Nilotinib – Tyrosinkinaseinhibitor der zweiten Generation
Erwachsenen Patienten mit Philadelphia-Chromosom positiver chronischer myeloischer Leukämie (CML) steht mit Nilotinib ein neuer Wirkstoff für die Zweitlinientherapie zur Verfügung. Das heißt, wenn andere Arzneimittel nicht vertragen werden oder die Patienten Resistenzen ausbilden, bietet dieser Wirkstoff eine weitere Option für die Betroffenen.
Nilotinib, ein spezifischer Tyrosinkinaseinhibitor der zweiten Generation, wurde von Novartis Oncology entwickelt und erhielt im November 2007 die Zulassung für die Europäische Union. Seit Januar 2008 ist die Substanz unter dem Markennamen Tasigna® auch in Deutschland verfügbar. Der Wirkstoff hemmt gezielt und mit hoher Affinität das Bcr-Abl-Protein, welches durch das abnormale Philadelphia-Chromosom in Krebszellen produziert wird.
Bcr-Abl hat eine gesteigerte und dauerhafte Kinaseaktivität und gilt als die Hauptursache und treibende Kraft für die Überproduktion von weißen Blutkörperchen bei Patienten mit Philadelphia-Chromosom positiver chronischer myeloischer Leukämie (Ph+CML). Nach Angaben des Herstellers wirkt Nilotinib noch selektiver als Imatinib (Glivec®), einem Tyrosinkinasehemmer der ersten Generation und Goldstandard in der Primärtherapie der CML (chronisch myeloische Leukämie).
Die chronische myeloische Leukämie ist eine der vier häufigsten Leukämieformen, auf sie entfallen etwa 15 Prozent aller Leukämiefälle weltweit. In Deutschland erkranken etwa 12 000 Menschen jährlich an einer Leukämie, rund 1 500 von ihnen an CML. Wiederum etwa 95 Prozent der Betroffenen tragen das Philadelphia-Chromosom.
Die CML geht einher mit einer starken Vermehrung von weißen Blutkörperchen, verläuft in der Anfangsphase häufig symptomlos oder äußert sich mit geringen Beschwerden wie Müdigkeit, verringerter Leistungsfähigkeit oder Appetitlosigkeit. Häufig ist die Milz der Betroffenen vergrößert.
Unbehandelt entwickelt sich die CML innerhalb von drei bis fünf Jahren von dieser anfänglichen chronischen Phase über eine Übergangsphase von circa sechs bis neun Monaten (beschleunigte oder akzelerierte Phase) hin zu einer schnellen und oftmals tödlichen Form, der Blastenkrise. Diese Phase dauert meist drei bis sechs Monate.
Kirsten Grashoff, Quelle: Pressekonferenz Experten im Dialog, Tasigna® – Der neue Meilenstein in der Zweitlinientherapie der CML, Novartis Oncology, Dezember 2007, Frankfurt
Diesen Artikel finden Sie in DAS PTA MAGAZIN 04/2008 auf Seite 40 f. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
