Robert Koch: Vom Landarzt zum Nobelpreisträger
Am 27. Mai jährt sich der Todestag von Robert Koch zum 100. Mal. Der Mediziner und Mikrobiologe läutete im späten 19. Jahrhundert eine neue Ära in der Medizin ein, von deren Auswirkungen wir noch heute profitieren. Er bewies, dass spezielle Mikroorganismen für den Ausbruch und die Verbreitung von Infektionskrankheiten verantwortlich sind und ebnete damit den Weg für deren Bekämpfung.
Heinrich Hermann Robert Koch wird am 11. Dezember 1843 als drittes von insgesamt 13 Kindern eines Bergrats in Clausthal geboren. Schon früh erforscht er die Natur und ihre geheimen Gesetze. Ob Pflanze, Käfer, Schmetterling oder Mineral; mit Leidenschaft sammelt und untersucht er alles, was er in die Finger bekommt.
Seine Eltern erkennen die Begabung ihres Kindes und fördern sie, so gut es eben geht. Zwar soll Robert nach dem Willen seines Vaters eine kaufmännische Lehre machen und nebenbei das Schusterhandwerk erlernen – denn die finanziellen Mittel sind begrenzt, und das Studium ist den beiden älteren Brüdern vorbehalten. Nach dem Verzicht seines älteren Bruders steht ihm jedoch die akademische Laufbahn offen.
Und so beginnt er als 18-Jähriger mit dem Studium der Naturwissenschaften an der Georg-August-Universität in Göttingen. Bereits nach einem Semester revidiert er sein erklärtes Berufsziel Lehrer und wendet sich der Medizin zu. Am 16. Januar 1866 besteht er die mündliche Prüfung, hält den obligatorischen Vortrag in Latein und schwört den Hippokratischen Eid.
Prägender Lehrmeister
Der junge Robert Koch hört unter anderem Vorlesungen bei Georg Meissner, Karl Ewald Hasse und Jakob Henle. Letzterer gilt als Wegbereiter der Bakteriologie. In seiner 1840 veröffentlichten theoretischen Abhandlung „Von den Miasmen und Contagien und von den miasmatisch-contagiösen Krankheiten“ verfolgt er die Idee von lebenden, parasitären Mikroorganismen als Ursache von Infektionskrankheiten.
Auch formuliert Henle bestimmte Anforderungen für den Nachweis mikrobiologischer Krankheitserreger. Diese finden Jahrzehnte später Eingang in die Henle-Koch-Postulate, die da lauten: 1. Für den Nachweis der parasitären Natur einer Krankheit muss der Erreger im erkrankten Organismus nachweisbar sein. 2. Der Erreger muss außerhalb des Organismus in Reinkultur gezüchtet werden können. 3. Der Erreger muss in Reinkultur die Krankheit – im Tierexperiment – wieder erzeugen.
Koch und die Cholera
In den Wirren des Deutschen Krieges tritt Robert Koch Mitte Juni 1866 in Hamburg seine erste und auf einige Monate begrenzte Stelle als Assistenzarzt an. Schon damals kommt er mit der Cholera in Berührung. Stundenlang untersucht er den Darminhalt der Patienten unter dem Mikroskop. Zwar erkennt der Mediziner den Erreger mangels Vergleichsstudien (noch) nicht, fertig jedoch Zeichnungen an, die dem Cholera-Erreger Vibrio cholerae sehr ähnlich sind.
1883/84 isoliert er dann auf einer Expedition nach Ägypten und Indien erstmals Cholera-Vibrionen in Reinkultur. Zunächst findet Robert Koch jedoch eine Stellung in der Nähe von Hannover als Orts- und Anstaltsarzt und baut nebenbei eine Privatpraxis auf.
Kirsten Grashoff
Diesen Artikel finden Sie in DAS PTA MAGAZIN 05/2010 auf Seite 72 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
