Antimykotika in der Selbstmedikation – Adieu Pilz!
Vielen Patienten ist eine Pilzerkrankung peinlich, weil sie diese zu Unrecht mit schlechter Hygiene verbinden. So zögern sie die Behandlung oftmals
lange hinaus oder tun gar nichts. Des Weiteren ist ihnen nicht bekannt, dass die meisten dieser Erkrankungen zuverlässig und nebenwirkungsarm
mit rezeptfreien Antimykotika behandelbar sind. Wie Sie Ihren Kunden mit Mykosen der Haut, Nägel und Schleimhaut helfen können, erfahren Sie in dieser Zertifizierten Fortbildung.
Pilzinfektionen sind ansteckend: nicht nur von Mensch zu Mensch, sondern auch bei einer Person von einer Körperregion zur anderen. Die Hauptrolle unter den Auslösern spielen Dermatophyten (Fadenpilze) und Candida-Spezies (Hefepilze). Infektionen der Haut, Haare und Nägel werden zu mehr als 80 Prozent von Dermatophyten verursacht. Diese ernähren sich von Hornsubstanz (Keratin), weshalb sie nur in verhornten Geweben leben können und nicht auf den Schleimhäuten.
Candida-Spezies (Hefepilze) hingegen lieben feuchte Regionen. Dazu gehören vor allem die Schleimhäute der Mundhöhle, des Gastrointestinaltraktes und des Genitalbereiches, aber auch die Füße und die Hautfalten („Haut auf Haut“): beispielsweise die Achselhöhlen, die Analfalte, die Leistengegend und bei Frauen die Hautregion unter der Brust. So ist ein Candida-Befall, insbesondere mit Candida albicans, der Auslöser des Vaginalpilzes und des Mundsoors. Er kann aber auch für Infektionen der Haut und Nägel verantwortlich sein.
Hautpilz: große Symptomvielfalt
Pilzinfektionen der Haut (Dermatomykosen) haben je nach Areal und Auslöser unterschiedliche Symptome. Mit Abstand am häufigsten betroffen sind die Füße. Ein Fußpilz (Tinea pedum, Tinea pedis) beginnt meist in den Zehenzwischenräumen (Tinea pedis interdigitalis). Von dort aus kann er sich auf die Fußsohle (Tinea pedis plantaris) ausbreiten oder auch von Anfang an nur an der Fußsohle auftreten.
Zwischen den Zehen verläuft die Pilzinfektion üblicherweise nässend-mazerativ: Sie beginnt meist zwischen dem vierten und fünften Zeh, erkennbar an leichtem Juckreiz, kleinen Rissen, schuppenden Hauterweichungen sowie weißlichen Blasen und sich abschälender Haut. An den Fußsohlen steht dagegen eine trockene Schuppung im Vordergrund, nur manchmal erscheinen entzündete mit Wasser gefüllte Bläschen.
Die Symptome des Handpilzes (Tinea manuum) sind denen einer Pilzinfektion der Fußsohle ähnlich. Charakteristisch ist eine feine weißlichgelbe Schuppung der Handfurchen („wie nachgezeichnet“). Häufig greift das Geschehen auch auf den Handrücken über.
Pilzinfektionen am Körper (Tinea corporis) äußern sich durch münzgroße, rötliche, schuppende Herde, die sich binnen Tagen bis Wochen ausbreiten. Größere Herde besitzen einen deutlich abgegrenzten, erhabenen, geröteten und schuppenden Rand („Hexenring“). In ihrer Mitte sind sie flach und hautfarben, was häufig als „abheilend“ fehlgedeutet wird.
Nagelpilz: meist am Fuß
Eine Nagelpilzinfektion (Onychomykose, Tinea ungium) entsteht überwiegend durch Fadenpilze (Dermatophyten), seltener durch Hefepilze (Candida-Species). Sind Fadenpilze die Auslöser, beginnen die Nagelveränderungen in der Regel am freien Ende des Nagels und schreiten dann langsam in Richtung Nagelwurzel fort. Bei einem Befall mit Hefepilzen ist der Verlauf umgekehrt.
Charakteristische Symptome sind gelbliche bis bräunliche Verfärbungen („Ölflecke“) der Nagelplatte. Bei Fortschreiten der Infektion kommt es zum Verdicken, Verformen bis hin zum Abheben der Nagelplatte vom Nagelbett. Außerdem kann diese brüchig werden und sogar zerfallen.
Die Fußnägel sind weitaus häufiger betroffen als die Fingernägel. Gründe hierfür sind das feucht-warme Milieu im geschlossenen Schuh sowie winzige Verletzungen, die den Krankheitserregern als Eintrittspforten dienen. Vielen Betroffenen wird der Pilzbefall eines Fußnagels oder mehrerer -nägel nur in den Sommermonaten bewusst, weil sich dieser in offenen Schuhen und beim Barfußlaufen nicht verbergen lässt. Dabei ist er nicht nur ein kosmetisches Problem, sondern eine behandlungsbedürftige Krankheit.
Kopfpilz: überwiegend bei Kindern
Pilzinfektionen der Kopfhaut und der Haare treten bevorzugt im Kindesalter auf. Das Beschwerdebild reicht von Kopfschuppen und Rötung bis hin zu starken Entzündungen, Bläschen und Verlust von Haaren. Eine Sonderform ist die hochgradig ansteckende Mikrosporie, die den behaarten Kopf betrifft.
Die Infektion bleibt häufig lange Zeit unerkannt, so lange, bis sich schuppende kahle Stellen auf dem behaarten Kopf zeigen. Dabei handelt es sich nicht um einen Haarausfall, sondern um ein Abbrechen der Haare kurz über der Kopfhaut. Dermatologen sprechen vom Bild einer „abgemähten Wiese“.
Der häufigste Auslöser ist Microsporum canis (zu den Dermatophyten gehörend), der von Haustieren (vor allem von Hunden und Katzen) übertragen wird. Da in deutschen Haushalten immer mehr Haustiere leben, ist die Mikrosporie ein zunehmendes Problem. Außerdem ist sie nicht selten ein Urlaubsmitbringsel, wenn Kinder herumstreunende Tiere streicheln. Eine Mikrosporie gehört immer in ärztliche Behandlung.
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Dr. Ute Koch
Diesen Artikel finden Sie in DAS PTA MAGAZIN 07/2010 auf Seite 10 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
