So ernährt sich die Nation
Mit der Unklarheit, wie die Deutschen mit Mineralstoffen und Vitaminen versorgt sind, ist es erst einmal vorbei. Ende Mai wurde der zweite Ergebnisbericht der Nationalen Verzehrsstudie II veröffentlicht. In dieser wurden das Verzehrsverhalten und die Ernährungsgewohnheiten von fast 20 000 Menschen unter die Lupe genommen. Einige der Kernaussagen haben wir für Sie zusammengefasst.
Für die Nationale Verzehrsstudie II (NVS II) wurden zwischen November 2005 und Januar 2007 bundesweit 19 329 deutsch sprechende Personen zwischen 14 und 80 Jahren zu ihrem Lebensmittelverzehr befragt, 15 371 von ihnen nahmen zusätzlich an einem Diet-History-Interview teil. Damit wurde das Verzehrsverhalten über vier Wochen erfasst, um Informationen zu der gewohnheitsmäßigen Ernährung zu bekommen.
Geplant, durchgeführt und ausgewertet wurde die repräsentative epidemiologische Studie vom Max-Rubner-Institut, Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel in Karlsruhe, im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.
Die Wissenschaftler interessierten sich unter anderem für das Ernährungswissen der Studienteilnehmer, ihr Einkaufsverhalten und ihre Kochfertigkeiten. Darüber hinaus wurden Körpergröße und -gewicht, Angaben zur körperlichen Aktivität und weitere Lebensstilfaktoren ermittelt. Im ersten, Ende Januar 2008 vorgestellten Teil der Basisauswertung wurden unter anderem die soziodemografischen Daten sowie Ergebnisse der anthropometrischen Messungen vorgestellt.
Die Ende Mai im zweiten Teil veröffentlichten Daten zur Versorgung der Bevölkerung mit Mineralstoffen und Vitaminen aus Lebensmitteln und Supplementen basieren auf den Diet-History- Interviews. Aus dem angegebenen Verzehr wurde die Energie- und Nährstoffzufuhr mittels Bundeslebensmittelschlüssel berechnet. Darüber hinaus enthält der zweite Teil Angaben zum Verzehr der wichtigsten Lebensmittelgruppen und thematisiert regionale Aspekte sowie das Ernährungsverhalten der Menschen verschiedener Schichten. Beide Ergebnisberichte können Sie unter www.was-esse-ich.de abrufen.
Wie viel wir essen
Die größte Menge an Energie nehmen wir über Brot und Milch/-erzeugnisse sowie Käse auf. Danach spielen bei den Männern Fleisch/-erzeugnisse und Wurstwaren, Fett sowie Süßwaren eine Rolle. Bei den Frauen sind es Süßwaren, gefolgt von Obst/-erzeugnissen, alkoholfreien Getränken, Fett sowie Fleisch/- erzeugnissen und Wurstwaren.
Sowohl Männer als auch Frauen essen zu wenige Kohlenhydrate; die verzehrten werden etwa zur Hälfte als Mono- und Disacchariden zugeführt. Die Ballaststoffaufnahme ist bei beiden Geschlechtern zu gering. Das gilt für alle Altersgruppen.
Dagegen nehmen wir zu viele Proteine auf, bezogen auf den empfohlenen Anteil an der Energiezufuhr. Dies gilt auch für die Fettaufnahme. Betrachtet man die Cholesterinzufuhr, so werden die Richtwerte quer durch alle Altersgruppen von den Männern überund von den Frauen unterschritten.
Bei den meisten Vitaminen wie Vitamin A, E, B1, B2, B12 und C entspricht die Zufuhr den Referenzwerten für die Nährstoffzufuhr oder übersteigt diese sogar. Deutlich darunter liegt die Zufuhr bei Vitamin D und Folsäure. So erreichen nur 18 Prozent der Männer und neun Prozent der Frauen die Empfehlungen für die Vitamin-D-Zufuhr. Vor allem bei jungen Erwachsenen und Senioren ist die Versorgung mit Vitamin D kritisch. Die empfohlene Folsäurezufuhr erreichen nur 21 Prozent der Männer und 14 Prozent der Frauen.
Kirsten Grashoff
Diesen Artikel finden Sie in DAS PTA MAGAZIN 07/2008 auf Seite 32 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
