Kinderkrankheiten – Der Nachwuchs brütet etwas aus

Klassische Kinderkrankheiten werden überwiegend von Viren, seltener von Bakterien hervorgerufen und hinterlassen bei den Betroffenen in der Regel eine lebenslange Immunität. Darüber hinaus gibt es typische Infektionen, an denen Kinder häufig erkranken, ohne dass sich ein immunologisches Gedächtnis ausbildet. Unser Artikel behandelt beide Arten der in jedem Fall ernstzunehmenden Beschwerden.

© tabato / imagesource.com

Dank der Impferfolge der letzten Jahrzehnte haben viele klassische Kinderkrankheiten ihren Schrecken verloren. Da nicht für alle ausreichende Therapiemöglichkeiten existieren, bei vielen hohe Komplikationsraten bestehen oder bleibende Gesundheitsschäden auftreten können, sind Impfungen weiterhin die wichtigsten präventiven Maßnahmen.

In Deutschland besteht keine Impfpflicht, so dass jeder einzelne für sich bzw. sein Kind über die Durchführung einer Impfung entscheiden muss. Im Folgenden werden zunächst die häufigsten kindlichen Atemwegsinfektionen nach ihren charakteristischen Symptomen geordnet vorgestellt. Im Anschluss folgen die Erkrankungen, die im Impfkalender aufgelistet sind.

Geschwollene Schleimhäute
Kinder leiden prinzipiell häufig an Atemwegsinfektionen. So ist in den ersten Lebensjahren eine akute Rhinitis (Schnupfen) weit verbreitet. Da Säuglinge mit einer verstopften Nase nicht gleichzeitig atmen und trinken können, ist die (altersgerechte) Anwendung von Sympathomimetika wie Oxymetazolin oder Xylometazolin zum Abschwellen der Nasenschleimhäute empfehlenswert. Aus einer Rhinitis kann sich bei Kindern auch eine akute Sinusitis (Entzündung der Nasennebenhöhlen) entwickeln, die zumeist viral bedingt ist. Eine Siebbeinentzündung ist schon bei den ganz Kleinen möglich, Entzündungen der Keilbein- oder Stirnhöhle gibt es entwicklungsgemäß erst bei Kindern im Schulalter.

Eine abschwellende Therapie ist zur Wiederherstellung der Ventilation und Drainage der Nasennebenhöhlen essenziell. Daneben sorgen eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und die Gabe von Sekretolytika wie beispielsweise Acetylcystein Ambroxol oder Efeuextrakt für ein besseres Abließen des Schleims.

Anzeige

In jungen Jahren ist häufig das Mittelohr infiziert. Aufgrund der besonderen anatomischen Verhältnisse leiden zwei Drittel aller Kinder bis zum dritten Lebensjahr mindestens einmal an einer akuten Otitis media (Mittelohrentzündung). Keime aus dem Nasen-Rachen-Raum können über die in diesem Alter noch sehr kurze und weite Ohrtrompete (Eustachische Röhre; Gang, der Mittelohr und Rachen miteinander verbindet) in das Mittelohr aufsteigen. Dabei führen Viren und Bakterien gleichermaßen zum Anschwellen der Schleimhaut: Die Ohrtrompete wird schnell verschlossen, und die eingedrungenen Erreger können sich hinter dem Trommelfell ungehindert vermehren.

Dieser „Tubenkatarrh“ genannte Prozess kann sehr schmerzhaft sein und das Hören beinträchtigen. Allgemeine Krankheitszeichen wie Fieber, Unruhe, aber auch Weinen begleiten meist die Ohrenschmerzen. Außerdem können Übelkeit, Erbrechen und Durchfall auftreten. Bei Säuglingen fällt das schlechte Trinkverhalten auf. Kleine Kinder, die noch nicht sagen können, wo es weh tut, fassen sich oft ans Ohr.

