Kleine Wunden: Verletzt, versorgt, verheilt
Aufgeschürfte Knie, Blasen, Schnittwunden: Die Palette an Verletzungen, die das pharmazeutische Personal in der Offizin präsentiert bekommt, ist groß. Genauso vielfältig sind die zur Verfügung stehenden Verbandmaterialien. Beratungsaktive Apotheken können Patienten fachkundig durch diesen „Dschungel“ leiten und ihnen helfen, das individuell richtige Produkt zu finden.
Im Rahmen der Gesundheitsberichterstattung des Bundes ermittelte Daten zeigen, dass 51 Prozent der Unfälle in Deutschland im häuslichen Bereich zustande kommen, gefolgt von Sportverletzungen mit 27 Prozent und Freizeitunfällen mit 22 Prozent.
Die Apotheke ist häufig die erste Anlaufstelle für Verletzte. Meist haben sich die Kunden bei der Haus- und Gartenarbeit ihre Wunden zugezogen. Auch Mütter, deren Kinder sich beim Spielen die Haut aufgeschürft haben, oder Personen mit Blasen an den Füßen brauchen Rat und Hilfe.
Welche Wundarten gibt es?
Eine Wunde wird „als eine Unterbrechung des Zusammenhangs von Körpergeweben mit oder ohne Substanzverlust“ definiert. Je nach Entstehungsursache lassen sich iatrogene (vom Arzt zu diagnostischen oder therapeutischen Zwecken gesetzte), chronische und traumatische Wunden unterscheiden.
Unter die traumatischen Verletzungen fallen mechanisch bedingte Zellschädigungen (z. B. Riss-, Schnitt-, Stich- oder Schürfwunden). Auch thermische Wunden (Erfrierungen, Verbrennungen, Stromverletzungen) gehören zu dieser Kategorie, genauso wie chemische Schädigungen durch Verätzung mit Laugen und Säuren sowie durch Strahlen hervorgerufene Läsionen.
Kleines Einmaleins der Wundheilung
Die Wundheilung ist ein hochkomplexer Prozess, der in vielen parallelen Schritten abläuft. Sie wird üblicherweise in drei Phasen eingeteilt: Reinigungs- und Entzündungsphase, Granulationsphase sowie Epithelisierungsphase.
Reinigungs- und Entzündungsphase: Das Fundament für die gewebeaufbauenden Vorgänge wird in dieser Phase gelegt. Direkt nach einer Verletzung hat die Blutstillung oberste Priorität. Darum ziehen sich zuerst die Blutgefäße zusammen. Durch die Aneinanderlagerung der Blutplättchen (Thrombozytenaggregation) und Pfropfbildung entsteht ein provisorischer Gefäßverschluss. Währenddessen wird das Gerinnungssystem aktiviert und bildet ein Fibrinnetz, das den provisorischen Wundpropf verdichtet. Es schützt vor weiteren Blutverlusten sowie bakterieller Verunreinigung und dient als Gerüst für die spätere Gewebeneubildung.
Iris Priebe
Diesen Artikel finden Sie in DAS PTA MAGAZIN 01/2010 auf Seite 24 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
