Rezeptfreie Schmerzmittel: Beratung erwünscht

Nach der Beschränkung der Packungsgröße von ParacetamolPräparaten im vergangenen Jahr hat der Sachverständigenausschuss für Verschreibungspflicht jetzt auch Änderungen für weitere rezeptfrei erhältliche Schmerzmittel vorgeschlagen. Und das, obwohl wissenschaftliche Daten für einen bewussten Umgang der Verbraucher mit den Substanzen sprechen.

© Archiv Springer GuP

Neben pharmakologischen und toxischen Prüfungen berücksichtigt der Sachverständigenausschuss bei seinen Entscheidungen, ob Arzneimittel in der Selbstmedikation sicher anwendet werden können. Wegen einer möglichen suizidalen Einnahme ist die Packungsgrößenbeschränkung von Paracetamol verständlich.

Bei Substanzen wie zum Beispiel Acetylsalicylsäure (ASS) leuchtet dies jedoch nicht unbedingt ein; vor allem weil keine neuen Risikobewertungen vorliegen. Der Vorschlag, die Packungsgrößenbegrenzung grundsätzlich auf alle rezeptfreien Schmerzmittel auszudehnen, sei daher im Sinne einer Gleichbehandlung zu verstehen, so Dr. Bernd Eberwein, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Arzneimittel-Hersteller e. V.

Verantwortungsvoller Umgang ist gelebte Praxis
Eine Metaanalyse von fünf apothekenbasierten Beobachtungsstudien untersuchte das Einnahmeverhalten von über 9000 ASS-(Aspirin®) Anwendern aus Deutschland, Spanien und der Schweiz. Danach setzten die Teilnehmer die Substanz nicht nur gemäß Zulassung bei leichten bis mäßigen Kopfschmerzen (74,3 %), Erkältungsbeschwerden (24,8 %) oder Muskel- und Gelenkschmerzen (14,4 %) ein.

Die Patienten orientierten sich auch an der Behandlungsbedürftigkeit ihrer Beschwerden, betont Privatdozentin Dr. Marianne Petersen-Braun, Bayer Vital GmbH. 62,4 Prozent starteten die Therapie zunächst mit einer Tablette, 38,9 Prozent reichte die einmalige Einnahme aus. Auch die Dosierungs- und Einnahmeempfehlungen (maximal drei Gramm ASS/Tag) wurden beachtet: Die Tagesdosis lag im Durchschnitt bei 2,2, die Behandlungsgesamtdosis bei 4,6 Tabletten, während die Therapie selbst im Mittel 2,2 Tage dauerte.

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Eine aktuelle Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Auftrag von Bayer Vital zum Verhalten von Patienten, PTA und Apothekern im Umgang mit rezeptfreien Schmerzmitteln ergänzt diese wissenschaftlichen Daten. Die Mehrzahl der Patienten, PTA und Apotheker gab an, dass diese überwiegend bei akutem Bedarf gekauft werden. Eine Packungsgrößenbegrenzung auf 20 Tabletten hielten weder das Apothekenteam noch der Endverbraucher für sinnvoll.

Nahezu 80 Prozent der Anwender beachteten die empfohlenen Dosierungsangaben, weitere 28 Prozent nahmen die Substanzen maximal vier Tage hintereinander ein. Knapp 60 Prozent der Patienten war beim Kauf eine Beratung zu Dosierung, Anwendungsdauer sowie Neben- und Wechselwirkungen sehr wichtig. Ein Wunsch, der vom Apothekenteam, vor allem auf Seiten der PTA, aber geringer eingeschätzt wurde

Stefanie Fastnacht

Diesen Artikel finden Sie in DAS PTA MAGAZIN 03/2010 auf Seite 54 oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

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