Sommer, Insekten und der richtige Schutz
Den Sommer entspannt zu genießen scheint immer schwieriger. Zuviel Sonne begünstigt Hautkrebs. Beim Wandern, Joggen oder im Biergarten lauern Zecken, Mücken- oder Bienenstiche lösen allergische Reaktionen aus. In warmen Klimazonen übertragen Moskitos zudem Krankheiten wie Malaria oder Dengue-Fieber.
Dermatologen schlagen Alarm. Heller Hautkrebs gehört in Deutschland mittlerweile zu den häufigsten Krebsneuerkrankungen. In sieben von zehn Fällen trifft es Menschen im Alter von über 60 Jahren. In letzter Zeit mehren sich die Diagnosen jedoch auch bei Jüngeren.
Neben der Sonnenbelastung der Haut bescheren Insekten in der warmen Jahreszeit weitere Unannehmlichkeiten. Zecken übertragen in Deutschland landesweit Borreliose. Frühsommer- Meningoenzephalitiden (FSME) holt man sich hauptsächlich in Süd- und Ostdeutschland beim Zeckenstich. Mücken, Bremsen, Bienen oder Wespen bescheren nicht nur Schmerz und Juckreiz.
Experten beobachten verstärkt allergische Reaktion als Folge der Stiche. Besorgniserregend ist zudem die Tatsache, dass aufgrund des Klimawandels und der Globalisierung in unseren Breiten Mückenarten wie die Asiatische Tigermücke gesichtet worden sind. Sie können Dengue-Fieber oder Chikungunya, eine sehr schmerzhafte Viruserkrankung, verbreiten.
Sonnenschutz: wichtiger denn je
Ultraviolette Strahlung löst an der Haut eine Reihe unterschiedlicher Reaktionen aus. Auf hohe UV-B-Strahlendosen mit Wellenlängen von 290 bis 320 nm reagiert sie mit einem Sonnenbrand. Auch das Erbgut der Hautzellen kann Schaden nehmen und Hautkrebs Vorschub leisten.
UV-A-Strahlen im Bereich von 320 bis 400 nm schädigen kollagene Bindegewebsfasern. Sie werden für vorzeitige Hautalterungsprozesse (Fotoaging) und Lichtdermatosen verantwortlich gemacht. Nach heutigem Wissensstand scheinen sie auch das Hautkrebsrisiko zu erhöhen.
In letzter Zeit mehren sich Hinweise, dass insbesondere Infrarot- A-Strahlung mit Wellenlängen von 760 bis 1400 nm bis in die Subcutis (Unterhaut) vordringen und Mitochondrien angreifen kann. Dabei entsteht oxidativer Stress. Dieser setzt eine Zellschädigungskaskade in Gang, in deren Folge sich die Produktion kollagenabbauender Enzyme erhöht. Durch den Kollagenverlust verringern sich die Elastizität und das Wasserspeichervermögen des Bindegewebes. Die Haut wird trocken und zeigt frühzeitig Falten.
Schwarzer und heller Hautkrebs
Hautkrebs wird in Melanom- und Nicht-Melanom-Formen eingeteilt. Das Melanom, auch schwarzer Hautkrebs oder malignes Melanom genannt, entwickelt sich aus den pigmentproduzierenden Melanozyten. Es tritt in Form unregelmäßig brauner Punkte oder bösartig veränderter Pigmentflecke auf. Frühzeitig erkannt, sind Melanome heilbar. Metastasieren sie, kann die Krankheit tödlich verlaufen.
Nicht-Melanom-Formen (NMHK) wie den hellen Hautkrebs teilt man in Aktinische Keratosen (AK) als Vorstufen des Plattenepithelkarzinoms, in Plattenepitehlkarzinome (PEK) und Basalzellkarzinome (BZK) ein. Sie entwickeln sich meist in einem Zeitfenster von bis zu 30 Jahren auf der Haut. Dermatologen machen jedoch darauf aufmerksam, dass zunehmend mehr junge Menschen von hellem Hautkrebs betroffen sind. Als Risikofaktoren gelten Vorschädigungen der Haut durch zuviel Sonnenlicht. Besonders gefährdet sind Menschen vom Hauttyp I oder II mit roten und blonden Haaren und grünen oder blauen Augen. Auch Personen, die viel im Freien arbeiten, und immunsupprimierte Patienten haben ein hohes Erkrankungsrisiko.
Aktinische Keratosen zeigen sich auf stark der Sonne ausgesetzten Hautarealen. Charakteristisch für die kleinen roten oder rötlichen Punkte ist ihre raue Oberfläche. Meistens kann man sie besser fühlen als sehen. Aktinische Keratosen können in ein Plattenepithelkarzinom übergehen. Diese schuppigen, sich von der Oberfläche abhebenden Tumoren sind, werden sie frühzeitig behandelt, heilbar. Wächst das Karzinom, kann es nach innen streuen.
