Sonne: Blass ist cool
Sonnenbankbetreiber müssen tief in die Tasche greifen, wenn Minderjährige sich in ihren Studios bräunen. Denn seit Anfang dieses Jahres ist das bereits 2009 beschlossene Solarien Nutzungsverbot für Jugendliche in Kraft getreten. Was PTA und Apotheker bei der „Sonnenberatung“ in der Offizin im Hinterkopf behalten sollten, zeigt unser Fortbildungsartikel.
Mediziner haben es schon lange gefordert, das Verbot von Solarien für Jugendliche. In Anbetracht steigender Zahlen von Hautkrebsdiagnosen hat sich der Bundestag im letzten Jahr dieser Meinung angeschlossen. In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 14 000 Menschen an einem malignen Melanom („Schwarzer Hautkrebs“) und mehr als 300 000 an den „Hellen Varianten“ wie Basalzell- oder Plattenepithelkarzinom und dessen Frühform, der aktinischen Keratose. Neben genetischen Komponenten ist das ein Tribut, den die Betroffenen für übermäßigen Sonnengenuss – gerade in der Jugend – zu bezahlen haben.
Unter dem Sommersonnenhimmel
Sonne in Maßen tut gut und hellt die Stimmung auf. Ihre Strahlen sind physikalisch gesehen elektromagnetische Wellen. Sie umfassen mit einem Spektralbereich von 290 bis 4000 Nanometern neben ultravioletter (UV, 290 bis 400 nm) sowie Infrarotstrahlung (IR, 780 nm bis 1 mm) auch sichtbares Licht (VIS, 400 bis 760 nm).
Das UV-Spektrum wird je nach Wellenlänge in UV-A, UV-B und UV-C-Strahlen eingeteilt. UV-C spielt für Hautschäden allerdings kaum eine Rolle, weil es in der Stratosphäre fast vollständig abgefangen wird. Auch IR-Strahlen lassen sich in drei Wellenlängenbereiche (IR-A, IR-B, IR-C) einteilen, wobei nach dem momentanen Kenntnisstand für die Hautgesundheit vor allem IR-A relevant ist.
Wie wirken UV-Strahlen auf die Haut?
UV-B-Strahlen dringen bis zur Basalzellschicht der Oberhaut (Epidermis) vor. Überschreiten sie einen gewissen Schwellenwert (Erythemschwelle = Minimale Erythemdosis = MED), sieht die Haut „rot“, und es kommt zum Sonnenbrand mit entzündlichen Rötungen (Erythem), Brennen, Hitzegefühl, Schmerzen oder Juckreiz.
Neben dem Sonnenbrand als akuter Folge, schädigt UV-B die Erbsubstanz der Zellen, schwächt das hauteigene Abwehrsystem und bereitet den Boden für Hautkrebs. Zudem stimuliert UV-B die Melaninsynthese (Sonnenbräune = Spätpigmentierung). UV-A-Strahlen gelangen tiefer, bis zur Lederhaut (Dermis). Sie zerstören elastische Fasern und begünstigen vorzeitige Altersprozesse. UV-A verdunkelt kurzfristig das bereits vorhandene Braun der Haut (Sofortpigmentierung) und erhöht ebenfalls das Hautkrebsrisiko.
Polymorphe Lichtdermatosen – umgangssprachlich als Sonnenallergie oder Mallorca-Akne bezeichnet – gehen ebenfalls auf das Konto von UV-A-Strahlen. Genauso wie die unter Einnahme von Arzneistoffen wie zum Beispiel Furosemid, Promethazin oder Sulfonamiden und Tetrazyklinen erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut.
Im Brennpunkt: IR-A-Strahlung
Wie man heute weiß, wirken sich auch Infrarot-A-Strahlen negativ auf die Haut aus. Sie entfalten ihre schädigenden Wirkungen vor allem in der Dermis, dringen aber auch bis zur Subcutis (Unterhaut) vor. Untersuchungen verschiedener Arbeitsgruppen zeigen, dass IR-A-Strahlen die Mitochondrien beeinflussen. Mitochondrien werden als Kraftwerke der Zelle bezeichnet. Sie transportieren zur Energiegewinnung Elektronen über die Komplexe der mitochondrialen Atmungskette.
Dabei entstehen als Nebenprodukt reaktive freie Radikale (engl.: reactive oxygen species, ROS). Unter dem Einfluss von IR-A bilden sich in den Hautzellen signifikant mehr dieser ROS. Sie beeinträchtigen die Neusynthese von Kollagen. Gleichzeitig kurbeln sie das Freisetzen von Matrixmetalloproteinase-1 (MMP-1) an, ein Enzym, das wesentlich am Abbau von Kollagen und damit auch an Hautalterungsprozessen beteiligt ist.
Die Haut schützt sich selbst
Eigene Schutzmechanismen ermöglichen der Haut, sich bis zu einem gewissen Grad vor der Sonne zu schützen. Dazu zählt das Bräunen mit Hilfe des Pigments Melanin und das Verdicken der Haut zur Lichtschwiele. Der braune Farbstoff Melanin absorbiert neben UVA- und UV-B-Strahlen auch sichtbares Licht und wirkt als Radikalfänger. Er entsteht unter UV-B-Einfluss in mehreren Schritten in den pigmentbildenden Hautzellen (Melanozyten) der epidermalen Basalzellschicht. Von dort wird er an die umgebenden Hautzellen (Keratinozyten) abgegeben und legt sich wie eine Schutzkappe über deren Zellkerne.
Dringen UV-B-Strahlen in die Epidermis ein, regen sie in der Basalzellschicht die Zellteilung an. In Folge verdickt sich die epidermale Hornschicht (Stratum corneum) zur Lichtschwiele und schützt so die darunter liegenden Hautschichten. Wie gut der Eigenschutz funktioniert, ist genetisch vorgegeben. Menschen mit heller Haut und wenig Pigmenten (Typ I, II) bekommen im Gegensatz zu stärker Pigmentierten (Typ III, IV) schon nach sehr kurzer Zeit einen Sonnenbrand.
Das Lichtschutz-ABC
Die wichtigsten Regeln für einen gesunden Umgang mit der Sonne bringt das Lichtschutz-ABC auf einen einprägsamen Nenner. A wie Ausweichen gilt als bester Schutz. Wer seine Haut gesund und möglichst lange faltenfrei halten will, sollte sich nicht der strahlungsintensiven Sonne zwischen zehn und 16 Uhr aussetzen.
Ausweichen meint aber nicht, einfach nur ein schattiges Plätzchen aufzusuchen. Denn unter Bäumen oder der Markise wirken immer noch hohe Strahlendosen auf die Haut ein. Wie der gesunde Umgang mit der Sonne richtig funktioniert, leben die Menschen in südlichen Gefilden vor: Sie ziehen sich frei nach dem Motto „blass ist cool“ während der glühenden Mittagshitze zur Siesta ins Haus zurück.
Zu B wie Bekleiden gehört es, im Freien immer eine Kopfbedeckung mit breiter Krempe und Nackenschutz zu tragen. Weitere wichtige Utensilien sind UV-absorbierende Sonnenbrillen und Kleidungsstücke aus dicht gewobenen, dunklen Baumwollstoffen oder speziell hergestellten Materialien, die einen fast vollständigen UV-Schutz bieten. Aber Achtung: Nasser Stoff ist durchlässiger für die UV-Strahlen! Das Cremen unbedeckter Hautareale mit Lichtschutzmitteln macht das Lichtschutz-ABC komplett.
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Stefanie Fastnacht
Diesen Artikel finden Sie in DAS PTA MAGAZIN 05/2010 auf Seite 10 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