Für gute Belüftung sorgen
Bei Verdacht auf eine akute Mittelohrentzündung sollte immer ein Arzt ins Ohr schauen. Er kann eingedrungene Fremdkörper als Verursacher ausschließen, die Funktionstüchtigkeit des Trommelfells begutachten und über eine eventuell notwendige Antibiotikagabe entscheiden. Antibakterielle Wirkstoffe werden heute sehr zurückhaltend verordnet, da eine hohe Selbstheilungsquote besteht.

Liegen keine Risikofaktoren vor (z. B. Immunsuppression, drohende Ausbreitung der Entzündung über das Mittelohr hinaus), werden Kinder mit einer akuten Otitis media meistens nach dem Prinzip des „vorsichtigen Abwartens“ therapiert. Das heißt, die Patienten werden engmaschig nach 24, 48 und 72 Stunden vom Arzt untersucht. Tritt keine Besserung ein oder verschlechtert sich der Zustand, werden Antibiotika notwendig.

Amoxicillin ist Mittel der Wahl, Makrolide wie Erythromycin oder Azithromycin werden bei Penicillinallergien eingesetzt, Cephalosporine gelten als Reservemittel. Abschwellende Nasentropfen oder -sprays sorgen für eine Belüftung des Mittelohrs, so dass Sekret abfließen kann. Darüber hinaus ist eine Schmerzlinderung mit Paracetamol oder Ibuprofen sinnvoll.

Mit einer Impfung können lediglich durch Pneumokokken ausgelöste Otitiden reduziert werden. Diese bekapselten Kugelbakterien sind zwar die häufigsten Erreger der bakteriellen Mittelohrentzündung. Sie verursachen die schwersten Symptome, sind insbesondere für die nicht spontan abheilenden Fälle verantwortlich und können zu schweren Komplikationen (z. B. Meningitis) führen. Aber virale oder durch andere Bakterien ausgelöste Otitiden verhindert eine Pneumokokken-Impfung nicht.

Schwere Atemnot

Eine weitere typische Atemwegsinfektion im Säuglings- und Kleinkindalter ohne Impfmöglichkeit ist der Pseudokrupp. Dabei kommt es durch eine entzündliche Schleimhautschwellung unterhalb des Kehldeckels zu starken Atembeschwerden, die von einem plötzlich auftretenden bellenden Husten, Heiserkeit sowie einer pfeifenden Einatmung (inspiratorischer Stridor) begleitet werden. Da die Auslöser meist Viren sind, werden keine Antibiotika eingesetzt. Hingegen werden im akuten Zustand hoch dosierte Prednisonzäpfchen notwendig, um die entzündliche Schwellung und somit die Atemnot zu beseitigen.

Außerdem sollte das Kind während eines Pseudokruppanfalls zur Beruhigung auf den Arm genommen werden. Unterstützend kann man es am offenen Fenster frische Luft einatmen lassen. Erleichterung bringt zudem feuchtwarmer Wasserdampf.

Beim „echten“ Krupp handelt es sich um Diphterie. Diese ist heute in Deutschland kaum noch bekannt, denn es wird dagegen erfolgreich geimpft. Die durch das Corynebacterium diphteriae ausgelöste Entzündung der Schleimhäute im Nasen- und Rachenraum ist wegen ihrer schweren Krankheitsverläufe und Komplikationen gefürchtet. So können die Bakterien und von ihnen produzierte, gewebeschädigende Zellgifte (Toxine) nicht nur Atemnot oder Erstickungsanfälle mit bellendem Husten hervorrufen. Möglich ist auch eine Herzmuskelentzündung mit schweren Herzrhythmusstörungen und Herzrasen. Noch Wochen nach der Erkrankung kann es zum plötzlichen Herzstillstand kommen.

Erstickungsanfälle kann auch eine durch Haemophilus influenzae Typ b (Hib) verschuldete Kehldeckelentzündung verursachen. Das Bakterium war vor Einführung der Impfung der häufigste Erreger der bakteriellen Meningitis (Hirnhautentzündung), einer schwerwiegenden Erkrankung, die trotz Antibiose zu Hörschäden oder geistigen Behinderungen führte.

