Jasmin als Valiumersatz
(kig) Statt Schlaftablette oder Stimmungsaufheller könnte auch eine Nase Jasminduft aus Gardenia jasminoides helfen: Bochumer und Düsseldorfer Forscher haben entdeckt, dass der Duftstoff Vertacetal-coeur und seine chemische Variante (PI24513) den gleichen molekularen Wirkmechanismus haben und genauso stark beruhigen, Angst lösen und Schlaf fördern wie die häufig verschriebenen Barbiturate oder das Propofol.
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Die Wissenschaftler haben eine große Screeningstudie durchgeführt, bei der sie mehrere hundert Duftstoffe hinsichtlich ihrer Wirkung auf GABA-Rezeptoren von Mensch und Maus getestet haben. Ergebnis: Vertacetal-couer und PI24513 wirkten am stärksten. Sie konnten die GABA-Wirkung um mehr als das fünffache steigern und wirken somit ähnlich stark wie Benzodiazepine, Barbiturate und Narkosemittel wie Propofol.
Die „Gegenprobe“ mit genetisch veränderten GABA-Rezeptoren in transgenen Mäusen, die auf Propofol nicht mehr reagierten, bestätigte, dass der Wirkmechanismus derselbe ist: Auch auf die Duftstoffe reagierte der veränderte Rezeptor nicht mehr.
Verhaltenstests mit Mäusen beseitigten dann letzte Zweifel an den Qualitäten der Düfte als Sedativum, so die Wissenschaftler. Gespritzt oder inhaliert, entfalteten die Duftstoffe eine beruhigende Wirkung: In einem Plexiglaskäfig, dessen Luft eine hohe Konzentration des Dufts enthielt, stellten die Mäuse jede Aktivität ein und saßen ruhig in der Ecke.
Über die Atemluft gelangen die Duftmoleküle von der Lunge ins Blut und werden von dort dann ins Gehirn transportiert. Elektrophysiologische Messungen an Neuronen aus für den Schlaf-/Wach-Rhythmus verantwortlichen Hirnbereichen zeigten, dass die GABA-Wirkung auf die „schlafaktiven“ Nervenzellen durch die Duftstoffe potenziert wurde.
Wie die Wissenschaftler berichten, haben sie eine neue Klasse von GABA-Rezeptormodulatoren entdeckt, die sowohl parenteral verabreicht als auch durch die Atemluft wirken. Sie können sich Anwendungen in der angstlösenden, beruhigenden, erregungs- und aggressionsdämpfenden oder schlafanstoßenden Therapie vorstellen. Zudem könnten die Ergebnisse als Nachweis einer wissenschaftlichen Grundlage der Aromatherapie gewertet werden. Durch die Veränderung der chemischen Struktur der Duftmoleküle werden die Forscher nun versuchen, noch stärkere Wirkung zu erzielen.
15.07.10
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft