Magendrücken, Völlegefühl, Blähungen

Basiswissen zur medikamentösen Therapie

Zur Selbstmedikation der Dyspepsie (egal, ob funktionell oder nicht) steht eine breite Palette an wirksamen und gut verträglichen Präparaten zur Verfügung. Von grundlegender Bedeutung für die richtige Wahl des Wirkstoffs ist die Antwort auf die Frage, ob säurebedingte oder nicht säurebedingte Symptome dominieren: Stehen Sodbrennen und saures Aufstoßen im Vordergrund, sind säurebindende Antazida (z. B. Hydrotalcid) oder säurehemmende H2-Blocker (z. B. Famotidin) die Mittel der Wahl.

Dominieren dagegen nicht säurebedingte Beschwerden wie Magendrücken, Völlegefühl und Blähungen, sind Präparate mit Pankreatin, Simeticon oder geeigneten pflanzlichen Wirkstoffen zu empfehlen. Diese haben unterschiedliche Angriffspunkte. Welcher davon welchem Patienten am besten hilft, ist im Vorfeld nur schwer zu ermitteln. So bleibt es den Betroffenen häufig nicht erspart, die verfügbaren Mittel auszuprobieren.

Trotzdem können ein paar Faustregeln die Produktempfehlung erleichtern: Klagt ein Kunde über Beschwerden nach „gehaltvollen“ Mahlzeiten oder darüber, dass „das Essenschwer im Magen liegt“, sollte die erste Wahl auf Pankreatin oder pflanzliche Wirkstoffe fallen, da diese die Verdauungsprozesse und die Magenentleerung fördern. Ergibt das Kundengespräch Hinweise darauf, dass die Beschwerden primär durch ein erhöhtes Aufkommen gastrointestinaler Gase (z. B. nach ballaststoffreichen Mahlzeiten) ausgelöst werden, sollte zuerst Simeticon empfohlen werden.

Simeticon fördert die natürliche Gaselimination

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Verschluckte oder durch Verdauungsprozesse gebildete Gase werden im Magen-Darm-Trakt von Schleim (Quelle: Verdauungssäfte) umhüllt. Die Folge ist ein feinblasiger Schaum, aus dem die Gase nur schwer entweichen können. Simeticon zerstört den Schaum, weshalb der Wirkstoff als „Entschäumer“ bezeichnet wird.

Die aus dem Schaum freigesetzten Gase diffundieren über die Darmwand in das Blut, mit dem sie zur Lunge transportiert und abgeatmet werden (Haupteliminationsweg) oder sie verlassen den Körper über den Schließmuskel. Simeticon wird nicht resorbiert und nach „getaner Arbeit“ unverändert über den Darm wieder ausgeschieden. Somit unterstützt der „Entschäumer“ über rein physikalische Effekte die natürlichen Ausscheidungswege der gastrointestinalen Gase.

Simeticon ist ein Gemisch aus flüssigem Dimeticon (Wirkstoff) und feindispersem Siliciumdioxid (Hilfsstoff). Die Siliciumdioxid-Partikel zwingen das hochvisköse Dimeticon zur Formation feiner Tröpfchen, wodurch dessen „entschäumende“ Wirksamkeit erhöht wird.

Simeticon gibt es in Form von Emulsionen, Kautabletten und Weichgelatinekapseln (gefüllt mit Emulsion). Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und Gegenanzeigen sind nicht bekannt. Sogar Schwangere (leiden häufig unter Blähungen), Stillende und Säuglinge (bei Dreimonatskoliken) dürfen Simeticon anwenden.

Übrigens: Simeticon-Emulsionen sind ein anerkanntes Antidot bei Tensid- und Spülmittelvergiftungen und gehören daher in jede Hausapotheke von Familien mit Kleinkind(ern).

Pankreatin unterstützt die (Fett)Verdauung

Pankreatin ist ein Gemisch aus Pankreasenzymen: Amylase (spaltet Kohlenhydrate in Einfachzucker), Protease (spaltet Proteine in Aminosäuren) und Lipase (spaltet Lipide in Glyzerinund Fettsäuren). Auf dem Markt befindliche Fertigarzneimittel enthalten standardisiertes Schweine-Pankreatin, das im menschlichen Zwölffingerdarm die enzymatische Verdauung unterstützt, ganz besonders die der Fette. Folglich wird die Entleerung des Magens beschleunigt und die Gasbildung im Dickdarm verringert, weil dort weniger unverdaute Nahrungsbestandteile ankommen und bakteriell zersetzt werden.

