Schlaf ist kein Luxus

Der Mensch verbringt etwa ein Drittel seines Lebens im Schlaf: Ein lebensnotwendiger Zustand der Ruhe, in dem die physische und psychische Leistungsfähigkeit erneuert wird. Doch ein erholsamer Schlaf ist für viele Bundesbürger nicht selbstverständlich. Rund 30 Prozent von ihnen leiden an zeitweiligen oder dauerhaften Schlafstörungen. Viele der Betroffenen suchen zunächst in der Apotheke Rat.

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Damit Körper und Psyche im Schlaf ausreichend neue Energie schöpfen können, sollte das Einschlafen binnen 30 Minuten erfolgen und ein gelegentliches Aufwachen nur kurzzeitig oder sogar unbemerkt. Allerdings ist für einen gesunden Schlaf nicht nur dessen Gesamtdauer entscheidend, sondern auch seine Qualität.

Diese ist dann ausreichend gegeben, wenn REM-Schlaf und NON-REM-Schlaf ungestört ablaufen und sich reibungslos wiederholen. Die beiden Schlafphasen und ihre jeweiligen Abläufe werden in ihrer Gesamtheit als Schlafarchitektur bezeichnet. Schlafdauer und Schlafarchitektur können aus einer Vielzahl von Gründen beeinträchtigt sein. Schlafstörungen, die eine geminderte Alltagstauglichkeit bedingen, sind die Folge.

Beurteilung von Schlafstörungen
Einschlafstörungen liegen vor, wenn bis zum Einsetzen des Schlafes mehr als eine halbe Stunde vergeht, im Extremfall sogar mehrere Stunden. Bei Durchschlafstörungen kommt es während des Schlafes zum Erwachen. Ein erneutes Einschlafen erfolgt erst nach längerer Zeit. Ausschlafstörungen sind durch ein zu frühes Erwachen am Morgen charakterisiert. Ein erneutes Einschlafen ist nicht mehr möglich.

Für die Beurteilung von Schlafstörungen ist es außerdem wichtig zu wissen, dass im Laufe des Lebens der Schlafbedarf und die Schlafqualität nachlassen. Desweiteren sind die Anforderungen an einen guten Schlaf individuell sehr verschieden und subjektiv geprägt. So ist längst nicht jede in der Apotheke geäußerte Schlafstörung ein ernstes Gesundheitsproblem.

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Schlafmangel ohne Krankheitswert
Hin und wieder auftretende Schlafstörungen sind etwas ganz Normales, beispielsweise nach einem außergewöhnlich anstrengenden Tag, nach einem heftigen Streit oder auch nach einem schönen Ereignis. Das am Tag Erlebte kann zur Nacht nicht ausreichend aus dem Kopf verdrängt werden, was das Einschlafen behindert.

Ein dadurch einmalig erworbener Schlafmangel wird zumeist in der nächsten Nacht wieder ausgeglichen. Es besteht keine Gefahr für die Gesundheit. Solche kurzzeitig auftretenden Schlafstörungen sind nicht behandlungsbedürftig. Allerdings spricht nichts gegen die Einnahme eines schlaffördernden Medikamentes, wenn der Betroffene am Folgetag unbedingt fit sein muss oder möchte. Dies gilt auch für die durchwachte Nacht vor einem besonderen Ereignis wie einer Prüfung oder einem Bewerbungsgespräch.

Schlafmangel mit Krankheitswert
Eine Schlafstörung mit Krankheitswert (Insomnie) liegt vor, wenn wiederholt auftretender Schlafmangel die Leistungsfähigkeit am Tag stetig beeinträchtigt und sich daraus ein Dauerzustand mangelnder Belastbarkeit entwickelt. Zu den damit verbundenen Folgen gehören Nervosität, innere Unruhe, Konzentrationsstörungen, Vergesslichkeit, Tagesmüdigkeit oder sogar ein Einschlafen wider Willen.

Ein anhaltender Schlafmangel kann zu ernsten Krankheiten führen, im Extremfall sogar zum Tod. Aus diesem Grund müssen „echte“ Schlafstörungen behandelt werden. An erster Stelle steht das Ausschalten der Ursachen (s. u.). Ist dies nicht möglich oder bleibt es ohne Erfolg, können verschreibungspflichtige Medikamente (z. B. Schlafmittel, Antidepressiva) indiziert sein. So gehört die Insomnie aus vielerlei Gründen in die Hand eines Arztes. Dieser hat außerdem die Möglichkeit, den Patienten in einem Schlaflabor untersuchen zu lassen.

