Giftpilze: Tödliche Doppelgänger

Im September erreicht das Pilzjahr seinen Höhepunkt. Die große Vielfalt an Wildpilzen, die nun zu finden ist, lädt zum Sammeln ein. Doch Vorsicht! Nur Kenner sollten sich in den Wald wagen, denn manch giftiger Vertreter sieht einem essbaren zum Verwechseln ähnlich. Im schlimmsten Fall kann eine Pilzmahlzeit tödlich enden.

Pilz: © Uwe Wittbrock / panthermedia.net, Totenkopf: © liotru/ shutterstock.com

Schätzungen zufolge vergiften sich hierzulande mehrere hundert Menschen pro Jahr mit Pilzen. Von den etwa 150 existierenden Giftpilzen führen 20 bis 30 zum Tode, wenn nicht rechtzeitig ärztliche Hilfe aufgesucht wird. Die meisten Pilzvergiftungen beschränken sich jedoch auf Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Durchfälle, die allerdings heftig ausfallen und tagelang anhalten können.

Vergiftung oder Unverträglichkeit?
Nicht jedes Unwohlsein nach einer Pilzmahlzeit lässt auf eine Vergiftung schließen. Wegen ihres Gehaltes an dem unverdaulichen Polysaccharid Chitin liegen nahezu alle in größeren Mengen gegessenen Pilze schwer im Magen. Überalterte oder verdorbene Speisepilze gehen ebenfalls mit Symptomen einher, die einer echten Pilzvergiftung ähneln.

Die meisten Wildspeisepilze sind, anders als zum Beispiel Zuchtchampignons, nur gegart verträglich; roh genossen sind sie giftig. Verantwortlich sind hitzelabile Inhaltsstoffe, die den Magen-Darm-Trakt reizen, sowie Hämolysine, welche rote Blutkörperchen auflösen und zu einer Anämie (Blutarmut) führen können. Da sie durch Erhitzen zerstört werden, sollten Wildspeisepilze mindestens zehn bis 15 Minuten gegart werden.

Zu den Giftpilzen zählen diejenigen Vertreter, die hitzestabile Toxine enthalten, welche den Magen-Darm-Trakt, innere Organe oder das Nervensystem schädigen.

Anzeige

Keine besonderen Kennzeichen
Ein angelaufener Silberlöffel im Kochwasser – dieser früher weit verbreitete Glaube, so einen Giftpilz erkennen zu können, gehört ins Reich der Ammenmärchen. Schneckenfraß, Insekten- oder Madenbefall und andere angebliche Zeichen sind ebenfalls kein Indiz für einen essbaren Pilz. Denn für den Menschen giftige Pilze können für Tiere durchaus unschädlich sein.

Auch der Spruch „hohler Stiel gleich giftig, voller Stiel gleich essbar“ stimmt nicht, wie man an den vollen Stielen der giftigen Schleierlingsarten (Cortinarius ssp.) sieht.

Die Annahme, nur Pilze mit Lamellen auf der Unterseite seien giftig, ist ebenso falsch. Denn auch unter den Hutträgern mit Röhrenfutter (Schwamm) gibt es giftige Vertreter. Eine Regel, essbare Pilze von giftigen zu unterschieden, gibt es also nicht. Schutz bietet nur, die Art genau kennen.

Beate Ebbers

Diesen Artikel finden Sie in DAS PTA MAGAZIN 09/2010 auf Seite 30 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.

Inhalte durchsuchen

Titelseite

Mehr zum Thema

Diesen Artikel finden Sie in DAS PTA MAGAZIN 09/2010 auf Seite 30 ff.

Blättern: Seite 28  –  Seite 38-39

Artikel-Downloads

Premium-Login

Im Premium-Bereich gelangen Sie zu den Fortbildungen und Ihren Zertifikaten.
Abonnenten haben zusätzlich Zugriff auf sämtliche Heftinhalte.

Aktionen

Newsletter

Mit unserem Newsletter erhalten Sie Fachinformationen künftig frei Haus – wöchentlich und kostenlos.

Jobs für PTA und Apotheker

Den Stellenmarkt für PTA und Apotheker gibt es ab sofort auf jobcenter-medizin.de.