Mobbing: Wenn aus Kollegen Feinde werden

Während wirtschaftlicher Krisen nehmen der Stress und auch der Konkurrenzkampf unter Mitarbeitern zu. Eine Folge davon kann Mobbing sein. Das betrifft nicht nur große Unternehmen mit sehr vielen Angestellten. Auch in kleineren Teams, wie sie für die meisten Apotheken üblich sind, ist Mobbing nicht ausgeschlossen. An welchen Anzeichen kann man es erkennen?

© Gernot Krautberger / fotolia.com

Die Gespräche der Kollegen verstummen, die Blicke senken sich, wenn die gemobbte Mitarbeiterin den Raum betritt. Ihr freundliches „guten Morgen“ bleibt ohne Antwort. Schnell wird die Arbeit zur Qual, wenn Kollegen sich abwenden, wenn man wie Luft behandelt wird, wenn der übliche Informationsfluss in der Apotheke an einem vorbeigeht. Manche Mobber gehen sogar noch weiter und schikanieren ihre Kollegen systematisch.

Regelmäßige Demütigungen Mobbing – der Begriff stammt aus dem Englischen: „to mob“ – heißt, jemanden anpöbeln bzw. angreifen. Doch Mobbing bezeichnet nicht jedes Fehlverhalten von Kollegen. Zu Konflikten und Streitereien, bei denen jemand ausfallend wird, kann es immer einmal kommen. Erst wenn Übergriffe regelmäßig stattfinden, spricht man von Mobbing.

Der Schwedische Forscher Heinz Leymann hat einen Fragebogen entwickelt, in dem 45 Mobbinghandlungen definiert sind, den LIPT-Fragebogen (Leymann Inventory of Psychological Terror). Nach Leymann gilt eine Person dann als gemobbt, wenn sie mindestens eine dieser Handlungen wöchentlich ertragen muss, und dies über einen längeren Zeitraum.

Die Mobbinghandlungen nach Leymann beziehen sich auf fünf verschiedene Bereiche des Arbeitsalltags: die Kommunikation, Angriffe auf soziale Beziehungen, Auswirkungen auf das soziale Ansehen, Angriffe auf die Qualität der Berufssituation und Angriffe auf die Gesundheit.

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So können Mitarbeiter gemobbt werden, indem man sie der Möglichkeiten beraubt zu kommunizieren – etwa indem man sie stets unterbricht oder ihnen Informationen vorenthält, so dass sie bei Teambesprechungen nicht im Bilde sind.

Soziale Isolation, üble Nachrede und Beschimpfungen
Auch soziale Beziehungen sind mitunter Ziel der Angriffe. Wenn etwa Apothekeninhaber unliebsamen Mitarbeitern einen Arbeitsplatz fernab von Kollegen zuweisen – beispielsweise eine PTA ausschließlich im Labor arbeiten soll – isolieren sie diese sozial. Oder sie behandeln einen Mitarbeiter wie Luft und ignorieren diesen komplett – von seinen Ideen und Vorschlägen im Arbeitsalltag bis zum Begrüßen am Morgen und dem Verabschieden zum Feierabend.

Üble Nachrede, Verspotten und Nachäffen, sexuelle Belästigungen und Beschimpfungen fallen in den Bereich des sozialen Ansehens einer Person. Hier geht es überwiegend darum, das Mobbingopfer vor den Kollegen zu diskreditieren.

Sebastian Schnabel

Diesen Artikel finden Sie in DAS PTA MAGAZIN 03/2010 auf Seite 48 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

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