Starke Halsschmerzen
Bei anderen häufigen Atemwegsinfektionen im Kindesalter, gegen die nicht geimpft werden kann, kommt es zu einer Pharyngitis (Entzündung im Rachenraum), bei der Symptome wie Schluckbeschwerden und Schmerzen im Rachenraum im Vordergrund stehen.

Die infektiöse Mononucleose (Pfeiffer´sches Drüsenfieber) ist eine durch das Epstein-Barr-Virus verursachte Rachenentzündung, die vorwiegend ältere Kinder und Jugendliche trifft. Es kommt zu einer starken Schwellung der Lymphknoten im Halsbereich, und die Patienten fühlen sich meist schwer krank. Die Infektion kann sich über Wochen hinziehen, da nur eine symptomatische Behandlung mit desinfizierenden Lutschtabletten, Analgetika oder Halswickel möglich ist.

Eine symptomatische Linderung steht zudem bei einer viral bedingten Tonsillitis (Mandelentzündung) im Vordergrund, bei der die Gaumenmandeln (Tonsillen) gerötet und geschwollen sind. Sie wird auch als nicht eitrige Angina bezeichnet, da sie ohne Eiterbildung verläuft.

Sind die Tonsillen mit gelblichen Eiterstippchen überzogen, können sich Bakterien auf der Rachenschleimhaut angesiedelt haben. Oft handelt es sich dabei um betahämolysierende Streptokokken der Gruppe A, die eine solche Streptokokken-Angina verursachen. Typisch ist ein plötzlicher Beginn mit hohem Fieber sowie geschwollene Halslymphknoten und ein starkes Krankheitsgefühl. Viele Kinder klagen zudem über Bauchschmerzen und Erbrechen. Lediglich eine ärztliche Untersuchung des Rachenabstriches gibt zuverlässig darüber Auskunft, ob Streptokokken für die Beschwerden verantwortlich sind.

Exkurs Scharlach
Manchmal kommt zu den Symptomen einer Angina noch zwölf bis 48 Stunden später ein nicht juckendes Exanthem hinzu. Wenn dieser rote Ausschlag auftritt, heißt die Erkrankung Scarlatina (Scharlach). Er beginnt in den Beugefalten der Achsel und Leisten und breitet sich über den gesamten Körper aus. Durch kleine, dicht stehende, rote Pünktchen fühlt sich die Haut samtig an. Charakteristischerweise bleibt ein blasses Munddreieck frei (Milchbart).

Die anfangs gelb-weißlich belegte Zunge färbt sich am dritten oder vierten Krankheitstag flammend rot und zeigt verdickte Zungenknospen (Himbeerzunge). Ab dem siebten Tag kommt es häufig zur Hautschuppung an Gesicht und Rumpf, später dann an Händen und Füßen.

Vermeidung von Spätkomplikationen
Zur Vermeidung von schwerwiegenden Folgeerkrankungen wie Gelenk-, Nieren- oder Herzmuskelentzündungen mit sich später einstellenden Herzklappenfehlern müssen sowohl eine Streptokokken-Angina als auch Scharlach antibiotisch behandelt werden. Grundlage für die Spätkomplikationen ist eine Autoimmunreaktion, bei der die gegen Streptokokkentoxine gebildeten Antikörper körpereigenes Gewebe angreifen.

In der Regel wird zehn Tage lang Penicillin verabreicht; neuere Therapievorschläge sehen auch kürzere Behandlungszeiten von fünf Tagen mit Cephalosporinen oder Makroliden vor. Da eine einmal durchgemachte Streptokokkeninfektion keine lebenslange Immunität hinterlässt, ist ein mehrmaliges Auftreten nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Jugendlichen und Erwachsenen möglich. Eine Impfung gibt es nicht.

