Einfach mal abtauchen

Tauchen ist eine ebenso beliebte wie faszinierende Sportart. Bedauerlicherweise kommt es trotz modernster Technik immer wieder zu ernsten Unfällen. Im Sinne einer umfänglichen Beratung von Sportlern und Tauchern sollte auch das pharmazeutische Personal zumindest in der spezialisierten Apotheke ein Grundwissen zur Thematik besitzen und sich so in ein Netzwerk der Prävention einbinden.

In den letzten zwei Jahrzehnten ist die Zahl der Sporttaucher weltweit deutlich und kontinuierlich angestiegen. Die Ursachen hierfür sind vielfältig. Durch die Kombination moderner Lehrmethoden in der Tauchausbildung mit praktischen und sicheren Ausrüstungen hat sich das Sporttauchen so breiten Verbraucherschichten geöffnet.

Diese Entwicklung hat auch zu entsprechenden Reaktionen der Tourismusindustrie geführt, die vermehrt Tauchreisen auf unterschiedlichen Niveaus anbietet. Die Entwicklung zahlreicher, für das Sporttauchen adaptierter, Verfahren in der Tauchmedizin, global organisierte Notfall- Netzwerke und ein leitliniengestütztes Notfallmanagement haben die Sicherheit des Freizeittauchers erheblich erhöht.

Tauchzwischenfälle

Leider hat diese Entwicklung auch ein paar Schattenseiten. So werden zwar immer neue und exotischere Tauchareale erschlossen und angeboten, oftmals kann die Qualität von Sicherheits- und Notfalleinrichtungen aber nicht mit der Dynamik der Reisebranche mithalten. Gerade in „neuen“ Tauchgebieten ist mit erheblichen medizinischen und infrastrukturellen Defiziten zu rechnen.

Aber auch typisch menschliche Faktoren sind ursächlich für dramatische Unfälle. Von den inzwischen über 1,5 Millionen Sporttauchern in Deutschland übt die große Mehrheit ihren Freizeitsport nur an wenigen Tagen im Jahr aus: im lange geplanten Tauchurlaub. Dies führt einerseits dazu, dass Erfahrung und Routine weniger ausgeprägt sind, andererseits entsteht durch die Festlegung auf einen genau definierten Zeitabschnitt ein gewisser Druck, in dieser Zeit möglichst viele und eindrucksvolle Tauchgänge zu absolvieren. Im Zweifelsfall wird dabei die eigene Gesundheit vernachlässigt.

Risiken unter Wasser

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Unter Wasser erschließt sich dem Taucher eine faszinierende und unbekannte Welt, die mit ihren Reizen wohl jeden schnell in ihren Bann schlägt. Doch man sollte niemals vergessen, dass man in dieser Welt nur ein Gast ist. Es genügt nicht, die vielfältigen Gefahren und Risiken zu kennen, sie müssen auch zu jedem Zeitpunkt als Maxime des eigenen Handelns berücksichtigt werden.

Wesentliche Risikofaktoren, die die Gesundheit des Tauchers beeinflussen sind:

  • die sich beim Tauchen rasch verändernden Druckverhältnisse
  • die schnelle Auskühlung des Körpers (Hypothermie)
  • der Verlust von Flüssigkeit (Dehydratation)
  • die erheblichen Anstrengungen z. B. durch die Schwimmarbeit gegen den Wasserwiderstand und Strömungen
  • physiologische Änderungen der Herz-, Kreislauf- und Lungenfunktion
  • druckabhängige Vergiftungen (Intoxikationen) durch Atemgase (spez. Stickstoff und Sauerstoff)
  • Sauerstoffmangel (Hypoxie) z. B. bei aufgebrauchten Atemgasen.

Jeder der genannten Faktoren kann für sich allein schon einen dramatischen Tauchzwischenfall auslösen, in der Praxis jedoch wird man häufig eine Kombination der dargestellten Notfälle vorfinden, die sich gegenseitig beeinflussen und verstärken. Zusätzlich sind gesundheitliche Faktoren zu berücksichtigen, die sich aus der Konstitution des Tauchers, aus möglicherweise bekannten oder unbekannten Vorerkrankungen und speziellen Situationen ergeben.

Besondere Risiken bestehen auch auf dem Gebiet des „technical diving“. Man versteht darunter die Verwendung spezieller Ausrüstungen und Atemgasgemische, die es dem Taucher erlauben, in extreme Tiefen vorzustoßen. Bis vor wenigen Jahren war dieses Gebiet des Tauchens wenigen speziell trainierten und überwachten Berufs- und Militärtauchern vorbehalten.

Inzwischen jedoch haben die technischen Ausrüstungen auch den Bereich des Sporttauchens erreicht, ohne dass jedoch die aufwändigen Sicherheitsregimes der professionellen Taucherei übernommen wurden. Somit ist die Gruppe der „technical diver“ im Bereich des Amateurtauchens das derzeit wohl am stärksten durch Tauchunfälle und gesundheitliche Langzeitschäden gefährdete Klientel.

Mathias Arnold

Diesen Artikel finden Sie in DAS PTA MAGAZIN 07/2008 auf Seite 10 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

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