Arthrose: Wer rastet, der rostet
Gelenkverschleiß, in der Fachsprache Arthrose genannt und im Volksmund „Einrosten der Gelenke“, gehört zu den ältesten Krankheiten der Menschheit. Damit verbundene Schmerzen und Einschränkungen der Beweglichkeit erzeugen bei den Betroffenen einen hohen Leidensdruck. Für die zahlreichen Patienten hält die Apotheke eine breite Palette an rezeptfreien Wirkstoffen und Darreichungsformen zur symptomatischen Therapie bereit.
Obwohl auch schon junge Menschen an einer Arthrose erkranken, handelt es sich primär um eine Alterserscheinung: genau gesagt um eine Abnutzung des Gelenkknorpels und der Gelenkknochen. Dem Gelenkverschleiß liegt ein Missverhältnis zwischen der Widerstandsfähigkeit der Gelenkstrukturen und deren Beanspruchung im Laufe des Lebens zugrunde. Daraus resultiert, dass die Wahrscheinlichkeit, eine Arthrose zu bekommen, mit dem Alter steigt. So ist die Erkrankung, die ohnehin schon als Volksleiden gilt, ein stark wachsendes Problem. Grund dafür ist die allgemein zunehmende Lebenserwartung der Bevölkerung.
Ohne Gelenke keine Bewegung
Zu unserem Körper gehören weit mehr als 100 Knochengelenke. Sie sind die beweglichen Verbindungsstellen zwischen zwei starren Knochen. Obwohl sich die verschiedenen Gelenke in ihrem Aussehen und in ihrem Ausmaß der Beweglichkeit unterscheiden, sind sie ähnlich aufgebaut: Ein Knochenende, die Gelenkpfanne, ist nach innen gewölbt, und das andere Knochenende, der Gelenkkopf, nach außen. Beide Knochenenden werden von einer festen und elastischen Gelenkkapsel umschlossen, die verhindert, dass der Gelenkkopf aus der Gelenkpfanne rutscht.
Die Innenflächen der Gelenkknochen sind von einer dünnen Knorpelschicht überzogen. Zwischen beiden mit Knorpel überzogenen Knochenenden liegt der Gelenkspalt. Darin befindet sich die Gelenkschmiere. Diese wird von der Innenhaut der Gelenkkapsel produziert und nur unter Bewegung in den Gelenkspalt und in die Knorpelgewebe gepresst.
Gelenkknorpel und Gelenkschmiere
Knorpel und Schmiere sind für ein reibungsloses Funktionieren der Gelenke von erheblicher Bedeutung. Vor diesem Hintergrund spielen sie auch in der Pathophysiologie der Arthrose eine zentrale Rolle. Die Gelenkknorpel sind hyaline Knorpel, die sich vor allem durch hohe Druckfestigkeit und Elastizität auszeichnen und eine glatte Oberfläche haben. So sind sie in der Lage, die Gelenkknochen vor Reibung, Druck, Stößen und Erschütterungen zu schützen.
Die Knorpel können ihre Schutzfunktion allerdings nur dann angemessen erfüllen, wenn sie ausreichend „geschmiert“ werden. Die Schmiere schützt die Gelenkknorpel vor Reibung, wofür sie Schleimstoffe (z. B. Glukosaminoglykane) enthält, die ihr eine schleimig-zähflüssige Konsistenz verleihen. Eine weitere wichtige Aufgabe der Gelenkschmiere ist die Nährstoffversorgung der Knorpel, da diese nicht über das Blut versorgt werden.
Hauptrisikofaktor höheres Lebensalter
Gelenkknorpel und Gelenkschmiere unterliegen – wie auch andere Organe und Gewebe – Alterungsprozessen: Im Knorpelgewebe finden ständige Auf- und Abbauprozesse statt, die sich in jungen Lebensjahren im Gleichgewicht befinden, sich aber mit den Jahren in Richtung Abbauprozesse verschieben. Die Folge ist eine allmählich abnehmende Widerstandsfähigkeit der Knorpel. Dabei ist zu beachten, dass sich diese von einmal erlittenen Schäden nur schwer wieder erholen können. Grund dafür ist die geringe Stoffwechselaktivität der Knorpelzellen, die kaum in der Lage sind, einmal verloren gegangene Strukturen wieder zu ersetzen.