Weitere rote Ausschläge
Auch gegen das Exanthema subitum (Dreitagefieber) kann nicht immunisiert werden. Es handelt sich um eine durch das humane Herpes-Virus Typ 6 verursachte Virusinfektion, die besonders häufig im frühen Kindesalter auftritt. Die Erkrankung beginnt mit plötzlich einsetzendem hohen Fieber von 39 bis 40 Grad Celsius, was drei bis vier Tage lang anhält. Danach erscheint ein kleinfleckiger, blassroter Hautausschlag, der den ganzen Körper überzieht und nach ein bis zwei Tagen wieder verschwindet.

Als seltene Komplikation kann es zu Fieberkrämpfen kommen. Die einzige therapeutische Maßnahme besteht in der symptomatischen Linderung des Fiebers. Insbesondere bei der Neigung zu Fieberkrämpfen empfehlen Kinderärzte frühzeitig (ab 38 °C) Paracetamol oder Ibuprofen zur Fiebersenkung zu verabreichen.

Ebenso ist das Erythema infectiosum (Ringelröteln) durch einen typischen Hautausschlag gekennzeichnet. Dieser hinterlässt zunächst eine schmetterlingsförmige Rötung von Wangen und Nasenwurzel und verläuft anschließend girlandenförmig an den Streckseiten von Armen und Beinen und später am Rumpf. Leichtes Fieber kann auftreten. Verursacher ist das humane Parvovirus B 19. Meistens kommt es zu keiner wesentlichen Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens, so dass auch keine weitere Behandlung notwendig ist.

Embryopathie gefürchtet
Gefürchtet ist in erster Linie eine Schädigung des Ungeborenen bei Infektion der Mutter in der Schwangerschaft (Embryopathie). Erkrankt eine Schwangere an Ringelröteln, kann das ungeborene Kind eine schwere Blutarmut und Wasseransammlungen im Körper entwickeln, welche aber schon im Mutterleib mit Blutübertragungen therapiert werden können. Eine Impfung gegen die Erkrankung existiert nicht.

Hingegen kann vor einer Embryopathie bei Rubella (Röteln) und Varizellen (Windpocken) mit entsprechenden Impfungen geschützt werden. Zwar verlaufen Röteln beim betroffenen Patienten selber meist unkompliziert. Der typische rote Ausschlag am Rumpf ist nur kurz zu beobachten und bedarf keiner weiteren Therapie. Leichtes Fieber kann mit Antipyretika und eine eventuelle auftretende Bindehautentzündung mit entzündungshemmenden Augentropfen behandelt werden.

Röteln sind aber sehr gefürchtet, weil eine Infektion der nicht immunen Schwangeren mit dem Röteln-Virus zu gravierenden Gesundheitsschäden beim Ungeborenen führen kann. Ebenso kann das die Windpocken-auslösende Varicella-Zoster-Virus schwere Missbildungen beim Embryo oder Feten bewirken. Zudem besteht Lebensgefahr für ein Neugeborenes, wenn es sich unter der Geburt mit Varizellen ansteckt.

Windpocken sind sehr infektiös. Die Viren werden mittels Tröpfcheninfektion, seltener auch durch den Kontakt mit dem Bläscheninhalt, übertragen. Nach einem erkältungsähnlichen Vorstadium zeigt sich ein stark juckender Hautausschlag, wobei rote Flecken, Bläschen und Krusten nebeneinander als „Sternenhimmel“ zu sehen sind. Zinkhaltige Lotionen, Antihistaminika wie Dimetinden und Analgetika lindern Juckreiz, Schmerz und eventuell bestehendes Fieber.

Die STIKO empfiehlt, gegen Windpocken zu impfen, da die Krankheit mit einer hohen Komplikationsrate (z. B. Enzephalitis, Meningitis, bakterielle Superinfektionen) behaftet sind. Besonders gefährlich können die Viren für immunschwache Patienten werden.

