Kakao: Speise der Götter

Schokolade hat eine wechselvolle Geschichte. Als Getränk der Götter verehrt, als Heilmittel gebraucht und heute als Genussmittel geliebt, zeigt sie viele Gesichter. Im Kölner Schokoladenmuseum kann man dem Phänomen auf den Grund gehen und mit allen Sinnen lernen, wie der Kakao in die Schokolade kommt.

© buruhtan / shutterstock.com

Über eine mangelnde Aussicht am Arbeitsplatz kann sich die Dame mit der schmucken weißen Konditorjacke und der passenden Mütze nicht beklagen. Wie von einem Kreuzfahrtschiff überblickt sie durch große Panoramascheiben den Rhein, die Deutzer Brücke und die Altstadtsilhouette von Köln. Ihr Arbeitsplatz liegt im Herzstück des Schokoladenmuseums, mitten auf einer Halbinsel im neu erschlossenen Rheinauhafen.

Doch nur selten kann sie die Aussicht in Ruhe genießen. Immer wieder strecken ihr Besucher die Hände entgegen, sobald sie fünf Waffeln in das Becken des drei Meter hohen Schokoladenbrunnens taucht, das mit flüssig-warmer duftender Schokolade gefüllt ist. Er ist das Wahrzeichen und der Besuchermagnet des Hauses, denn fast alle möchten sich von der Qualität der dort produzierten Schokolade überzeugen.

„Bis zu 14 Packungen à 300 Waffeln verteilen meine Kolleginnen und ich an gut besuchten Wochenendtagen“, erzählt die Dame in der Konditorenkleidung und freut sich, wenn sie dabei in schokoladenglückliche Gesichter schaut.

Doch nicht nur der Schokoladenbrunnen hat das erst 1993 eröffnete Museum mit jährlich über 7,5 Millionen Besuchern aus aller Welt unter die zehn der meistbesuchten Museen Deutschlands katapultiert. Es ist das Konzept, das überzeugt, die Mischung einer Zeitreise durch die 3000-jährige Kulturgeschichte der Schokolade bis hin zur modernen Produktionsstätte mit Erlebnischarakter.

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Kultgetränk mit Heilwirkung
Schokolade in der heutigen Form, als Tafel gepresst oder als Praline, ist eine historisch junge Entwicklung aus dem 19. Jahrhundert. Zuvor wurde sie ausschließlich als Getränk genossen. Die Spurensuche beginnt bei den Olmeken, die 1000 Jahre vor Christus an der südlichen Golfküste Mexikos bereits Kakaofrüchte anbauten und deren Bohnen ernteten.

Der Legende nach war es der Gott des gefiederten Windes, der ihnen die Zubereitung des Kakaogetränks zeigte. Später dann hielten auch die Mayas und Azteken Kakao für ein Getränk der Götter und genossen es vorzugsweise bei rituellen Zeremonien. Geschmacklich hatte es mit dem heutigen Kakao wenig gemein. Die bitteren Bohnen wurden aufgekocht und aufgeschäumt, nicht gesüßt und mit Gewürzen wie Chilipfeffer veredelt. Das Getränk galt als so kostbar, dass nur Adelige, Priester und Krieger in seinen Genuss kamen. Zudem sprach man ihm eine heilende Wirkung auf den Körper zu.

Kein geringerer als der berühmte Aztekenkönig Montezuma ließ seinen Männern warmen Kakao geben, um ihre Widerstands- und Leistungskraft zu stärken. Er selbst hingegen trank einige Tassen als Aphrodisiakum vor seinen Haremsbesuchen. Kakaobohnen waren schon damals Luxusartikel und wurden vielerorts sogar als Zahlungsmittel eingesetzt.

Bettina Hagen

Diesen Artikel finden Sie in DAS PTA MAGAZIN 04/2010 auf Seite 82 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

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