Den Ursachen des Reizdarmsyndroms auf der Spur
(kig) Das Reizdarmsyndrom macht Betroffenen - immerhin rund zehn Prozent der Bevölkerung - das Leben zur Hölle. Was viele Erkrankte zusätzlich wurmt: Oft werden sie als Psychosomatiker abgestempelt, denn körperliche Ursachen für einen Reizdarm waren bisher unbekannt. Nun haben Humanbiologen der Technischen Universität München ein wenig Licht ins Dunkel gebracht.
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Sie haben Mini-Entzündungen in der Darmschleimhaut gefunden, die das empfindliche Gleichgewicht im Darm durcheinanderbringen und mit einer Sensibilisierung des Darmnervensystems einhergehen. Mit ultraschnellen optischen Messverfahren konnten die Forscher nachweisen, dass Botenstoffe von Mastzellen und enterochromaffinen Zellen die Nervenzellen im Darm direkt aktivieren.
Diese Überempfindlichkeit des Darmnervensystems bringt die Kommunikation zwischen Darmschleimhaut und -nervensystem durcheinander. Die irritierte Darmschleimhaut setzt daraufhin vermehrt neuroaktive Körpersubstanzen wie Serotonin, Histamin und Proteasen frei. Dieser körpereigene Cocktail könnte also die eigentliche Ursache der unangenehmen Reizdarm-Beschwerden sein, vermuten die Wissenschaftler.
Zurzeit untersuchen sie, inwieweit die Nervensensibilisierung mit der Schwere der Krankheitssymptome korreliert. In Zusammenarbeit mit Kollegen aus Amsterdam konnten die Forscher bereits die klinische Relevanz ihrer Ergebnisse untermauern: Reizdarmsymptome verbesserten sich nach Behandlung mit einem Antihistaminikum. Nun wollen sie noch herausfinden, ob damit auch eine Normalisierung der Nervenaktivität einhergeht.
Mittelfristig ermöglicht die Identifizierung der aktiven Komponenten die Entwicklung wirksamer Medikamente gegen das Reizdarmsyndrom. Die Forscher haben aber schon jetzt vielen Reizdarm-Patienten Erleichterung verschafft: Denn sie konnten nachweisen, dass das chronische Leiden körperliche Ursachen hat und nicht etwa „eingebildet“ ist.
25.08.10
Quelle: Informationsdienst Wissenschaft