Arzneimittel-Interaktionen bei jedem 6. Apothekenkunden

(run) Arzneimittelwechselwirkungen sind bei jedem 6. Apothekenkunden in Bayern nachweisbar. Bei jedem 200. Kunden kann diese sogar lebensbedrohlich sein. Das ist das Ergebnis einer Studie der BA KlinPharm - Bayerische Akademie für Klinische Pharmazie, deren Ergebnisse Anfang der Woche in München vorgestellt worden sind.

(c) Klaro

Für die Studie dokumentierten knapp 100 bayerische Apotheken im Juli 2011 je 100 aufeinanderfolgende Kundenkontakte. Die beteiligten Apotheken und die BA KlinPharm sammelten und analysierten dabei insgesamt rund 24 000 Daten von fast 21 000 Apothekenkunden. Das Ergebnis der Studie: Bei 3347 Kunden, somit also jedem 6., wurden insgesamt mögliche 5272 Wechselwirkungen festgestellt. Bei jedem 8. Betroffenen waren Arzneimittel der Selbstmedikation beteiligt. 

Die häufigsten Problemgruppen waren Blutdruckmittel und Schmerzmittel, gefolgt von Mineralstoff-Präparaten und Antidepressiva. Insgesamt war dabei das Feld der Interaktionen überschaubar: 14 Arzneimittel-Kombinationen machten über 50 Prozent aller dokumentierten Interaktionen aus. Die Wissenschaftler der BA KlinPharm gehen aufgrund dieser Zahlen davon aus, dass statistisch gesehen jede Apotheke in Bayern einmal täglich eine gefährliche Wechselwirkung aufdeckt und pro Jahr in Bayern über 870 000 potenziell schwere Interaktionen vorliegen. 

„Das Ergebnis zeigt aber auch, dass Wechselwirkungen im Apothekenalltag häufig vorhersehbar und damit vermeidbar sind“, erklärte Dr. Sonja Mayer, Wissenschaftliche Leiterin der Studie und Geschäftsführerin der BA KlinPharm. Generell nehme das Wechselwirkungsrisiko mit der Zahl gleichzeitig eingenommener Medikamente, dem Alter der Patienten und der Zahl der beteiligten Ärzte und Apotheker zu. Positiv wertete sie, dass der weitaus größte Anteil der entdeckten Wechselwirkungen – 82 Prozent – durch ein persönliches Gespräch direkt in der Apotheke gelöst werden konnte. In weiteren acht Prozent der Fälle half der Apotheker dem Patienten durch eine sofortige Rücksprache mit dem Arzt. Die restlichen 10 Prozent wurden an den Arzt zurückverwiesen.

 „Die Studie macht deutlich, wie wichtig die persönliche Beratung beim Arzneimittelkauf ist – auch wenn es sich um vermeintlich harmlose Medikamente handelt“, unterstrich Ulrich Koczian, Sprecher der BA KlinPharm und Vizepräsident der Bayerischen Landesapothekerkammer in einer Pressemitteilung. Gerade Patienten, die erstmalig ein bestimmtes Arzneimittel anwenden, sollten sich daher in der Apotheke informieren, ob besondere Vorsichtsmaßnahmen zu beachten seien. Immerhin bei sieben Prozent der Patienten (380 mal) war ein neuverordnetes Medikament betroffen. Bayerns Apotheken nähmen die Ergebnisse der Studie sehr ernst und beteiligten sich daher auch an einer aktuellen Aufklärungsaktion mit Plakaten und Handzetteln, wie sie auch in einigen anderen Bundesländern im Januar in Apotheken gestartet sei.

18.01.12

Quelle: BA KlinPharm, Bayerische Landesapothekerkammer

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