Innovation: Ulipristalacetat - Die neue Generation der „Pille danach“
Wer ungeschützten Geschlechtsverkehr hatte und anschließend fürchtet, schwanger zu sein, kann mit dem selektiven Progesteronrezeptormodulator ellaOne® (Ulipristalacetat) noch fünf Tage danach gegensteuern. Das sind zwei Tage länger, als es mit anderen Notfallkontrazeptiva möglich ist, berichtete der Hersteller HRA Pharma kürzlich auf einer Veranstaltung.
Für Mädchen und junge Frauen ist Verhütung ein wichtiges Thema. Umfragen zeigen, dass unter Jugendlichen offen mit dem Thema Sexualität umgegangen wird. Dennoch ist das Wissen oft sehr oberflächlich, bemerkte die Gynäkologin Dr. Ina Ilkhanipur aus Gernsbach.
So hielten fast ein Drittel der 14- bis 17-Jährigen die „Pille danach“ für ein normales Verhütungsmittel und gut 20 Prozent den Koitus interruptus für eine sichere Methode der Empfängnisverhütung. Hinzu kommen Vorurteile wie „die Pille macht dickt, verursacht Krebs oder verhütet nicht sicher“.
Dieses falsche Wissen ist mitverantwortlich dafür, dass in Deutschland jährlich mindestens 10 000 Mädchen unter 18 Jahren schwanger werden, so Ilkhanipur. Wichtig sei daher eine umfassende und rechtzeitige Aufklärung, appellierte sie an Eltern, Lehrer sowie medizinisches und pharmazeutisches Fachpersonal.
Für den Notfall
Nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr oder nach dem Versagen anderer Verhütungsmethoden helfen Notfallkontrazeptiva, eine ungewollte Schwangerschaft zu vermeiden. Gängig ist die Gabe von Levonorgestrel in einer Dosierung von 1,5 Milligramm, das bis zu 72 Stunden nach dem ungeschützten Verkehr angewendet werden kann.
Weltweit verfügbar, aber „off label“ genutzt, werden zudem eine Östrogen-Gestagen-Kombination (Ethinylestradiol mit Levonorgestrel), Intrauterinsysteme mit Kupfer oder Levonorgestrel sowie das nur in den USA verfügbare Antigestagen RU 486 (Mifepriston).
Seit Oktober des vergangenen Jahr ergänzt Ulipristalacetat (ellaOne®) auf dem europäischen Markt das Spektrum der Arzneimittel zur postkoitalen Kontrazeption. Darunter wird jede Art von Verhütungsmethode für die Frau verstanden, die nach dem Geschlechtsverkehr, aber vor dem möglichen Einnisten der Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut ihre Wirkung entfaltet.
Der Wirkstoff
Ulipristalacetat ist der nach Herstellerangaben erste, für die Notfallkontrazeption zugelassene, selektive Progesteronrezeptormodulator (SPRM). Die Substanz bindet an Progesteronrezptoren in verschiedenen Geweben des menschlichen Körpers, unter anderem im Reproduktionstrakt der Frau. Auf diese Weise verhindert sie, dass das körpereigene Sexualhormon Progesteron andocken und an den Eierstöcken seine Wirkung entfalten kann.
Kirsten Grashoff
Diesen Artikel finden Sie in DAS PTA MAGAZIN 03/2010 auf Seite 26 f. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
