Frauensachen: Eva tickt anders als Adam
Vom biologischen Bauplan vorgegeben, müssen Frauen im Lauf ihres Lebens mit den unterschiedlichsten gesundheitlichen Bedingungen zurechtkommen: Menstruation, Schwangerschaft und Wechseljahre. Gesundheitsprobleme, die vor allem die zweite Lebenshälfte dominieren, stellt der folgende Artikel vor.
Frauen und Männer unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Krankheiten und gesundheitlichen Einschränkungen. Menstruation, Schwangerschaft und Wechseljahre sind körperliche Phänomene, die der Frau vorbehalten sind. Bis dato als geschlechtsneutral verstandene Erkrankungen wie zum Beispiel ein Herzinfarkt zeigen bei Frauen jedoch auch andere Symptome und nicht selten einen schwereren Verlauf als bei Männern.
Erfreulich ist, dass sich die deutsche Politik des Themas angenommen hat. Im Bundesgesundheitsministerium gibt es ein eigenes Referat „Frauen und Gesundheit“. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehört zum Beispiel die gesundheitliche Prävention in der zweiten Lebenshälfte. Eine weitere Stelle in Deutschland, die Frauengesundheit ganz oben auf ihre Fahnen schreibt und bundesweit Aktivitäten koordiniert, ist das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Zudem bietet die Website der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung BZgA (s. u. Infos aus dem Netz) sehr ausführliche Informationen.
Herzinfarkt: keine reine Männersache
Der Herzmuskel ist von Herzkranzgefäßen umgeben. Bildet sich in den Gefäßen, zum Beispiel in Folge von arteriosklerotischen Schädigungen, ein Blutgerinnsel, gerät der Blutfluss ins Stocken, und die Herzmuskelzellen werden nicht mehr ausreichend mit Energie und Sauerstoff versorgt. Dabei kann es zum Infarkt, also dem Absterben von Herzmuskelgewebe kommen. Gefürchtete Komplikationen in den ersten Stunden nach dem Infarkt sind schwere Herzrhythmusstörungen wie das Kammerflimmern oder das Pumpversagen des Herzens.
Lange Zeit wurden Herzinfarkte als überwiegend männliche Erkrankung abgetan. Bis zu den Wechseljahren durch die weiblichen Hormone relativ geschützt, ereilt Frauen, wie man heute weiß, ein Infarkt im Durchschnitt zehn bis 15 Jahre später als die Männer. Dann aber nicht selten mit tödlichem Ausgang. Besonders gefährdet sind die über 65-Jährigen. Wobei in den letzten Jahren eine Trendwende zu beobachten ist und es verstärkt jüngere Frauen unter 50 Jahren trifft. Ein Faktum, das Experten auf Änderungen des Lebensstils und zunehmend mehr Raucherinnen zurückführen.
Leiden rauchende Frauen unter Übergewicht und nehmen orale Kontrazeptiva ein, haben sie ein extrem hohes Infarktrisiko. Unabhängig davon bereiten bei beiden Geschlechtern Bluthockdruck, erhöhte Blutfettwerte, Diabetes mellitus, Übergewicht, Bewegungsmangel und Stress in Beruf oder Familie Infarkten den Weg.
Evas Symptome
Nicht nur im Zeitpunkt des Auftretens, auch durch ihre Symptomatik unterscheiden sich Infarkte von Frauen und Männern. Neben den klassischen Warnzeichen Schmerzen und Enge in der linken Brustseite, eventuell gepaart mit Ausstrahlung in Arme, Rücken und Oberbauch sowie Angst, Blässe und kaltem Schweiß, Schwächegefühl oder Bewusstlosigkeit, melden sich Infarkte bei Frauen oft unspezifischer. Nicht selten kommt es nur zu Luftnot, Übelkeit oder Erbrechen. Statt starker Schmerzen verspüren sie häufig lediglich ein Druck- oder Engegefühl im Oberbauch.
Weil diese Symptome nicht eindeutig sind oder gar nicht erst mit einem Infarkt in Verbindung gebracht werden, vergeht bis zu Diagnose und einleitenden Behandlungsmaßnahmen (medikamentöse Lyse, Ballonaufdehnung) bei Frauen nicht selten lebensrettende Zeit.
Herzgesund leben
Die Herzinfarktgefahr hängt stark vom persönlichen Lebensstil von Männern und Frauen ab. Regelmäßige Bewegung – zum Beispiel ein halbstündiger Spaziergang pro Tag – fördert die Herzgesundheit. Genauso wie eine „herzschützende“ Ernährung mit viel Obst, Gemüse und Vollkornprodukten. Statt Fleisch eher eine Fischportion einschieben. Beim Fett kommt es auf Art und Menge an. Der aid infodienst empfiehlt auf seiner Homepage (www.was-wir-essen.de) unter der Rubrik „Ernährungsinfos“ Frauen in den Wechseljahren täglich nicht mehr als drei bis vier Teelöffel Streichfett und zwei Esslöffel hochwertigen Oliven-, Raps- oder Walnussöls zu sich zu nehmen.
Fettreiche Lebensmittel, die überwiegend gesättigte Fettsäuren liefern, wie Süßigkeiten, Backwaren, Fertiggerichte und fette Wurstsorten, gehören danach ganz vom Speiseplan gestrichen. Auch Übergewicht und Stress sollten abgebaut werden. Wenig Alkohol – maximal ein Glas Bier oder Wein pro Tag – und der Verzicht auf Zigaretten komplettieren die vorbeugenden Maßnahmen. Von Hormonbehandlungen zum Schutz vor Herzinfarkten wird heute klar abgeraten, weil sie in Studien nicht die gewünschten Effekte gezeigt haben und überdies das Brustkrebsrisiko zu erhöhen scheinen.
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Stefanie Fastnacht
Diesen Artikel finden Sie in DAS PTA MAGAZIN 08/2009 auf Seite 10 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