Auch nicht ungefährlich
Ebenso existiert eine Impfempfehlung gegen Parotitis epidemica (Mumps), eine schmerzhafte Entzündung der Ohrspeicheldrüsen, da auch sie schwere Komplikationen zur Folge haben kann. Neben einer Meningitis ist besonders die Entzündung der Keimdrüsen ab der Pubertät gefürchtet, die in schweren Fällen zur Sterilität führt.

Geimpft werden sollte ebenfalls gegen Morbilli (Masern). Die hoch ansteckende Kinderkrankheit beginnt mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Husten und Schnupfen. Zudem ist sie durch eine Bindehautentzündung und einen charakteristischen, leicht erhabenen roten Hautausschlag gekennzeichnet.

Eine schwere Komplikation ist die Enzephalitis. Da es sich wie bei Mumps um eine Viruserkrankung handelt, können auch die Masern nur symptomatisch behandelt werden. Wochenlange quälende hustenanfälle

Eine der langwierigsten Infektionskrankheiten bei Kindern, die besonders für Neugeborene und Säuglinge bedrohlich werden kann, ist Pertussis (Keuchhusten). Er wird durch Tröpfcheninfektion mit dem Bordetella pertussis-Bakterium hervorgerufen. Das Bakterium bildet Toxine, welche die Schleimhäute der Atemwege schädigen und lokale Entzündungsreaktionen auslösen.

Nach einer symptomfreien Inkubationszeit beginnt die Infektion mit den untypischen Krankheitszeichen einer banalen Erkältung. In diesem Stadium (Stadium catarrhale) wird der Husten selten als Keuchhusten erkannt, allerdings besteht gerade in dieser Zeit die höchste Ansteckungsfähigkeit. Zwei Wochen später folgt das zweite Stadium (Stadium convulsivum) mit typischen stakkatoartigen Hustenanfällen: Besonders in der Nacht machen sich diese bemerkbar durch krampfartige Hustenstöße mit Atemnot, ein hörbares Einziehen der Luft und Auswurf von zähem Schleim.

Solche Anfälle sind besonders für die ganz Kleinen lebensgefährlich, da in den ersten Lebensmonaten die Gefahr von Hirnschädigungen durch Sauerstoffmangel besteht. Bei größeren Kindern kommen Komplikationen wie Pneumonien (Lungenentzündung), Bronchitiden (Entzündung der Bronchien) und Otitis media häufig vor. Nach fünf bis sechs Wochen ist das dritte Stadium (Stadium decrementi) erreicht, und die Hustenattacken nehmen langsam ab.

Möglichst früh immunisieren
Wegen der besonderen Gefährdung in der frühen Kindheit empfiehlt die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut (STIKO) generell, Impfungen zum frühstmöglichen Zeitpunkt durchzuführen und die Grundimmunsierung in der Regel spätestens bis zum Alter von 14 Monaten zu vollenden. So wird die erste Impfung gegen Tetanus, Diphterie, Pertussis, Haemophilus influenzae Typ b (Hib), Poliomyelitis, Hepatitis B und Pneumokokken ab acht Wochen empfohlen.

Gegen die ersten sechs Infektionen wird eine Kombinationsimpfung angeraten, um die Zahl der Injektionen zu minimieren. Der erste Piks gegen Masern, Mumps, Röteln (MMR) und Varizellen kann in der Regel erst im Alter von elf bis 14 Monaten erfolgen. Vorher ist eine Impfung wegen eines mütterlichen Nestschutzes nicht möglich, denn die in den ersten Lebensmonaten vorhandenen maternalen Antikörper können die Impfviren unwirksam machen. Auch hier existiert eine drei- oder vierfache Kombinationsimpfung (MMR- oder MMR-Varizellen-Impfung).

Eine zweite Impfung sollte bis zum Ende des zweiten Lebensjahres erfolgt sein, um bald einen Impfschutz zu erreichen. Eine Impfung gegen die Meningokokken Typ C, welche für schwere Meningitiden verantwortlich sind, ist ab zwei Monaten möglich und wird als Standardimpfung für alle Kinder ab einem Jahr von der STIKO empfohlen. Spätestens vor dem Schuleintritt sollten die Kinder schließlich vollständig nach den STIKO-Empfehlungen immunisiert sein.

