China privat: ein Universum, zwei Systeme
Aspirin oder Kräutertee? Elfenbein oder Viagra? Beim Kampf gegen Krankheiten und alltägliche Wehwehchen hat China die Orientierung verloren. Die meisten Chinesen nehmen es gelassen. Das ist nicht verwunderlich, denn im Umgang mit Widersprüchen hat das größte Volk der Erde viel Erfahrung.
Ein Land, zwei Systeme – unter diesem Slogan vermarktet die Kommunistische Partei Chinas den ideologischen Spagat der kapitalistischen Sonderwirtschaftszonen im vermeintlich kommunistischen Mutterland. Shanghai, Hongkong, Macao und andere so genannte regierungsunmittelbare Städte und Sonderverwaltungszonen bringen Know-how, Devisen und kluge Köpfe ins Land. Im restlichen China wird abseits von freier Presse, Opposition oder Gewerkschaften meist zu Hungerlöhnen und oft unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen produziert. Sehr zum Wohle internationaler Firmen und ihrer Bilanzen.
Sehr zum Nachteil der Natur. Naturschutz und Emissionsgrenzen sind im Reich der Mitte bestenfalls ein Randthema. Mit verheerenden Folgen: Die Megametropole Shanghai ist an den meisten Tagen des Jahres von den Satellitenbildern verschwunden. Die Stadt versteckt sich unter einer undurchsichtigen Schicht aus Abgasen, Dreck und Dunst. In Hongkong scheint die Sonne durchschnittlich nur noch an zwei Tagen pro Monat von einem halbwegs blauen Himmel. Im benachbarten Perlflussdelta stehen Chinas größte Dreckschleudern in hoher Dichte. Die Stadt wird erstickt vom eigenen wirtschaftlichen Erfolg. Internationale Gesundheitsexperten raten in Hongkong bereits von Anstrengungen im Freien ab.
Carsten Heider
Diesen Artikel finden Sie in DAS PTA MAGAZIN 08/2007 auf Seite 64 ff. oder als PDF-Download im Kasten oben rechts.
