Folsäure/Folat: Ein besonderes B-Vitamin
Will eine Frau schwanger werden oder ist sie in einem Alter, in dem dies
jederzeit passieren könnte, gilt der Rat: Folsäure supplementieren! Diese
Empfehlung ist nicht neu. Aber was steckt dahinter? Wie unterscheiden
sich die natürlichen, vitaminwirksamen Verbindungen aus Gemüse und
Getreide von denen in Arznei- und Nahrungsergänzungsmitteln sowie
angereicherten Lebensmitteln?
Munter durcheinander geht es häufig, wenn die zur Gruppe der B-Vitamine zählenden Folate bzw. Folsäure Thema sind. Dabei gibt es einen wesentlichen Unterschied: Unter dem Begriff Folat lassen sich mehrere wasserlösliche Verbindungen zusammenfassen, die in Lebensmitteln natürlicherweise enthalten sind, weshalb diese Gesamtheit fachlich korrekt als Nahrungsfolat bezeichnet wird.
Folsäure (Pteroylmonoglutaminsäure) kommt hingegen in der Natur nicht vor. Es handelt sich hierbei um die voll synthetische Vitaminform, die in Medikamenten, Nahrungsergänzungsmitteln und angereicherten Lebensmitteln zu finden ist. Seit ein paar Jahren kann dazu alternativ naturidentisches Folat genutzt werden. Das ist die synthetische Wirkform der Folate, 5-Methyltetrahydrofolat (5-MTHF), auch unter der patentgeschützten Bezeichnung Metafolin® (Fa. Merck KGaA) bekannt.
Das Folatäquivalent
Klassische Lieferanten von Nahrungsfolat sind Spinat, Weißkohl, Brokkoli, Salat, Rosenkohl, Tomaten, Bohnen und Spargel, Weizenkeime und Sojasprossen. Darüber hinaus sind zum Beispiel Roggen- und Weizenvollkornmehl sowie Apfelsinen, Avocado, Orangensaft, Bananen und Erdbeeren gute Folatquellen.
Unter den Lebensmitteln tierischer Herkunft tragen beispielsweise Weichkäse, Gouda und Magerquark sowie Eier und Rinderleber nennenswert zur Versorgung mit Nahrungsfolat bei. Fisch, Rind-, Hühner- und Schweinefleisch sowie andere als die genannten Obstsorten sind hingegen relativ folatarm.
Was aber steckt hinter der Bezeichnung Folatäquivalent? Diese Bezeichnung wurde eingeführt, um der unterschiedlichen Bioverfügbarkeit Rechnung zu tragen. Für die verschiedenen, in der Nahrung enthaltenen Folatverbindungen gehen Ernährungsexperten von einer Absorptionsrate von 50 Prozent aus.
Folsäure selbst wird, zumindest auf nüchternen Magen, nahezu vollständig in den Körper aufgenommen, das heißt, die synthetische Form wird in etwa doppelt so gut verwertet wie die natürliche. Daraus ergibt sich die Umrechnungsformel: 0,5 Mikrogramm Folsäure entspricht 1,0 Mikrogramm Folatäquivalent, entspricht 1,0 Mikrogramm Nahrungsfolat.
Ein Nahrungsergänzungsmittel mit der Angabe 400 Mikrogramm Folsäure enthält somit 800 Mikrogramm Folatäquivalent/ Nahrungsfolat. In dieser Definition findet sich die natürliche, aber synthetisch hergestellte Wirkform 5-MTHF bisher noch nicht wieder. Derzeit wird sie der Folsäure gleich gesetzt.
Kirsten Grashoff
Diesen Artikel finden Sie in DAS PTA MAGAZIN 03/2010 auf Seite 68 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