Die Pankreatindosis wird auf den Fettgehalt der bevorstehenden Mahlzeit abgestimmt und in Lipase-Einheiten berechnet: Als Faustregel gilt, dass zur Verdauung von 1 Gramm Nahrungsfett etwa 1000 bis 2000 Einheiten Lipase benötigt werden. Bei der Auswahl eines Pankreatin-Präparates ist auf eine magensaftresistente Formulierung (z. B. Mikropellets, umhüllt von einer Kapsel) zu achten, da die im Pankreatin enthaltenen Verdauungsenzyme säureempfindlich sind und von der Magensäure rasch inaktiviert werden.

Amara und Karminativa greifen mehrfach an

Karminativa enthalten als wirksame Hauptbestandteile ätherische Öle und Amara Bitterstoffe. Da einige Drogen ätherische Öle und Bitterstoffe enthalten, ist eine eindeutige Zuordnung nicht immer möglich. Als typische Karminativa gelten jedoch Kümmelfrüchte, Pfefferminzblätter, Fenchelsamen, Anisfrüchte und Kamillenblüten.

Diese sind als Tees bzw. Teemischungen erhältlich, aber auch als moderne Fertigpräparate, die die ätherischen Öle bzw. Zubereitungen (z. B. Auszüge) de rgenannten Drogen enthalten. Karminativa steigern die Magenmotilität, wodurch sie den Weitertransport des Speisebreis fördern. Krampflösende Eigenschaften lindern Schmerzen, die bei Dehnungsreizen (Speisebrei, Gasansammlungen) im Magen-Darm-Trakt entstehen.

Zu den typischen Amara gehören Bittere Schleifenblume, Wermutkraut, Enzianwurzel und Angelikawurzel (Engelwurz). Sie fördern die Verdauung über verschiedene Wege: Bei einem Kontakt mit der Magenschleimhaut stimulieren sie die Ausschüttung des Hormons Gastrin, das wiederum die Ausschüttung von Magensäure, Gallen- und Pankreassekret erhöht und die Magenmotilität steigert.

Flüssige Präparate (Tees, Tropfen) kommen außerdem mit den Bitterrezeptoren der Zunge in Kontakt, wodurch sie zusätzlich die Produktion von Verdauungssäften (Speichel, Magensaft) und die Magenmotilität anregen. Amara sind in verschiedenen modernen Mono- und Kombinationspräparaten enthalten.

Artischocke und Curcuma fördern die Fettverdauung

Präparate mit Extrakten aus Artischockenblättern oder Curcumawurzelstock regen den Gallenfluss an (= choleretische Wirkung), wodurch Nahrungsfette im Dünndarm besser emulgiert und durch die Pankreaslipasen leichter gespalten werden. Ein positiver Nebeneffekt bei langfristigem Gebrauch ist der Einfluss auf die Blutfettwerte, wodurch entsprechende Präparate möglicherweise einer Arteriosklerose entgegenwirken können.

Wichtige Einnahmehinweise

Simeticon soll zum oder nach dem Essen angewendet werden: Zum Essen ist jedoch sinnvoller, weil sich dabei der Wirkstoff gut im Speisebrei verteilen und somit besser wirken kann. Pankreatin ist unbedingt zu Beginn, spätestens bis zur Mitte einer Mahlzeit zu schlucken. Die darin enthaltenen Verdauungsenzyme können ihre Wirkung nur dann entfalten, wenn sie zeitgleich mit dem Speisebrei im Zwölffingerdarm ankommen.

Der bittere Geschmack flüssiger Zubereitungen von Bitterstoffdrogen lässt sich mindern, wenn die Einnahme mit warmem Wasser oder mit Kirschsaft erfolgt. Artischocken- und Curcumapräparate werden in der Regel zum Essen eingenommen, andere Phytopharmaka – je nach Präparat – vor oder zum Essen.

Dr. Ute Koch

Diesen Artikel finden Sie in DAS PTA MAGAZIN 12/2008 auf Seite 10 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

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