Demenz: Der Alltag versinkt im Nebel

Die Diagnose

Eine 100-prozentige Diagnose einer Alzheimererkrankung ist letztendlich erst nach dem Tod durch den Nachweis der charakteristischen Ablagerungen im Gehirn möglich. Doch Gedächtnissprechstunden neurologischer Klinikabteilungen, Memory-Kliniken und ähnliche Spezialeinrichtungen können heute die Diagnose mit einer Sicherheit von 80 bis 90 Prozent stellen.

Neben einer gründlichen Anamnese sowie einer körperlichen Untersuchung, die auch eine umfangreiche Blutuntersuchung einschließt, werden häufig bildgebende Verfahren für die Diagnostik herangezogen:

Mit Computertomografie (CT) oder Kernspintomografie (MRT) kann man den Aufbau des Gehirns dreidimensional darstellen und beispielsweise Schrumpfungen bestimmter Hirnareale erkennen. Typisch für eine Alzheimerdemenz ist ein Abbau von Zellen im Hippocampus, der für die Gedächtnisbildung besonders wichtig ist. Je mehr der Hippocampus schrumpft, desto stärker büßen die Nervenzellen ihre Funktionsfähigkeit ein und desto gravierender prägt sich eine Demenzsymptomatik aus. Auch eine Untersuchung der Hirnflüssigkeit ist möglich. Ein Nachweis von Amyloid-Plaques sowie Tau-Proteinen sind dabei starke Indizien für die Diagnose „Alzheimerdemenz“.

Andere Verfahren wie die Positronen-Emissions-Tomografie (PET) und die Single-Photon-Emissions-Computertomografie (SPECT) geben Aufschluss über die Funktion des Gehirns. Mit SPECT wird die Durchblutung gemessen, mit PET der Stoffwechsel von Sauerstoff und Glukose. Diese Methoden gehören allerdings nicht zur Routinediagnostik.

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Einfacher sind psychometrische Tests, die immer Bestandteil einer Basisuntersuchung sind, wenn Morbus Alzheimer vermutet wird. Mit einem kurzen Leistungstest kann ein Spezialist durch wenige Fragen und Zeichnungen die kognitiven Fähigkeiten des Patienten einschätzen.

Am häufigsten wird der Mini-Mental-Status-Test (MMST) eingesetzt. Der Patient muss sich dabei Wörter einprägen, er muss rechnen, zeichnen und einfache Anweisungen befolgen. Vor allem Aufgaben, die parallel verarbeitet werden müssen, bereiten einem Alzheimerpatienten Mühe. Sehr aussagekräftig ist auch der Uhrentest, bei dem der Patient ein Zifferblatt zeichnet und bestimmte Uhrzeiten eintragen soll.

Diese Tests sind auch für eine Verlaufskontrolle gut geeignet. Wird der Test nach einiger Zeit wiederholt, liefert ein Vergleich der erzielten Werte einen Anhaltspunkt dafür, ob sich der Zustand des Patienten gebessert oder verschlechtert hat.

Drei Krankheitsstadien

Um die Beeinträchtigungen einer Demenz zu quantifizieren, wird die Clinical-Dementia-Rating-Skala (CDR) herangezogen. Die CDR klassifiziert die Stufen demenziellen Abbaus von 0 = kein Abbau bis 3 = schwerer Abbau.

Im frühen Stadium (CDR 1) fallen merkwürdige Gedächtnislücken auf. Die Patienten erinnern sich nur bruchstückhaft an Ereignisse, die erst einige Stunden zurückliegen. Gegenstände werden verlegt oder Verabredungen vergessen. Die Fähigkeit, konzentriert nachzudenken, Entscheidungen zu treffen und Probleme zu lösen, wird geringer. In diesem Stadium sind sich die Betroffenen ihrer nachlassenden Leistungsfähigkeit bewusst und versuchen, ihre Einschränkungen zu kompensieren und Probleme zu verbergen. Sie können sich an vieles nicht mehr erinnern, doch den Verlust betrauern. Die Aussicht, immer mehr im Nichts zu versinken, ruft gleichermaßen Hilflosigkeit wie Aggression hervor.

Im mittleren Krankheitsstadium (CDR 2) fällt es den Patienten zunehmend schwerer, ihr tägliches Leben zu bewältigen. Das Gefühl für Zeit und Raum geht verloren, Erinnerungen verblassen. Die Patienten wissen nicht mehr, welchen Beruf sie ausgeübt haben; sie erinnern sich nicht mehr an ihre Kindheit. Die Dinge, die sie umgeben, können sie nicht mehr entschlüsseln. Ein Kamm wird zum rätselhaften Gegenstand; Geräusche im Haus können nicht mehr zugeordnet werden und erschrecken. Jetzt geht auch die Einschätzung der eigenen Krankheitssituation verloren.

Im fortgeschrittenen Stadium (CDR 3) ist die Sprache auf wenige Wörter eingeschränkt, und die Kontrolle über die Funktion von Blase und Darm geht verloren. Die Patienten sind vollständig auf die Hilfe anderer angewiesen. Sie können nicht mehr alleine gehen und werden bettlägerig. Die Anfälligkeit für Infektionen steigt. Häufig sterben die Patienten an einer Lungenentzündung.

Hannelore Gießen

Diesen Artikel finden Sie in DAS PTA MAGAZIN 11/2008 auf Seite 10 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

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