Eine heiße Spur zu neuen Medikamenten

(kig) Oft müssen hunderte von Substanzen auf ihre Bindungsaffinität zu krankheitsrelevanten Molekülen getestet werden, um einen Wirkstoff zu identifizieren. Das ist teuer und zeitaufwändig. Münchner Biophysiker haben nun mit der "Microscale Thermophoresis" ein weltweit einmaliges Verfahren entwickelt, das potenzielle Wirkstoffe deutlich schneller und zuverlässiger findet.

Die herkömmlichen Testverfahren zur Identifizierung potenzieller Wirkstoffe funktionieren nur in künstlichen Pufferlösungen und erlauben so fast keine Aussage über die Bindungsaffinität der Substanzen im Blut. Anders das neue Verfahren: Hiermit können derartige Analysen nun erstmals unter aussagekräftigen natürlichen Bedingungen erfolgen.

Dazu wird Blut mit dem potenztiellen Wirkstoff gemischt und ein winziger Tropfen der Flüssigkeit mit einer Glaskapillare aufgezogen. Der feine Strahl eines Infrarot-Lasers erwärmt die Blutprobe anschließend punktuell in der Mitte des Röhrchens, so dass nach außen abfallend ein Temperaturgradient entsteht. Weil die krankheitsrelevanten Moleküle mit einer fluoreszierenden Markierung versehen sind, lässt sich ihre Bewegung verfolgen.

Unmittelbar nach dem Erwärmen der Probe lässt sich anhand der Fluoreszenzänderung erkennen, ob sich die Moleküle in der Blutprobe mit Wirkstoff anders bewegen als in einem Kontrollversuch ohne Wirkstoff. Ist dies der Fall, dann hat die Testsubstanz an das Zielmolekül gebunden.

Dies sei der erste Schritt hin zu einem neuen Medikament, die Wissenschaftler. Das neue Verfahren könne aber auch in der medizinischen Diagnostik, der Lebensmittelüberwachung und im Umweltschutz eingesetzt werden. Denkbar sei zum einen der direkte Nachweis von Immunerkrankungen und Infektionen, aber auch der schnelle Nachweis von Antibiotika in Milch oder aber von Giftstoffen im Wasser.

08.03.10

Quelle: Informationsdienst Wissenschaft

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