Basalzellkarzinome treten ebenfalls meist an lichtexponierten Stellen auf. Man findet sie manchmal auch am Körperstamm. BZK ähneln kleinen roten Knötchen, Flecken, Hautatrophien oder Narben. Sie wachsen sehr langsam und befallen nur selten andere Körperteile. Unbehandelt zerstören sie das umliegende Gewebe.
Nutzen von Sonnenschutzmitteln belegt
Untersuchungen an organtransplantierten Patienten zeigen, dass 35 bis 50 Prozent der Patienten auf Grund ihrer Immunsuppression innerhalb von zehn Jahren nach der Transplantation an hellem Hautkrebs erkranken. Eine aktuelle, placebokontrollierte und randomisierte klinische Studie des HautTumorCentrums der Berliner Charité macht erstmals deutlich, dass die konsequente Anwendung von Sonnenschutzmitteln einen Beitrag zur Verhütung der hellen Hautkrebsformen leistet.
Im Rahmen der Studie wurden 60 Patienten mit Organtransplantationen zunächst ausführlich im Umgang mit Sonnenschutzmitteln geschult. Die Patienten der Placebogruppe verwendeten während der zweijährigen Studienlaufzeit Lichtschutzpräparate nach eigenem Gutdünken. Die Patienten der Verum-Gruppe wurden mit dem liposomalen Sonnenschutzmittel Daylong® actinica von Spirig Pharma GmbH versorgt, das in einer Vorstudie mit zwölf Teilnehmern unter fünf anderen Produkten die beste kosmetische Akzeptanz erfahren hatte.
Bevor die Probanden morgens das Haus verließen, mussten sie das Lichtschutzprodukt auf die sonnenexponierten Hautareale auftragen und den Vorgang in einem Patiententagebuch dokumentieren. Zur weiteren Kontrolle wurde das abnehmende Gewicht des Schutzproduktes überprüft. Alle Studienteilnehmer, sowohl aus der Verum- als auch aus der Placebo-Gruppe, kamen in regelmäßigen Abständen zum Hautkrebs-Check in die Klinik.
Nach Beendigung der Studie war die Zahl der Aktinischen Keratosen in der Placebo-Gruppe um 38 Prozent gestiegen. Es hatten sich acht Plattenepithelkarzinome und neun Basalzellkarzinome entwickelt. Die Patienten der Verum-Gruppe zeigten dagegen einen Rückgang der aktinischen Läsionen um 53 Prozent. Keiner der Verum-Anwender hatte ein Plattenepithelkazinom bekommen. Zwei Basalzellkarzinomfälle traten auf, was aber nicht ungewöhnlich ist, weil bei der Entstehung von BZK neben dem Sonnenlicht auch genetische Komponenten eine Rolle spielen.
Diese Ergebnisse sprechen nach Ansicht von Experten eindeutig dafür, dass die regelmäßige Anwendung von Sonnenschutzmitteln auf stark dem Licht ausgesetzten Hautarealen einen Beitrag zur Verhütung von hellem Hautkrebs leisten kann. Allerdings darf auf Sonnenschutzmitteln, die als Kosmetika vermarktet werden, aus rechtlichen Gründen keine Schutzwirkung gegen lichtbedingte Hautkrankheiten ausgelobt werden.
Das in der Studie verwendete Produkt wurde 2007 als apothekenexklusives Medizinprodukt auf den Markt gebracht und kann als solches auf der Verpackung die Bemerkung „Prävention von verschiedenen Formen des hellen Hautkrebses und Lichtdermatosen“ tragen.
Sonnenschutz praktisch
Als Maß für die höchste sonnenbrandwirksame Bestrahlungsstärke, die von der Sonne während des Tages auf einer horizontalen Fläche hervorgerufen wird, gilt der UV-Index (UVI). Er hängt vom Sonnenstand ab und ändert sich je nach Jahreszeit und geografischer Breite. Auch Reflexionen an Sand und Schnee, die Bewölkung und die Höhenlage eines Ortes spielen eine Rolle.
Je höher der international einheitlich festgelegte Wert ausfällt, desto schneller kommt es auf ungeschützter Haut zum Sonnenbrand. Als Faustregel zur Bestimmung des Lichtschutzfaktors von Sonnenschutzprodukten können Erwachsene ohne Hautprobleme den UVI mit 2 multiplizieren und den erhaltenen Wert nach oben aufrunden. Kinder, Sonnenallergiker und hellhäutige Menschen sollten zu diesem berechneten Wert noch einen Sicherheitszuschlag von 5 addieren.
