Arteriosklerose: Die tickende Bombe
Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehören zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland. Hauptverantwortlich für deren Pathophysiologie ist die Arteriosklerose, deren Entstehen und Fortschreiten von einer Vielzahl an Risikofaktoren bestimmt wird. Je mehr davon vorliegen, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens eine lebensbedrohliche Durchblutungsstörung zu erleiden.
Die Arteriosklerose (Atherosklerose), schlicht Gefäßverkalkung genannt, ist eine chronisch fortschreitende Erkrankung der Arterien. Sie ist hauptverantwortlich für schwere, teilweise tödlich verlaufende, Herz-Kreislauf-Erkrankungen: die periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK), die koronare Herzkrankheit (KHK), den Herzinfarkt, die Herzinsuffizienz und den Schlaganfall. Das Arterioskleroserisiko steigt um ein Vielfaches, wenn mehrere der unten genannten Risikofaktoren zusammentreffen: erst recht, wenn eine erbliche Veranlagung vorliegt.
Herz-Kreislauf-System
Durch rhythmisches Zusammenziehen (Systole) und Erschlaffen (Diastole) hält der etwa faustgroße Herzmuskel den Blutkreislauf des gesamten Körpers aufrecht. Die linke Herzhälfte pumpt „frisches“ sauerstoffreiches Blut in die Hauptschlagader (Aorta) und über die Arterien zu den Organen und Geweben. Das dort entstehende „verbrauchte“ kohlendioxidreiche Blut gelangt über die Venen zum Herzen zurück in die rechte Herzhälfte. Diese pumpt das Blut in den Lungenkreislauf zwecks Gasaustausches in den Lungenbläschen (Alveolen).
Aus der Lunge erhält das Herz sauerstoffreiches Blut zurück, und der Blutkreislauf beginnt von vorn. Auch der Herzmuskel benötigt für seine Funktionen sauerstoff- und nährstoffreiches Blut. Dieses erhält er über die Herzkranzgefäße (Koronararterien).
Ein schleichender Prozess
Die Arteriosklerose entwickelt sich allmählich und verursacht über lange Zeit keine Beschwerden. Sie ist eine ganz normale Alterserscheinung, deren Entstehen und Fortschreiten durch eine Vielzahl von äußeren und inneren Faktoren beschleunigt wird. Zu diesen gehören neben einer erblichen Veranlagung bestimmte Grunderkrankungen – allen voran das metabolische Syndrom – sowie eine ungesunde Lebensweise.
Zur Pathophysiologie der Arteriosklerose existieren verschiedene Theorien. Einigkeit besteht darin, dass es sich um ein komplexes Geschehen handelt, das stark vereinfacht wie folgt beschrieben werden kann: An und in den Gefäßwänden lagern sich Blutplättchen (Thrombozyten), Blutfette (vor allem LDL-Cholesterin) und andere feste Blutbestandteile (z. B. Eiweiße) ab. Dadurch verdicken und verhärten sich die Gefäßwände zunehmend; ihr Gefäßdurchmesser wird immer kleiner und der Blutfluss immer schwächer.
In den betroffenen Geweben und Organen führen die Durchblutungsstörungen zu einem dauerhaften Sauerstoff- und Nährstoffmangel, der deren Funktionsfähigkeit einschränkt. Schlimmstenfalls kommt es zu einem plötzlichen, kompletten Gefäßverschluss mit dramatischen Folgen wie einem Schlaganfall oder einem Herzinfarkt.
Risikofaktor: ungesunde Lebensweise
Viele Faktoren, die den Arterien und somit einer guten Durchblutung nachweislich schaden, resultieren aus den modernen Lebensgewohnheiten. Zur langen Liste gehören emotionaler Stress, eine fett- und cholesterinreiche Ernährung, Bewegungsmangel, übermäßiger Alkoholkonsum sowie Rauchen.
Nikotin ist eines der wichtigsten Gefäßgifte, was allein der Begriff „Raucherbein“ ausdrückt. Die Inhaltsstoffe des Tabakrauches schädigen die Arterien, besonders die des Hirns, der Beine und des Herzens. Jeder Zug an der Zigarette verengt die Blutgefäße, erhöht den Blutdruck und lässt das Herz schneller schlagen.
Darüber hinaus sorgt Rauchen, wie beispielsweise auch viele Umweltgifte, für oxidativen Stress (bedingt durch freie Radikale), der bei der Pathophysiologie der Arteriosklerose eine wichtige Rolle spielt. Selbst das Passivrauchen birgt Risiken: Nichtraucher, die mit einem Raucher zusammenleben, haben ein um 30 Prozent erhöhtes Risiko, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu entwickeln.
Risikofaktor: Übergewicht
Die Beurteilung des Körpergewichts erfolgt anhand des Body- Mass-Index: dem Quotienten aus dem Körpergewicht und der Körpergröße zum Quadrat (BMI = kg/m2). Bei einem BMI über 25 liegt Übergewicht vor und bei einem BMI über 30 Adipositas (Fettsucht). Nennenswert ist hierbei, dass Fettansammlungen am Bauch („Apfeltyp“) ein deutlich höheres Arterioskleroserisiko beinhalten als solche an Hüfte und Oberschenkeln („Birnentyp“).
Das Bauchfett, in der Fachsprache viszerales oder abdominelles Fett genannt, gilt als besonders kritisch, weil es für den Stoffwechsel schädliche Substanzen produziert und ins Blut abgibt. Laut einer Studie an 170 000 Personen in 63 Ländern steigt die Wahrscheinlichkeit für eine kardiovaskuläre Erkrankung von 21 auf 40 Prozent, wenn sich der Taillenumfang um circa 14 Zentimeter erhöht.
Eine andere Studie an zwölfjährigen Kindern hat gezeigt, dass bei Adipositas auch schon in dieser Altersgruppe erhebliche Gefäßschäden nachweisbar sind. Und: Je mehr Körpermasse das Herz mit Blut versorgen muss, desto stärker hat es zu arbeiten.
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Dr. Ute Koch
Diesen Artikel finden Sie in DAS PTA MAGAZIN 01/2010 auf Seite 10 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