Schlafarchitektur bestimmt Weckbarkeit
Der Schlaf besteht aus REM-Schlaf (paradoxer Schlaf) und NON-REM-Schlaf (orthodoxer Schlaf), die beide zur nächtlichen Erholung beitragen und mit verschiedenen diagnostischen Maßnahmen (z. B. EEG) sichtbar gemacht werden können. Die Abkürzung REM steht für Rapid Eye Movement, weil für diese Schlafphase schnelle Augenbewegungen und lebhaftes Träumen charakteristisch sind. Der Schlafende ist in dieser Phase schwer weckbar.

Der NON-REM-Schlaf wird der Schlaftiefe entsprechend in vier Stadien unterteilt: In Stadium 1 findet ein Dämmerzustand statt, in Stadium 2 ein oberflächlicher Schlaf und in den Stadien 3 und 4 der Tiefschlaf. Der Schlaf beginnt mit dem NON-REM-Schlaf, dem der REM-Schlaf folgt. Nach rund anderthalb Stunden ist der erste Schlafzyklus abgeschlossen. In einer Nacht laufen NONREM- und REM-Schlaf mehrfach hintereinander – rund vier bis fünf Mal – ab.

Altersabhängiger Schlafbedarf
Der tägliche Schlafbedarf nimmt mit zunehmendem Alter erheblich ab: Im Durchschnitt schläft ein Säugling bis zu 16 Stunden am Tag, ein Erwachsener zwischen dem 18. und 50. Lebensjahr rund sieben und Senioren weniger als sechs Stunden. Daraus resultiert bei vielen älteren Menschen eine falsche Erwartungshaltung an die tägliche Schlafdauer. Sie klagen über Schlafstörungen allein aufgrund dessen, nicht mehr so lange schlafen zu können wie in jungen Jahren.

Solche rein subjektiv empfundenen Schlafstörungen werden als Pseudoinsomnie bezeichnet. Darüber hinaus ist vielen Senioren nicht bewusst, dass der beliebte Mittagsschlaf den Schlafbedarf in der Nacht verkürzt. Auch bei intensivster Aufklärung greifen viele der Betroffenen lieber zur Schlaftablette, als die Gegebenheiten zu akzeptieren. Daher sollten dieser Kundengruppe bevorzugt pflanzliche oder homöopathische Beruhigungs- bzw. Schlafmittel empfohlen werden. Diese sind auch bei Langzeitanwendung sehr gut verträglich und ohne Sucht- und Gewöhnungspotenzial.

Altersabhängige Schlafarchitektur
Nicht nur der Schlafbedarf, auch der prozentuale Anteil von REM- und NON-REM-Schlaf verändert sich im Laufe des Lebens. Während ein Säugling etwa 50 Prozent REM-Schlaf erlebt, liegt der Anteil beim Erwachsenen nur noch bei etwa 25 Prozent und bei älteren Menschen sogar nur noch bei rund 20 Prozent. Folglich steigt mit zunehmendem Lebensalter der Anteil an NON-REM-Schlaf, in dem die Weckbarkeit höher ist als während des REM-Schlafes. So leiden ältere Menschen unter einem störanfälligeren Schlaf als jüngere: zum Beispiel durch Lärm oder emotionale Spannungen.

Teufelskreis Schlafmangel und Nervosität
Zu wenig Schlaf in der Nacht führt zu Nervosität am Tag und umgekehrt. Die Betroffenen unterliegen einem enormen Leidensdruck. Sie fühlen sich seelisch angespannt, unkonzentriert, schnell erschöpft und gereizt. Auch organische Beschwerden können hinzukommen, beispielsweise Sodbrennen, Rückenprobleme, Herz-Kreislauf-Störungen oder Kopfschmerzen. Solche rein seelisch bedingten organischen Beschwerden werden unter dem Begriff psychosomatische Symptome zusammengefasst.

Der Teufelskreis zwischen Schlafmangel und Nervosität muss unterbrochen werden. Da die Auslöser häufig mit unabwendbaren Lebensumständen (z. B. Termindruck im Beruf, Pflege eines Angehörigen) verbunden sind, empfehlen sich bevorzugt Entspannungstechniken und pflanzliche Beruhigungs- bzw. Schlafmittel.

Dr. Ute Koch

Diesen Artikel finden Sie in DAS PTA MAGAZIN 09/2010 auf Seite 10 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

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