Demenz: Der Alltag versinkt im Nebel

Es beginnt mit Vergesslichkeit und Gedächtnislücken. Dann gelingt es den Patienten immer weniger, ihren Alltag zu bewältigen. Ihre Persönlichkeit verändert sich, um sich schließlich im Nebel zu verlieren. Schon früh kann heute die Diagnose „Demenz“ gestellt werden, doch eine Heilung ist noch immer nicht möglich. Medikamente können den Verlauf der Erkrankung jedoch hinauszögern.

Allein in Deutschland leben 1,1 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung, 2025 werden es doppelt so viele sein. Denn die Lebenserwartung steigt, und mit dem Alter klettert auch das Erkrankungsrisiko in die Höhe: Bei 65-Jährigen liegt die Prävalenz für eine Demenz bei drei, bei über 90-Jährigen bei mehr als 30 Prozent.

Es gibt Unterschiede

Eine Demenz ist zu 60 Prozent durch eine Alzheimererkrankung bedingt, der neurodegenerative Prozesse zugrunde liegen. Am zweithäufigsten ist mit zehn bis 20 Prozent eine vaskuläre Demenz, die auf eine gestörte Durchblutung zurückzuführen ist. Sehr selten tritt eine Lewy-Körperchen-Demenz auf, für die Ablagerungen in den Stützzellen der Nervenzellen (Gliazellen) charakteristisch sind. Zwar können die einzelnen Demenzformen differenzialdiagnostisch voneinander abgegrenzt werden, doch in der Praxis überschneiden sich neurodegenerative und vaskuläre Varianten vielfach.

Neben diesen primären Formen gibt es auch sekundäre, die als Folge einer anderen Krankheit wie Morbus Parkinson, Schilddrüsenfunktionsstörungen oder einer Leberzirrhose auftreten.

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Eine rätselhafte Krankheit

Von Patienten wie Angehörigen am meisten gefürchtet wird die Diagnose „Alzheimerdemenz“, eine Erkrankung, die noch keine hundert Jahre bekannt ist. Auguste D. war 50 Jahre alt, als sie 1911 in die Städtische Irrenanstalt in Frankfurt eingeliefert wurde und kaum mehr ihren eigenen Namen kannte.

Ihr Arzt war Alois Alzheimer. Er beschrieb die Symptome einer Krankheit, die später nach ihm benannt wurde. Der Psychiater ahnte, dass es sich um ein besonderes Leiden handelte. Nichts sprach nämlich dafür, die Symptome seiner Patientin einer Dementia senilis – der damals üblichen Diagnose – zuzuordnen.

Alzheimer dokumentierte alle Gespräche mit Auguste D., aber auch alle Beobachtungen seiner Mitarbeiter. Nach dem Tod seiner Patientin fand Alzheimer bei der Obduktion des Gehirns spezielle Plaques in den Nervenzellen. Er beschrieb sie als „eigenartige Veränderungen der Hirnrinde“.

Alzheimers Dokumentation erregte damals weder wissenschaftliches noch öffentliches Aufsehen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts litten die Menschen an Tuberkulose, an Keuchhusten oder Pocken. Heute droht die Häufigkeit einer Alzheimerdemenz endemische Ausmaße anzunehmen.

Hannelore Gießen

Diesen Artikel finden Sie in DAS PTA MAGAZIN 11/2008 auf Seite 10 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

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