Auch die Gelenkschmiere verändert sich im Laufe des Lebens. Dies betrifft vor allem ihre Zusammensetzung. Darunter leiden unter anderem deren zähflüssige Konsistenz und deren Fähigkeit, die Gelenkknorpel vor Reibung zu schützen. So ist es ganz normal, dass sich im höheren Lebensalter ein Gelenkverschleiß einstellt. Ob und wann dieser jedoch zu Beschwerden führt und in welchem Ausmaß diese auftreten, ist individuell verschieden. Begünstigend wirken eine erbliche Veranlagung und dauerhaftes Überlasten der Gelenke.
Belastungen für den Gelenkapparat
Langjährige berufsbedingte starke Belastungen, vor allem durch Heben und Tragen schwerer Gegenstände, aber auch durch übermäßiges Laufen und Stehen sind enorme Strapazen für die Gelenke. So sind unter den Arthrosepatienten besonders Berufsgruppen vertreten, die in ihrem Leben schwere körperliche Arbeiten in der Landwirtschaft, im Bergbau, im Straßenbau, in der Produktion und in Pflegeberufen ausgeübt haben.
Auch Übergewicht ist Stress für die Gelenke: Hüfte, Knie, Füße und Wirbelsäule sind gewichtstragende Gelenke. Je mehr Körpergewicht auf ihnen lastet, desto größer ist das Arthroserisiko. Gelenkfehlstellungen beispielsweise X- oder O-Beine, führen ebenfalls zu übermäßigem Gelenkverschleiß. Ebenso schwere Unfälle, bei denen Gelenkstrukturen verletzt worden sind und/oder körperliche Behinderungen zurückbleiben.
Genauso wie schwere körperliche berufliche Arbeit den Gelenken schadet, begünstigt auch intensiv betriebener Sport die Entwicklung einer Arthrose.
Eingeschränkte Beweglichkeit und Schmerzen
Mit zunehmendem Knorpelverlust verlieren die Gelenkknochen allmählich ihren Schutz vor Reibung, Druck, Stößen und Erschütterungen. Anfangs bereitet eine Arthrose keine Beschwerden, jedoch kommt es im weiteren Krankheitsverlauf zu spürbarem Knorpelreiben und Steifigkeitsgefühl. Der Volksmund spricht von einem „Einrosten“ der Gelenke. Bei großen Knorpelverlusten reiben die Innenflächen der Gelenkknochen direkt aufeinander. Dabei werden ihre von Haus aus spiegelglatten Oberflächen zunehmend rauer; schlimmstenfalls kann sich das betroffene Gelenk deformieren.
So bestehen die Hauptsymptome der Arthrose aus einer eingeschränkten Beweglichkeit und Schmerzen. Diese führen zu Schon- und Fehlhaltungen, die wiederum schmerzhafte Verspannungen der Muskulatur zur Folge haben. Hinzu können akute Entzündungsschübe (aktivierte Arthrose) kommen, die neben zusätzlichen Schmerzen an einer Überwärmung, Schwellung und Rötung des betroffenen Gelenkes erkennbar sind.
Besonders gefährdete Gelenke
Meistens sind nur einzelne Gelenke von einem Verschleiß betroffen. An erster Stelle stehen die Kniegelenke (Gonarthrose) und die Hüftgelenke (Coxarthrose). Das ist leicht verständlich, weil diese im täglichen Leben am stärksten belastet werden: durch Laufen und langes Stehen, schwere körperliche Arbeit, das Heben schwerer Gegenstände, übertriebene sportliche Aktivitäten und/oder Übergewicht. Weitere Gelenke, die häufig eine Arthrose erleiden, sind Finger-, Fuß- und Schultergelenke sowie die Gelenke der Wirbelsäule.
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Dr. Ute Koch
Diesen Artikel finden Sie in DAS PTA MAGAZIN 09/2009 auf Seite 10 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
