Kinderkrankheiten – Der Nachwuchs brütet etwas aus

Schwere Atemnot

Eine weitere typische Atemwegsinfektion im Säuglings- und Kleinkindalter ohne Impfmöglichkeit ist der Pseudokrupp. Dabei kommt es durch eine entzündliche Schleimhautschwellung unterhalb des Kehldeckels zu starken Atembeschwerden, die von einem plötzlich auftretenden bellenden Husten, Heiserkeit sowie einer pfeifenden Einatmung (inspiratorischer Stridor) begleitet werden. Da die Auslöser meist Viren sind, werden keine Antibiotika eingesetzt. Hingegen werden im akuten Zustand hoch dosierte Prednisonzäpfchen notwendig, um die entzündliche Schwellung und somit die Atemnot zu beseitigen.

Außerdem sollte das Kind während eines Pseudokruppanfalls zur Beruhigung auf den Arm genommen werden. Unterstützend kann man es am offenen Fenster frische Luft einatmen lassen. Erleichterung bringt zudem feuchtwarmer Wasserdampf.

Beim „echten“ Krupp handelt es sich um Diphterie. Diese ist heute in Deutschland kaum noch bekannt, denn es wird dagegen erfolgreich geimpft. Die durch das Corynebacterium diphteriae ausgelöste Entzündung der Schleimhäute im Nasen- und Rachenraum ist wegen ihrer schweren Krankheitsverläufe und Komplikationen gefürchtet. So können die Bakterien und von ihnen produzierte, gewebeschädigende Zellgifte (Toxine) nicht nur Atemnot oder Erstickungsanfälle mit bellendem Husten hervorrufen. Möglich ist auch eine Herzmuskelentzündung mit schweren Herzrhythmusstörungen und Herzrasen. Noch Wochen nach der Erkrankung kann es zum plötzlichen Herzstillstand kommen.

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Erstickungsanfälle kann auch eine durch Haemophilus influenzae Typ b (Hib) verschuldete Kehldeckelentzündung verursachen. Das Bakterium war vor Einführung der Impfung der häufigste Erreger der bakteriellen Meningitis (Hirnhautentzündung), einer schwerwiegenden Erkrankung, die trotz Antibiose zu Hörschäden oder geistigen Behinderungen führte.

Starke Halsschmerzen
Bei anderen häufigen Atemwegsinfektionen im Kindesalter, gegen die nicht geimpft werden kann, kommt es zu einer Pharyngitis (Entzündung im Rachenraum), bei der Symptome wie Schluckbeschwerden und Schmerzen im Rachenraum im Vordergrund stehen.

Die infektiöse Mononucleose (Pfeiffer´sches Drüsenfieber) ist eine durch das Epstein-Barr-Virus verursachte Rachenentzündung, die vorwiegend ältere Kinder und Jugendliche trifft. Es kommt zu einer starken Schwellung der Lymphknoten im Halsbereich, und die Patienten fühlen sich meist schwer krank. Die Infektion kann sich über Wochen hinziehen, da nur eine symptomatische Behandlung mit desinfizierenden Lutschtabletten, Analgetika oder Halswickel möglich ist.

Eine symptomatische Linderung steht zudem bei einer viral bedingten Tonsillitis (Mandelentzündung) im Vordergrund, bei der die Gaumenmandeln (Tonsillen) gerötet und geschwollen sind. Sie wird auch als nicht eitrige Angina bezeichnet, da sie ohne Eiterbildung verläuft.

Sind die Tonsillen mit gelblichen Eiterstippchen überzogen, können sich Bakterien auf der Rachenschleimhaut angesiedelt haben. Oft handelt es sich dabei um betahämolysierende Streptokokken der Gruppe A, die eine solche Streptokokken-Angina verursachen. Typisch ist ein plötzlicher Beginn mit hohem Fieber sowie geschwollene Halslymphknoten und ein starkes Krankheitsgefühl. Viele Kinder klagen zudem über Bauchschmerzen und Erbrechen. Lediglich eine ärztliche Untersuchung des Rachenabstriches gibt zuverlässig darüber Auskunft, ob Streptokokken für die Beschwerden verantwortlich sind.

Exkurs Scharlach
Manchmal kommt zu den Symptomen einer Angina noch zwölf bis 48 Stunden später ein nicht juckendes Exanthem hinzu. Wenn dieser rote Ausschlag auftritt, heißt die Erkrankung Scarlatina (Scharlach). Er beginnt in den Beugefalten der Achsel und Leisten und breitet sich über den gesamten Körper aus. Durch kleine, dicht stehende, rote Pünktchen fühlt sich die Haut samtig an. Charakteristischerweise bleibt ein blasses Munddreieck frei (Milchbart).

Die anfangs gelb-weißlich belegte Zunge färbt sich am dritten oder vierten Krankheitstag flammend rot und zeigt verdickte Zungenknospen (Himbeerzunge). Ab dem siebten Tag kommt es häufig zur Hautschuppung an Gesicht und Rumpf, später dann an Händen und Füßen.

Vermeidung von Spätkomplikationen
Zur Vermeidung von schwerwiegenden Folgeerkrankungen wie Gelenk-, Nieren- oder Herzmuskelentzündungen mit sich später einstellenden Herzklappenfehlern müssen sowohl eine Streptokokken-Angina als auch Scharlach antibiotisch behandelt werden. Grundlage für die Spätkomplikationen ist eine Autoimmunreaktion, bei der die gegen Streptokokkentoxine gebildeten Antikörper körpereigenes Gewebe angreifen.

In der Regel wird zehn Tage lang Penicillin verabreicht; neuere Therapievorschläge sehen auch kürzere Behandlungszeiten von fünf Tagen mit Cephalosporinen oder Makroliden vor. Da eine einmal durchgemachte Streptokokkeninfektion keine lebenslange Immunität hinterlässt, ist ein mehrmaliges Auftreten nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Jugendlichen und Erwachsenen möglich. Eine Impfung gibt es nicht.

Weitere rote Ausschläge
Auch gegen das Exanthema subitum (Dreitagefieber) kann nicht immunisiert werden. Es handelt sich um eine durch das humane Herpes-Virus Typ 6 verursachte Virusinfektion, die besonders häufig im frühen Kindesalter auftritt. Die Erkrankung beginnt mit plötzlich einsetzendem hohen Fieber von 39 bis 40 Grad Celsius, was drei bis vier Tage lang anhält. Danach erscheint ein kleinfleckiger, blassroter Hautausschlag, der den ganzen Körper überzieht und nach ein bis zwei Tagen wieder verschwindet.

Als seltene Komplikation kann es zu Fieberkrämpfen kommen. Die einzige therapeutische Maßnahme besteht in der symptomatischen Linderung des Fiebers. Insbesondere bei der Neigung zu Fieberkrämpfen empfehlen Kinderärzte frühzeitig (ab 38 °C) Paracetamol oder Ibuprofen zur Fiebersenkung zu verabreichen.

Ebenso ist das Erythema infectiosum (Ringelröteln) durch einen typischen Hautausschlag gekennzeichnet. Dieser hinterlässt zunächst eine schmetterlingsförmige Rötung von Wangen und Nasenwurzel und verläuft anschließend girlandenförmig an den Streckseiten von Armen und Beinen und später am Rumpf. Leichtes Fieber kann auftreten. Verursacher ist das humane Parvovirus B 19. Meistens kommt es zu keiner wesentlichen Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens, so dass auch keine weitere Behandlung notwendig ist.

Gode Meyer-Chlond

Diesen Artikel finden Sie in DAS PTA MAGAZIN 03/2010 auf Seite 10 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

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