Gilt in Berlin zur Mittagszeit zum Beispiel ein UV-Index von 6, benötigen Erwachsene nach dieser Faustformel einen LSF von 15 (gerundet). Mit einem Sicherheitszuschlag von 5 erhöht sich der LSF für Kinder, Sonnenallergiker und hellhäutige Personen entsprechend auf 20.
Wem das zu umständlich ist, der kann auf ein kostenloses Informationsangebot des Berufsverbandes der Deutschen Dermatologen (BVDD) und des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) zurückgreifen. Per Internet (www.uv-check.de) und Handy lassen sich zu jeder Zeit und für fast jeden Ort in Europa die Bestrahlungsintensitäten abrufen und für den jeweiligen Hauttyp die maximale Eigenschutzzeit der Haut und ein entsprechender Lichtschutzfaktor bestimmen.
Aktuellen Hautzustand beachten
Kinder haben eine empfindlichere und trockenere Haut als Erwachsene. Neben textilem Schutz benötigen sie Sonnenschutzprodukte mit einem hohem Lipidgehalt und hohen Schutzfaktoren. Die Formulierungen sollten wasserfest sein und keine oder nur geringe Mengen an Duftstoffen enthalten (z. B. Eucerin ® Kinder Intensiv Sonnenschutzlotion LSF 25, Avène® Sonnenmilch Kinder LSF0 plus).
Während für Menschen mit trockener Haut die pflegende Komponente von Sonnenschutzmitteln wichtig ist (z. B. Lierac Solaire Bronzage Anti Age LSF 15), brauchen Personen mit Neigung zur Akne lipidarme Cremes, Lotionen oder Gele (z. B. Vichy Capital Soleil Micro- Fluid LSF 30, La Roche Posay Anthelios 30 Gel). Menschen mit lichtbedingten Hauterkrankungen wie der Polymorphen Lichtdermatose (PLD) oder photoallergischen und phototoxischen Reaktionen sollten auf hohen UVA-Schutz achten.
Hohe Schutzfaktoren im UV-A-Bereich und Produkte ohne peroxidbildende Inhaltsstoffe (wie Lipide) helfen in der Mehrzahl der Fälle, lästige Pusteln zu vermeiden (z. B. Ladival® Allergische Haut; alle Ladival® Produkte enthalten seit 2008 zudem einen Antioxidanzien-Cocktail zum Schutz vor IR-A-Strahlung). Sportler benötigen neben hohen Schutzfaktoren wasserfeste Produkte (z. B. Daylong® extreme LSF 50plus Lotion).
Lästige Sommerbegleiter
Anlässlich der Fußball-Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz vermeldete die Universität Würzburg unlängst „Keine Zeckengefahr im Fußballstadium“. Auf Hightech- Produkten wie Sportrasen sei eher nicht mit Mäusen und damit auch nicht mit den winzigen Blutsaugern zu rechnen, so die Einschätzung eines Würzburger Zoologen.
Diese Entwarnung gilt nicht für Laubstreu in Wäldern und Parks, nicht für Sträucher und hohes Gras. Überall, wo sich Nager, Igel, Rehe und Füchse wohlfühlen, ist auch die Zecke nicht weit. Bei Lufttemperaturen von sieben bis zehn Grad Celsius werden die Tiere aktiv und begeben sich auf Wirtssuche.
Neben genügend hohen Temperaturen benötigen sie Feuchtigkeit. Warme Winter und regenreiche Sommer begünstigen die Zeckenpopulation. Während ihres Entwicklungszyklus, der zwischen einem und drei Jahren dauern kann, durchlaufen Zecken drei Stadien. Alle drei, die sechsbeinige Larve, die achtbeinige Nymphe, und das adulte Tier, brauchen dabei eine Blutmahlzeit.
Die häufigste durch Zecken übertragene Infektionskrankheit in Deutschland ist die Lyme-Borreliose. Meist beginnt die Krankheit einige Tage oder Wochen nach dem Stich mit einer Rötung, die sich kreisförmig vergrößert und im Zentrum wieder verblasst (Wanderröte). Andere Symptome sind Gelenk- und Gliederschmerzen oder Fieber. Im weiteren Verlauf können sich schwere rheumatische und neurologische Erscheinungen entwickeln.
Je früher die Krankheit erkannt und behandelt wird, desto erfolgreicher verläuft die Therapie. Mittel der Wahl für die Borreliosebehandlung im Frühstadium sind Tetracycline (z. B. Doxycyclin) oder Amoxicillin. Kinder und Schwangere erhalten Amoxicillin und Cefuroxim.
Stefanie Fastnacht
Diesen Artikel finden Sie in DAS PTA MAGAZIN 07/2008 auf Seite 16 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
