Zecken auf Zack
Klein sind sie und manchmal gefährlich – die Zecken. Haben Spaziergänger im Winter ihre Ruhe vor ihnen, lauern sie im Frühjahr hinter jedem Grashalm. Höchste Zeit, sich mit den achtbeinigen Spinnentieren zu befassen. Denn sie laben sich nicht nur an menschlichem Adersaft, auch das Blut geliebter Vierbeiner löscht der Zecke Durst und macht sie so zu potenziell gefährdeten Gefährten.
Zecken gehören zu den viel diskutierten Themen. In den Medien werden einerseits Horror- und andererseits Hoffnungsszenarien gezeichnet, bedingt durch die Klimaerwärmung.
Eine These lautet, dass die zukünftig milderen Winter eine höhere Zeckenpopulation zur Folge haben sollen. Eine gegenteilige Meinung besagt, dass die warmen Winter eine Minderung der Population zur Folge hätten. Denn normalerweise verfallen Zecken bei niedrigen Temperaturen in einen Zustand, in dem ihr Metabolismus zu einem reversiblen Stillstand kommt (Cryptobiose); tun sie dies nicht, würden sie verhungern – und damit sterben.
Tatsächlich begünstigen sowohl warme Winter als auch feuchte Sommer die Zeckenpopulation. Fakt ist auch, dass es weltweit rund 850 verschiedene Arten gibt und dass sie zu ihrer Entwicklung das Blut eines Wirts benötigen. Dieser kann, je nach Zeckenart, ein Mensch oder ein Tier sein. Vor den meisten Zecken, zum Beispiel Schafs-, Tauben- oder Igelzecken, braucht sich der Mensch nicht zu fürchten.
Die für den Menschen gefährlichste Zecke ist der gemeine Holzbock (Gattung Ixodes, in Mitteleuropa Ixodes ricinus). Dieser ist auch in Deutschland weit verbreitet und überträgt zum Beispiel bakterielle Krankheitserreger wie Borrelien (Borrelia spec.) oder Rickettsien (Anaplasma phagozytophyllium) und Viren wie das FSME-Virus.
Zu den Tatsachen gehört aber auch, dass laut Robert-Koch-Institut (RKI) nur fünf bis 35 Prozent der Zecken mit Borrelien infiziert sind. Kein Grund also, bei einem Zeckenstich gleich in Panik zu verfallen! Bisher geht man in Deutschland von einer 1,5- bis 6,0-prozentigen Infektionsrate und einer 0,3- bis 1,4-prozentigen manifesten Erkrankungsrate aus. Die Gelegenheit, sich mit FSME zu infizieren, ist noch geringer, da die Verbreitung dieser Erkrankung örtlich begrenzt ist.
Dennoch sollte man die Gefahr, die vom FSME-Virus ausgeht, nicht leichtfertig abtun. Tatsache ist aber auch, dass, je nach der FSME-Durchseuchung der Zecken selbst die Ansteckungsgefahr nach einem Stich bei zwischen 1:10 000 und 1:300 beträgt. Die Sterberate liegt wiederum bei etwa 1 bis 40 Prozent.
Iris Priebe
Diesen Artikel finden Sie in DAS PTA MAGAZIN 03/2010 auf Seite 22 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
