Demenz: Der Alltag versinkt im Nebel
Andere Therapieansätze
Nach wie vor ist eine Alzheimererkrankung nicht heilbar. Seit Jahren suchen Wissenschaftler Substanzen, die den geistigen Verfall der Betroffenen teilweise rückgängig machen oder zumindest aufhalten. Derzeit wird in einigen kleineren Studien das Rheumamedikament Etanercept (Enbrel®) untersucht. Der Antikörper blockiert den Tumornekrosefaktor-alpha (TNF-α) und dämpft so Entzündungsreaktionen, die bei Rheuma verstärkt ablaufen.
Inzwischen wurde jedoch gezeigt, dass TNF-α im Gehirn auch die Kommunikation der Nervenzellen mitreguliert. Daraus wurde das Konzept abgeleitet, Etanercept in die Rückenmarksflüssigkeit von Alzheimerpatienten zu injizieren. Tatsächlich scheint der Wirkstoff rasch in das Gehirn zu gelangen, und Ärzte wie Angehörige konnten innerhalb von Minuten verbesserte kognitive Fähigkeiten feststellen.
Eine größere und auf eine längere Dauer angelegte Studie muss diesen Effekt jedoch erst bestätigen, bevor an eine klinische Anwendung des TNF-α-Blockers bei Alzheimerdemenz zu denken ist.
Bei der intensiven Suche nach neuen Therapieansätzen sind die unterschiedlichen pathologischen Vorgänge einer Alzheimerdemenz im Visier der Wissenschaftler. So wird seit Jahren versucht, das Enzym Gamma-Sekretase beim Zerschneiden des Amyloid-Precursor-Proteins zu blockieren, doch bisher ohne Erfolg.
Es ist ein heikler Ansatz, denn das Enzym erfüllt im Körper auch physiologische Aufgaben. Ein anderes Konzept zielt auf die Beta-Sekretase ab, um den Schnitt am Amyloid- Precursor-Protein so zu verschieben, dass kleinere Bruchstücke entstehen. Doch mit kleinen Molekülen lässt sich die Beta-Sekretase nicht hemmen, und größere pumpt das Gehirn einfach wieder hinaus.
Dem Verfall zuvorkommen
Das düstere Zukunftsszenario würde sich sofort aufhellen, wenn es gelänge, einen Impfstoff gegen Alzheimerdemenz zu entwickeln. Vor einigen Jahren schien es soweit zu sein: Wissenschaftler der Universität Zürich injizierten Mäusen, bei denen sie künstlich eine Alzheimererkrankung induziert hatten, eine synthetisch hergestellte Form des krankmachenden Amyloids.
Die Mäuse bildeten daraufhin Antikörper gegen das Amyloid. Wandte man diese Methoden bei Alzheimerpatienten an, bildeten auch diese Probanden Antikörper gegen das Amyloid. Doch der Versuch musste abgebrochen werden, als mehrere Versuchsteilnehmer eine Hirnentzündung entwickelten. Jetzt werden neue Impfstoffe getestet, aber die Ergebnisse stehen noch aus.
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Hannelore Gießen
Diesen Artikel finden Sie in DAS PTA MAGAZIN 11/2008 auf Seite 10 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