Immer wieder auffrischen
Versäumte Impfungen rät die STIKO, bis zum 18. Lebensjahr nachzuholen, um Erkrankungen im Jugend- und Erwachsenenalter zu vermeiden, da sich bei ihnen die Komplikationen häufen. So bestehen beispielsweise bei der Impfung gegen Meningokokken große Impflücken, da die allgemeine Impfempfehlung erst im Jahre 2006 ausgesprochen wurde. Eine Impfung ist auch noch für Jugendliche sinnvoll, da ein zweiter Erkrankungsgipfel im Alter zwischen 15 und 19 Jahren besteht.

Wichtig ist zudem, notwendige Auffrischimpfungen bei Jugendlichen und Erwachsenen nicht zu vergessen, damit der Immunschutz noch im höheren Lebensalter vorhanden ist. So besteht beispielsweise weder nach durchgemachter Keuchhustenerkrankung noch nach erfolgter Pertussis-Impfung eine lebenslange Immunität.

Wegen der in den letzten Jahren bei Jugendlichen über 15 Jahren und im Erwachsenenalter gehäuft aufgetretenen Keuchhustenfälle sollten nicht nur Kinder und Jugendliche ihre Impfung auffrischen. Auch Erwachsenen wird nach den aktuellen Impfempfehlungen der STIKO geraten, einmalig ihre Auffrischimpfung gegen Tetanus und Diphterie mit einer Impfung gegen die hoch ansteckende Atemwegsinfektion zu ergänzen.

Insbesondere sollten Schwangere und Kontaktpersonen von Neugeborenen und Säuglingen ihren Immunschutz gegen Pertussis komplettieren, um die Kleinen, die gegen Keuchhusten keinen Nestschutz besitzen, nicht anzustecken.

Gegen Poliomyelitis (Polio, Kinderlähmung), einer Infektion des Zentralnervensystems, die wegen einer Zerstörung von Nervenzellen im Rückenmark und Hirnstamm zur Lähmung der Muskulatur führt, wird heute keine routinemäßige Auffrischimpfung mehr empfohlen. Erwachsene, bei denen vier Impfungen im Kindes- und Jugendalter dokumentiert sind, gelten als vollständig immunisiert. Nur bei erhöhtem Infektionsrisiko wie Reisen in Polioendemiegebiete sollte eine Auffrischung erfolgen.

Mit einer Antibiotikagabe (Makrolide über 14 Tage) kann der Krankheitsverlauf im Anfangsstadium verkürzt und gemildert werden. Bei einem späteren Einsatz haben sich die Toxine schon in den Zellen festgesetzt und unterhalten das Krankheitsgeschehen. Dennoch ist diese Medikation auch dann noch sinnvoll, weil damit die Ansteckungsfähigkeit beseitigt und die Komplikationsrate verringert wird. Antitussiva helfen nicht, aber eine Impfung ist möglich.

Gode Meyer-Chlond

Diesen Artikel finden Sie in DAS PTA MAGAZIN 03/2010 auf Seite 10 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

Inhalte durchsuchen

Titelseite

Mehr zum Thema

Diesen Artikel finden Sie in DAS PTA MAGAZIN 03/2010 auf Seite 10 ff.

Blättern: Seite 6-8  –  Seite 22-24

Online-Fortbildung zum Thema

Artikel-Downloads

Premium-Login

Im Premium-Bereich gelangen Sie zu den Fortbildungen und Ihren Zertifikaten.
Abonnenten haben zusätzlich Zugriff auf sämtliche Heftinhalte.

Newsletter

Mit unserem Newsletter erhalten Sie Fachinformationen künftig frei Haus – wöchentlich und kostenlos.

Jobs für PTA und Apotheker

Den Stellenmarkt für PTA und Apotheker gibt es ab sofort auf jobcenter-medizin.de.