Gesundheit aus der Tasse

Wässrige Drogenauszüge gehören zu den ältesten Therapieformen überhaupt. Auch aus der modernen Schulmedizin sind sie nicht wegzudenken. Tees sind bei Patienten sehr beliebt: Einfach anzuwenden, sparen sie Kosten und haben neben heilenden auch wohltuende Wirkungen auf Körper und Seele. Informieren Sie sich ausführlich in unserem Beitrag und erwerben Sie einen Fortbildungspunkt.

Jahrhundertelang waren pflanzliche Zubereitungen, so auch wässrige Drogenauszüge, die wichtigsten Therapeutika überhaupt. Schließlich kamen die ersten synthetischen Wirkstoffe, wie Phenazon und Acetylsalicylsäure, erst Ende des 19. Jahrhunderts auf den Markt. Auch in der Schulmedizin haben Phytotherapeutika, zu denen Arzneitees gehören, ihren festen Platz.

Die Gründe dafür sind vielschichtig: Zum einen sind mittlerweile die Wirksamkeit und Unbedenklichkeit vieler Heilpflanzen durch moderne Studien und/oder durch langjähriges Erfahrungswissen belegt.

Zum anderen stehen natürliche Behandlungsmethoden bei Patienten hoch im Kurs. Das Besondere an einem Tee ist, dass der Patient die Arzneiform, das Teegetränk, selbst herstellt und dadurch zu seinem eigenen Therapeuten wird. Während der Zubereitung und des Trinkens des Tees befasst sich der Verwender bewusst oder unbewusst mit seinem Wohlergehen. Der daraus resultierende Effekt auf das Gesundheitsbewusstsein ist nicht zu unterschätzen; er kann mehr bewirken als das rasche Einwerfen einer Tablette.

Arzneitees und Lebensmitteltees
Für die verschiedenen Tees existieren unterschiedliche gesetzliche Vorgaben: So unterliegt ein Lebensmitteltee (Genusstee, Gebrauchstee, so auch Früchte- und Wellnesstees), dem Lebens- und Futtermittelgesetz und ein Arzneitee dem Arzneimittelgesetz. Arzneitees, die auch als Heiltees oder als medizinische Tees bezeichnet werden, unterscheiden sich von Lebensmitteltees im Wesentlichen darin, dass sie behördlich zugelassen sind: erkennbar an der Zulassungsnummer und der Deklaration Arzneitee. Außerdem ist/sind bei einem Arzneitee für die darin enthaltene(n) Droge(n) der Mindestgehalt des wirksamen Bestandteiles oder der Leitsubstanz vorgeschrieben.

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Zur Deklaration auf der Faltschachtel bzw. dem Beipackzettel gehören das Anwendungsgebiet, beispielsweise „bei Gallenblasenbeschwerden und Störungen des Gallenabflusses“, sowie die Dosierungsanleitung und die Art der Anwendung, beispielsweise „Ein bis zwei Filterbeutel werden mit siedendem Wasser (ca. 150 ml) übergossen, bedeckt etwa zehn bis 15 Minuten ziehen gelassen und wieder entnommen. Soweit nicht anders verordnet, wird drei- bis viermal täglich eine Tasse frisch bereiteter Tee eine halbe Stunde vor den Mahlzeiten getrunken.“ Falls vorhanden, müssen auch Gegenanzeigen, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen aufgeführt werden.

Vor diesem Hintergrund sind Lebensmitteltees – auch dann, wenn sie getrocknete Teile von Heilpflanzen (z. B. Kamillenblüten, Pfefferminzblätter) enthalten – nicht zur Behandlung von krankhaften Beschwerden geeignet. Dies heißt aber nicht, dass ein Lebensmitteltee grundsätzlich von geringerer Qualität ist als ein Arzneitee. Einige Hersteller erheben für ihre Produkte höhere Qualitätsstandards als vom Gesetzgeber gefordert.

Von der Pflanze zur Teedroge: kontrollierter Anbau
Nur selten stammen die heute verwendeten Pflanzen oder Pflanzenteile aus der freien Natur (Wildpflanzensammlung). Allgemein üblich ist der möglichst kontrollierte Anbau von Monokulturen auf großen Feldern: Nur so kann der hohe Bedarf an Teedrogen gedeckt, können moderne Qualitätsstandards erfüllt werden. Hauptziel des kontrollierten Anbaus ist eine – von Ernte zu Ernte – möglichst gleichbleibend hohe Qualität des pflanzlichen Ausgangsmaterials.

Zu den geforderten Qualitätsmerkmalen gehören unter anderem Maximalwerte für Schadstoffe (z. B. für Schwermetalle und Pflanzenschutzmittel) sowie bei Arzneitees oben erwähnte Mindestgehalte an bestimmten Inhaltsstoffen. Bereits das Saatgut hat strengste Qualitätskriterien zu erfüllen, damit jede Charge den vorgeschriebenen Mindestgehalt bestimmter Inhaltsstoffe aufweist und das mit möglichst geringer Schwankungsbreite.

Ein weiteres wichtiges Augenmerk gilt denjenigen Parametern, die das Wachstum der Pflanze beeinflussen (z. B. Bodenbeschaffenheit, Wasserqualität, klimatische Bedingungen) und denjenigen, die mögliche Rückstände begrenzen oder sogar vermeiden (z. B. schadstoffarme Lage des Anbauortes, sorgsamer Umgang mit Pflanzenschutzmitteln). Außerdem wird durch den kontrollierten Anbau der Pflanzen von vornherein sichergestellt, dass nur diejenigen Stammpflanzen Verwendung finden, die in den einschlägigen Monografien und Vorschriften definiert sind.

Bereits während oder unmittelbar nach der Ernte, die zu einem für die jeweilige Pflanze optimalen Zeitpunkt erfolgen sollte, findet das Separieren der für die Drogengewinnung benötigten Pflanzenteile (z. B. Blätter oder Wurzeln) statt. Anschließend werden diese getrocknet, wobei die Trocknungstemperatur der Empfindlichkeit der verwendeten Pflanzenteile und der Flüchtigkeit der darin enthaltenen Inhaltsstoffe entsprechen muss.

Zum Schluss werden die getrockneten Pflanzenteile zerkleinert. Der Zerkleinerungsgrad richtet sich unter anderem nach der Beschaffenheit der Droge (z. B. harte Wurzeln oder filigrane Blüten), der Löslichkeit der Inhaltsstoffe in Wasser und danach, ob die Droge lose oder in Aufgussbeuteln auf den Markt kommt.

Wichtig: Kontrollierter Anbau ist nicht mit biologischem Anbau zu verwechseln, bei dem es vordergründig um das Vermeiden von Kunstdünger und chemischen Pflanzenschutzmitteln geht. Die Drogen für die in der Apotheke erhältlichen Bio-Tees werden im Allgemeinen kontrolliert und biologisch angebaut.

Dr. Ute Koch

Diesen Artikel finden Sie in DAS PTA MAGAZIN 12/2009 auf Seite 10 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

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