet seine Bauchspeicheldrüse für die restliche Zeit ab. Bei der Nahrungsaufnahme jedoch und dem damit einhergehenden Blutzuckeranstieg wird Exendin-4 ausgeschüttet, was die Beta-Zellen des Tieres zur Insulinabgabe stimuliert.

Korrespondierender Autor: Dr. Christoph Schindler (christoph.schindler@tu-dresden.de)


Diesen Artikel finden Sie in APOTHEKE + MARKETING 09/2007 auf Seite 50 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

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