Rosacea: Nur nicht rot werden

Fleckige Rötungen, erweiterte Äderchen, Pusteln und wenn es ganz schlimm kommt eine knollig verdickte Nase, deren Hautbeschaffenheit an derbe Orangenschalen erinnert. Mit Symptomen wie diesen plagen sich in Deutschland rund vier Millionen Rosaceapatienten. Was hinter der chronisch entzündlichen Hauterkrankung steckt und welche Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, zeigt unser Artikel.

Wer vom "Fluch der Kelten" hört, denkt spontan an den Titel eines neuen Kriminalromans oder vielleicht sogar an einen Horrorfilm. Gemeint ist eine chronische Hauterkrankung, die Rosacea. Besonders häufig trifft sie den im nördlichen Europa beheimateten keltischen Hauttyp mit hellem Teint und roten Haaren. Die Gesichtshaut in Mitleidenschaft ziehend, bedeutet Rosacea für Betroffene wirklich den sprichwörtlichen Horror.

Sie fühlen sich durch die begleitenden Hautrötungen und - bei ganz schweren Verläufen - durch knollige Wucherungen an Nase, Kinn oder Ohren entstellt und ausgegrenzt. Obwohl es bis heute keine kausale Therapie gibt, lässt sich das Krankheitsbild durch eine stadien- und phasengerechte Behandlung gut kontrollieren. In der Apotheke sollte man im Beratungsgespräch mit Betroffenen zudem im Hinterkopf behalten, dass die Patienten eine an ihren Hautzustand angepasste, reizarme Basispflege benötigen.

Wen es trifft

Die Rosacea tritt in Nordeuropa (Skandinavien, England, Irland) mit einer Häufigkeit von zehn Prozent auf, im südlichen Teil des Kontinents - wo dunkle Hauttypen vorherrschen - nur zu etwa zwei Prozent. In Deutschland erkranken Schätzungen zufolge zwei bis fünf Prozent der Erwachsenen. Kinder bleiben in der Regel verschont. Oft manifestieren sich die Hautrötungen im dritten und vierten Lebensjahrzehnt. Frauen erkranken häufiger als die Vertreter des starken Geschlechts; meist verläuft die Krankheit aber milder.

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Entstellende Symptomatik

Eine Rosacea macht sich bei Männern vor allem in der Gesichtsmitte (zentrofazial) an der Nase und den Nasolabialfalten bemerkbar. Bei Frauen rötet sie bevorzugt Wangen und Kinn. Zu den Primärsymptomen gehören anfallsweise auftretende, zunächst flüchtige (Flush), dann dauerhafte, mindestens drei Monate bestehende Rötungen (persistierende Erytheme), Knoten (Papeln), Eiterbläschen (Pusteln) und bereits mit bloßem Auge erkennbare Erweiterungen oberflächlich gelegener, kleinster Blutgefäße (Teleangiektasien).

Davon unabhängig oder gekoppelt an diese Primärsymptome berichten Patienten von weiteren Beeinträchtigungen: Brennen, Juckreiz, Ödeme oder Schuppungen. Bei rund 25 Prozent der Betroffenen greift die Krankheit auf die Augen über. Knollenförmige Bindegewebswucherungen (Phyme) der Nase (Rhinophym) sind typisch für männliche Patienten im fortgeschrittenen Stadium. Die Phyme können aber auch Kinn oder Ohren entstellen. Die Erkrankten leiden unter der ständigen Angst, im falschen Moment zu erröten. Durch die entzündlichen Hautveränderungen fühlen sie sich in ihrer Lebensqualität häufig so stark beeinträchtigt, dass sie sich sozial isolieren oder Depressionen entwickeln.

Ursachenforschung noch in den Kinderschuhen

Was den Menschen die Röte ins Gesicht treibt, darüber ist sich die Wissenschaft bis heute nicht einig. Fest steht, dass Rosacea gehäuft innerhalb von Familien auftritt. Da bei etwa 30 bis 40 Prozent der Patienten ein naher Angehöriger unter der Dermatose leidet, geht man von einer genetischen Prädisposition aus. Auf dem Boden dieser Veranlagung tragen verschiedene Triggerfaktoren zum Ausbruch der Krankheit bei bzw. verschlimmern eine bereits bestehende Rosacea.

Dazu gehören vor allem das Sonnenlicht und reizende Kosmetika (Seifen, Fruchtsäuren etc.). Licht und die verschiedenen Provokationsfaktoren, so die Hypothese, bilden freie Sauerstoffradikale und verursachen oxidativen Stress. Neueren Erkenntnissen zufolge spielen zudem genetisch vorprogrammierte Veränderungen an den Gesichtsgefäßen eine Rolle. Die Reaktion auf den Genuss von Alkohol, scharfen Gewürzen, Heißgetränken oder plötzliche Temperaturveränderungen erfolgt prompt: Die Gefäße weiten sich, die Gesichtshaut beginnt rot zu "glühen".

Diskutiert wird zudem der Einfluss von gastrointestinalen Infekten. Bei den Rosaceageplagten findet man gehäuft eine massive bakterielle Besiedlung des oberen Dünndarms. Bei Bluthochdruck, unter Stress oder prämenstruell blüht das Krankheitsbild ebenfalls auf. Auch Infektionen mit der Haarbalgmilbe Demodex folliculorum, die auf der Haut von Rosaceapatienten in signifikant höherer Zahl vorkommt (36/cm2), stehen unter Verdacht. Zum Vergleich: Gesunde beherbergen gar keine bzw. maximal eine Milbe pro Quadratzentimeter Haut.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass durch die genetische Prädisposition in Kombination mit verschiedenen Provokationsfaktoren neben dermalen Strukturproteinen - insbesondere Elastin und Kollagen - das Gefäßendothel der Gesichtshaut geschädigt wird. Zusätzlich erweitern sich die Blutgefäße (Flush, persistierendes Erythem, Teleangiektasien).

In Folge weichen die Endothelzellen auseinander, und Flüssigkeit tritt ins Gewebe über (Ödembildung). Zudem kommt es zur Freisetzung von proinflammatorischen Substanzen, die in der Gefäßumgebung entzündliche Veränderungen (Papeln, Pusteln) und letztlich die Bindegewebsproliferation (Phymbildung) begünstigen. In einer Art Teufelskreis schädigen die Entzündungsfaktoren dann wieder die dermale Umgebung, und die Rosacea blüht erneut auf.

Stefanie Fastnacht

Diesen Artikel finden Sie in DAS PTA MAGAZIN 06/2009 auf Seite 10 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

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